Ulla Patricia Autenrieth

Diskurse des (Un-)Zeigbaren und die Rolle von Alter und Geschlecht – am Beispiel #Yolocaust

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Mit seinem Projekt #Yolocaust erzielte der Künstler Shahak Shapira zu Beginn des Jahres 2017 große Aufmerksamkeit. Um das seiner Ansicht nach unangemessene Verhalten vieler Jugendlicher am Holocaust-Mahnmal in Berlin zu kritisieren, recherchierte er Fotos, die an der Gedenkstätte aufgenommen und über Social Media geteilt wurden. Anschließend bearbeitete er diese, indem er die Abgebildeten auf Bilder mit Opfern des Holocausts transferierte. Aufgrund des sich ergebenden Spannungsfelds durch die De- bzw. Rekontextualisierung entstanden 12 emotionalisierende Bilder, die von Shapira auf www.yolocaust.de veröffentlicht wurden.
Anhand von Shapiras Werk exemplifizieren sich gegenwärtige Auseinandersetzungen zu Fragen der visuellen Kultur. Neben juristischen Problematiken sind es insbesondere normative Überlegungen, die die gegenwärtigen Auseinandersetzungen prägen. Es stellt sich die Frage, inwiefern die stark ablehnenden Reaktionen tatsächlich auf den Inhalt der Fotos zurückzuführen sind oder ob diese nicht viel eher in der Rahmung bzw. dem ‚Framing‘ des #Yolocaust-Projekts begründet liegen.
In diesem Beitrag wird mithilfe eines Experiments überprüft, wie stark sich multimodales Framing auf die Einschätzung von Bildern auswirkt. Hierfür wurden zwei Untersuchungsgruppen die jeweils gleichen 30 Fotos zur Bewertung vorgelegt, darunter auch die von Shapira verwendeten, jedoch noch unbearbeiteten Original-Bilder der Jugendlichen. Während der Vorabstimulus von Gruppe A ein Framing enthielt, das neben den Original-Fotos die von Shapira veränderten Bilder sowie einen Bericht über das #Yolocaust-Projekt beinhaltete und das Verhalten der Jugendlichen verurteilte, enthielt der Stimulus von Gruppe B ein neutraleres Alternativframing. Es zeigte sich jedoch, dass die vorgenommenen Framings keinen bedeutenden Einfluss auf die Bewertungen der Fotos durch die UntersuchungsteilnehmerInnen nahmen. Relevant waren jedoch die Auswirkungen, die sowohl das Alter als auch insbesondere das Geschlecht der Abgebildeten sowie der Befragten hatten.

[Discourses of the (non-)displayable and the role of age and gender – looking at the example of #Yolocaust]

In the beginning of 2017, artist Shahak Shapira attracted a lot of attention with his #Yolocaust project. To criticize what he considers to be inappropriate behaviour of many young people at the Holocaust Memorial in Berlin, he researched photos taken at the memorial and shared them on social media. He then transferred the people depicted in social media posts to pictures of victims of the Holocaust. Through the tension caused by de- and recontextualising images in that way, 12 emotive pictures were published by Shapira on his website www.yolocaust.de.
Shapira’s work exemplifies present-day quarrels about questions of visual culture. In addition to legal problems, there are normative questions that characterise the current dispute. The question arises, whether the strongly negative reactions are actually due to the content of the photos or if they are rather due to the framing of the #Yolocaust project.
This article examines the impact of multimodal framing on the assessment of images. To do so, two groups of the same 30 photos were submitted for evaluation, including the original pictures, still unprocessed of the adolescents used by Shapira. While group A received a preliminary stimulus that included framing the original photos with Shapira’s altered images as well as report on the #Yolocaust project and condemning adolescent behaviour, Group B received a stimulus with a more neutral alternative framing. It turned out, however, that the different frames did not have a significant influence on the evaluations of the photos by the study participants. What was relevant, however, were the effects that both age and, gender of the people depicted as well as the respondents had.