Der Western der Gegenwart

Pressemitteilung vom 5. Oktober 2021

Der Western der Gegenwart

Das Filmgenre Western im Fokus eines interdisziplinären Sammelbandes.

Der Western ist eines der ältesten Filmgenres und dennoch von größter Aktualität. Es ist die Beziehung von Westernfilm, Historie und Gesellschaftswerdung, die ihn von Anfang an charakterisiert hat und zu einem verlässlichen Seismografen seiner jeweiligen Gegenwart werden ließ und lässt. Gerade die für den Western konstitutive Frage nach Grenzsetzungen – von Recht und Unrecht, Heimat und Fremde, Identität und Alterität – sorgt scheinbar für dessen beständige Präsenz. Diese Frage leitet nämlich nicht weniger an als seine kritischen Perspektiven auf die politischen Kulturen der Gegenwart. Denn die fiktiven Versuchsanordnungen von Gesellschaft im Western verhandeln nicht nur die Ursprünge einer ursprungslosen Gesellschaft, sondern auch die Herausbildung jener normativen Ordnungen, aus deren Gesellschaft der Western hervorgegangen ist. Und so etabliert der Western der Gegenwart zwar immer wieder Erzählungen von der Frontier – allerdings sind dies Frontier-Erzählungen wider Willen.

Die Autor*innen des Sammelbandes Politik der Grenze. Interdisziplinäre Perspektiven auf die Frontier im Western der Gegenwart nehmen eine theoretische wie empirische Neubestimmung des Westerns vor. Sie gehen den Politiken der Grenze im Western-Genre nach, indem sie verschiedenste Aspekte des Politischen fokussieren – etwa Gender, Gewalt, Nachhaltigkeit, das Anthropozän oder Postheroismus. Dabei sind drei Fragen für den Band leitend: Ist die Wiederkehr des Western in die Kinos einer bestimmten Konstellation in Politik und Vergesellschaftung geschuldet? Welche ästhetischen Reflexionsleistungen bringt der Western über den Zusammenhang von gesellschaftlicher Ordnung und Gewalt zur Aufführung? Wie wird das Verhältnis von Film (als öffentliche narrative Instanz) und Gesellschaft reflektiert?

Politik der Grenze richtet sich an Studierende, Lehrende, Wissenschaftler*innen und Interessierte der Film-, Medien-, und Kulturwissenschaft. Kulturwissenschaft sowie der Filmsoziologie. Mit Beiträgen von Jörn Ahrens, Elisabeth Bronfen, Josef Früchtl, Vinzenz Hediger, Arno Meteling, Lars Nowak, Anja Peltzer, Ivo Ritzer, Marcus Stiglegger, Andreas Wagenknecht und Rainer Winter.

AUTOREN / HERAUSGEBER

Anja Peltzer

Anja Peltzer, Dr., ist Akademische Rätin an der Universität Mannheim. Ihre Forschungsschwerpunkte lauten: Film-, Medien- und Kultursoziologie; Politik und Ästhetik digitaler Kommunikation, Rezeptionsforschung, Digital Literacy und Methoden qualitativer Sozialforschung. Aktuelle Publikationen lauten: Stolpersteine digitaler Erinnerungskulturen. Eine komparative Analyse digitaler Zeitzeugenvideos über den Holocaust. In merzWissenschaft 2020/06, 74-86 (zusammen mit Vivien Sommer); Die Ironie der Empörung: Affektive Politik im digitalen Afterlife des Ibiza-Videos. In Berliner Debatte Initial, 2020/2, 108–122 (zusammen mit Elena Pilipets); ‚Oh mein Gott Druck is so raffiniert!‘ Repräsentation ...


Jörn Ahrens

Jörn Ahrens, Dr., ist Professor für Kultursoziologie mit Schwerpunkt Transformation von Kulturen an der Justus-Liebig-Universität Gießen und Extraordinary Professor of Social Anthropology an der North West University, Südafrika. Arbeitsschwerpunkte: Angst und Gewalt; populäre Medien und Kulturen; Natur und Kultur; Kultur- und Sozialtheorie. Publikationen, Auswahl: Überzeichnete Spektakel. Die Inszenierung von Gewalt im Comic. Baden-Baden [Nomos] 2019; Einbildung und Gewalt. Film als Medium gesellschaftlicher Konfliktbearbeitung. Berlin [Bertz + Fischer] 2016; Film und Gewalt. In: Alexander Geimer; Carsten Heinze; Rainer Winter (Hrsg.): Handbuch ...