Die Konjunktur des Körpers

Pressemitteilung vom 12. November 2018

Die Konjunktur des Körpers

In der Neuerscheinung “Körperbilder – Körperpraktiken” werden die Visualisierung und die Vergeschlechtlichung von Körpern in Medienkulturen untersucht.

Die Allgegenwart digitaler Medien mit ihrer zunehmenden Visualisierung führt zu einer verstärkten Repräsentation des menschlichen Körpers. Bilder zeigen jedoch nicht nur Körper, sie schaffen damit auch weitreichende Identitätsangebote – von After-Baby- bis Plus-Size-Body. Gesellschaftliche Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit der Körper werden zunehmend medial und visuell bestimmt. Medial ausgehandelt werden dabei Körpernormen und deren Abweichungen, Medien sind aber auch an der Disziplinierung der Körpergestaltung beteiligt. Sie ermöglichen Überwachung und Kontrolle der vergeschlechtlichten Körper und regulieren Affekte, die durch sie hervorgebracht werden.

Der Band Körperbilder – Körperpraktiken setzt sich mit diesen Prozessen und Entwicklungen aktuell und aus historischer Perspektive auseinander. Dabei werden drei Schwerpunkte gelegt: Die Beiträge des ersten Abschnitts Der optimierte Körper nehmen Fragen nach sozialer Regulierung und Disziplinierung des Körpers in den Blick, sei es in Reality-TV, oder in Fitness-Inhalten auf Instagram. Im zweiten Abschnitt Repräsentationen und diskursive Verhandlungen vergeschlechtlichter Körper setzen sich die Beiträge mit der Konstruktion von “legitimen” Körpern in einer Gesellschaft auseinander. Sie zeigen auf, wie visuelle Kommunikation an symbolischen Grenzsetzungen beteiligt war und ist. Hier reichen die Beiträge von historischen Beispielen, etwa der Illustriertenpresse in der Weimarer Republik, bis zu Online-Bewertungen von Prostitution heute. Der dritte Abschnitt Visuelle Körperpolitiken, (Selbst-)Ermächtigung und Protest beschäftigt sich mit dem Einsatz von Körperlichkeit in medialen Diskursen zwischen Anpassung und Widerstand. Hier zeigt sich die Spannbreite von Widerstandsformen, beginnend mit der Diversität von Mode, über Meme im Wissenschaftsbereich, bis hin zu Protestbildern im arabischen Frühling.

Die AutorInnen aus der Kommunikations- und Medienwissenschaft, der Soziologie und der Kulturwissenschaft bieten theoretisch und empirisch fundierte Analysen von medialen und mediatisierten Körperbildern und Körperpraktiken in Berichterstattung, Reality-TV, Werbung, Social-Media-Plattformen, Foren oder Online-Diensten. Die Beiträge zeigen, wie visuelle Repräsentationen und mediale Körperdiskurse die Erfahrung von Körper(lichkeit) prägen und wie vor allem geschlechtliche Normierungen Ausgrenzungen (re)produzieren und auch verändern können.

AUTOREN / HERAUSGEBER

Elke Grittmann

Elke Grittmann, Jg. 1966, Prof. Dr.; Studium der Kunstgeschichte, Journalistik und Kommunikationswissenschaft, Politikwissenschaft in Hamburg, 2006 Promotion mit einer Arbeit über Politik in der visuellen Berichterstattung; Professorin für Medien und Gesellschaft, Institut für Journalismus an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Forschungsschwerpunkte: Visuelle Kommunikation/Visuelle Kultur und Fotojournalismus; Medien und Migration/internationale Kommunikation, Kommunikationswissenschaftliche Erinnerungsforschung; Gender Media Studies, Quantitative/Qualitative Methoden der Bildanalyse/Bild-Diskursanalyse. ...


Katharina Lobinger

Katharina Lobinger, Jg. 1981, Prof. Dr.; Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft und Italienisch in Wien.  2010 Promotion mit einer Arbeit über Visuelle Kommunikationsforschung. 2011-2016 wissenschaftliche Mitarbeiterin (Postdoctoral Fellow) am Institut für historische Publizistik, Kommunikations- und Medienwissenschaft (IPKM) und am Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung (ZeMKI) der Universität Bremen. Seit 2016 Assistenzprofessorin für Online Communication an der Università della Svizzera italiana in Lugano. Sprecherin der Fachgruppe »Visuelle Kommunikation« der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK). Forschungsschwerpunkte: Visuelle Kommunikationsforschung, Multimodalität, Online-Kommunikation, ...


Irene Neverla

Irene Neverla, Jg. 1952, Prof. Dr.; Studium der Kommunikationswissenschaft, Soziologie und Psychologie an den Universitäten Wien, Salzburg, München. Promotion über Arbeitszufriedenheit von Journalisten. Habilitation über Fernsehnutzung und Zeitgestaltung im Alltag. Seit 1992 Professorin für Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Universität Hamburg, seit 2017 emeritiert. Aktuelle Forschungsschwerpunkte: Journalismus in Theorie und Empirie, Journalismus und Demokratiekonflikte, Klimawandel- und Wissenschaftskommunikation, Ökologie der Mediengesellschaft. ...


Monika Pater

Monika Pater, Jg. 1962, Dr., Studium der Publizistik, Anglistik und Romanistik an der Westf.-Wilhelms-Universität Münster; Promotion über die Herausforderungen des Journalismus durch Informationsflut und Informationskomplexität; Post-Doc an der Journalistik und Kommunikationswissenschaft, Universität Hamburg. Forschungsschwerpunkte: Mediengeschichte (v.a. deutsche Rundfunkgeschichte) aus der Perspektive der Gender Media Studies, Medienhandeln /Kommunikationsrepertoires der Frauen-/Lesbenbewegung. ...