Deutsche Auslandskorrespondenten aus Ost und West berichten über ihre Arbeit während des Kalten Krieges

Pressemitteilung vom 21. November 2014

Deutsche Auslandskorrespondenten aus Ost und West berichten über ihre Arbeit während des Kalten Krieges

Das neueste Buch aus dem Herbert von Halem Verlag widmet sich den Auslandskorrespondenten aus BRD und DDR zwischen 1945 und 1990, ihrem Rollenverständnis und dem beruflichen Alltag.

Vom Weltgeschehen und den großen Konflikten des Kalten Krieges berichteten DDR- und BRD-Korrespondenten häufig ganz gegensätzlich. Im heute wiedervereinigten Deutschland haben wir die privilegierte Situation, dass Auslandkorrespondenten aus Ost und West über ihre Arbeit unter den Bedingungen des Kalten Krieges reflektieren können.

Im nun erschienenen Buch Korrespondenten im Kalten Krieg. Zwischen Propaganda und Selbstbehauptung berichten Zeitzeugen, wie sie beispielsweise 1960 mitten in den folgenschweren ›Kongo-Wirren‹ für Patrice Lumumba übersetzten; in die gewaltsamen Proteststürme der Pariser 68er-Bewegung gerieten; am Lincoln Memorial in Washington standen, als Martin Luther King sein berühmtes ››I have a dream!‹‹ in die Welt hinausrief; über den Vietnamkrieg aus ›Vietcong‹-Perspektive reportierten; Castros Kuba bereisten; sich mit einem südafrikanischen Staatssekretär prügelten; in Moskau und New York Bannmeilen nicht verlassen durften und über ihre Erfahrungen mit Verfassungsschutz, CIA und Stasi.

Neben einer Vielzahl von persönlichen Erlebnissen enthält das Buch systematische Betrachtungen zur Pressefreiheit, zum Rollenverständnis von Korrespondenten, zu Gängelungen durch Redaktionen, über Tabuthemen und zu Propagandafragen. Im Kalten Krieg implementierten Massenmedien und Journalisten beider Blöcke bipolare Gut-Böse-Narrative. Im psychologisch-propagandistischen ›Krieg um die Herzen und Köpfe‹ erklärte jede Seite fortwährend, den zukunftsträchtigeren und aufrichtigeren Gesellschaftsentwurf anbieten zu können. Insbesondere in den ersten Jahrzehnten des Kalten Krieges wurden weltweit Auslandskorrespondenten der jeweils anderen Seite stark behindert. Beschlagnahmungen von Recherchematerial, Schikanen bei Grenzübertritten, Einreiseverbote, Ausweisungen, Festnahmen, Verhöre, Observationen und Überwachungen von Post und Telefon waren übliche Maßnahmen. Streng geheim etablierte die DDR beispielsweise Tarnfirmen in Skandinavien, um das auf ihr lastende Embargo und die Repressalien gegen DDR-Reporter zu umgehen. Journalisten mit dänischen, australischen, bundesdeutschen und britischen Pässen arbeiteten für diese Firmen.

Für das vorliegende Buch führte Lutz Mükke rund 60 Interviews und recherchierte fast zehn Jahre in Archiven, Behörden, Bibliotheken und im Internet. Auch Studenten seiner Projektseminare setzten sich mit dem Thema auseinander. In Rechercheteams interviewten sie jeweils einen aus der DDR und einen aus der BRD stammenden Korrespondenten, die für den ADN, die ARD, das Neue Deutschland, den Spiegel und eine ganze Reihe anderer Medienhäuser in Ost und West arbeiteten. Zeitzeugen wie Klaus Bednarz, Ulrich Kienzle, Horst Schäfer, Lutz Herden, Dietmar Schumann und Klaus Steiniger gaben Antworten.

AUTOREN / HERAUSGEBER

Lutz Mükke

Lutz Mükke , Dr., ist Wissenschaftlicher Direktor des Europäischen Instituts für Journalismus- und Kommunikationsforschung in Leipzig. Seit 2010 ist er Herausgeber der internationalen Journalismus-Zeitschrift MESSAGE. Der Diplom Journalist und Afrikanist arbeitete als Reporter in Kriegsgebieten wie Afghanistan, Südsudan, DR Kongo oder Somalia und als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Leipzig, Abteilung Journalistik. Seine Spezialthemen sind Auslandsberichterstattung, Recherche, Narrativer und Medienjournalismus, Kalter Krieg und Medien in Transition. ...