Der Umgang deutscher Printmedien mit dem Arabischen Frühling

Pressemitteilung vom 14. April 2015

Der Umgang deutscher Printmedien mit dem Arabischen Frühling

Der Arabische Frühling hielt 2011 nicht nur die islamische Welt in Atem. Auch die deutschen Medien verfolgten damals gebannt die Entwicklungen. Haben aber diese aus westlicher Sicht zunächst positiven Veränderungen auch einen Wandel in der Berichterstattung über die Kultur der betroffenen Länder bewirkt?

Die Darstellung islamischer Länder in der deutschen Presse war bis dahin viele Jahre lang problematisch. Artikel und Beiträge über die islamische Welt waren in der großen Mehrheit geprägt von Negativthemen wie Krisen, Krieg und Katastrophen. Stereotype, Vorurteile und Feindbilder gaben oft nur ein verzerrtes Bild über das Leben der Menschen in diesem Kulturkreis wieder. Selbst heute, im Angesicht des Aufstiegs des Islamischen Staats, wird in den Berichten vielfach keine klare Trennung von religiösen und politischen Themen vollzogen.

Der Journalismusforscher Janis Brinkmann analysierte die Islamberichterstattung im Jahr des Ausbruchs der Arabischen Revolution (2011) sowie im Folgejahr. Als wichtige Grundlagen dafür dienten ihm maßgebende Studien zur Auslandsberichterstattung und aktuelle Theorien zu Schlüsselereignissen und Themenzyklen. Es stellten sich dabei folgende Fragen: Inwiefern veränderte sich die Islamberichterstattung in der überregionalen deutschen Presse während der Arabischen Revolution im Vergleich zu früher und welche langfristigen Entwicklungen ergaben sich daraus für das westliche Islambild?

Hierzu untersuchte der Autor in zwei Zeiträumen die Ausgaben der Tageszeitungen Frankfurter Allgemeine Zeitung und Süddeutsche Zeitung sowie der Magazine Spiegel und Stern quantitativ und qualitativ. Im Rahmen dieser Vollerhebung wurden mehr als 2.000 Artikel mit inhaltlichen, geografischen oder thematischen Bezügen zum Islam analysiert. Die Auswertung der Studie führte letztlich zu einem beunruhigenden Ergebnis. Zwar traten zunächst während der Revolution viele problematische Aspekte der Islamberichterstattung deutlich seltener auf als vorher, jedoch kehrte sich dieser Positivtrend bereits ein Jahr später wieder um. Im Jahr nach der Arabischen Revolution wurde in der deutschen Presse so negativ wie nie zuvor über Ereignisse und Menschen in der islamischen Welt berichtet. Welche Gründe gab es für diese sofortige Rückentwicklung in der Medienbranche? Was bedeutet das langfristig für die journalistische Arbeit in Zeiten von Ethik und Respekt vs. absoluter Meinungsfreiheit (siehe Charlie Hebdo)?

AUTOREN / HERAUSGEBER

Janis Brinkmann

Janis Brinkmann, M.A., geb. 1987 in Witten. Studium der Journalistik und Wirtschaftswissenschaften an der technischen Universität Dortmund und der Politikwissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum. Seit 2006 in der journalistischen Praxis für verschiedene Print-, Online- und Hörfunkmedien sowie seit 2010 in der journalistischen Forschung am Institut für Journalistik in Dortmund tätig. Ausbildung zum Redakteur bei der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung in Essen. Research Fellow am Erich-Brost Institut für internationalen Journalismus in Dortmund und Promotionsstipendiat der Hanns-Seidel-Stiftung in München. Seine Forschungsschwerpunkte sind Auslandsberichterstattung, ...