Annika Hamachers / Volker Gehrau

Der Stellenwert der Beobachtung innerhalb der Kommunikationswissenschaft. Eine Analyse empirischer Beiträge aus 22 Internationalen Fachjournals

2002 schrieb Gehrau in Bezug auf die Beobachtung in der Kommunikationswissenschaft: “[…] die Beobachtung (in ihrer klassischen Variante) ist das ungeliebte Stiefkind der aka-demischen Kommunikationsforschung […]“. (Gehrau, 2002: 99) Zum einen bezieht sich die-se Aussage vornehmlich auf den deutschsprachigen Forschungsraum, zum anderen ist sie über 15 Jahre alt. Ziel dieses Beitrags ist es, sie anhand aktueller (2000 bis 2010) internationa-ler Publikationen zu überprüfen. Dabei steht die Frage im Zentrum: Welchen Stellenwert hat die Beobachtung als Erhebungsverfahren im Fach?

Das Projekt schreibt damit Analysen von Cooper, Pooter & Dupagne (1994) bzw. Trumbo (2004) über die Verteilung kommunikationswissenschaftlicher Basismethoden fort: Basierend auf einer inhaltsanalytischen Vollerhebung von 20 internationalen Fachzeitschriften unter-sucht die Studie, wie die Inhaltsanalysen, Befragungen und Beobachtungen das Profil der Kommunikationswissenschaft bestimmen und wie sie miteinander in Beziehung stehen.

Zu beobachten ist eine klare Dominanz von Befragungen, auf welche sich zwei Drittel aller veröffentlichten empirischen Studien stützen. Inhaltsanalysen – oft als die genuin kommuni-kationswissenschaftliche Methode angesehen – kommen nur in etwa einem Fünftel aller Studien zum Einsatz und Beobachtungen stellen mit einem Anteil von nur 4 Prozent den Exoten unter den Erhebungsverfahren.

Allerdings zeigen die Ergebnisse auch, dass jede der drei Methoden innerhalb der Kommu-nikationswissenschaft ein spezifisches ‚Terrain‘ abzudecken scheint: Beobachtungsverfah-ren stechen in den Bereichen der Mediennutzung und -selektion und der Erforschung inter-personaler Kommunikation besonders heraus, wobei sie als untersuchte Medien das Inter-net, Computerspiele und Gespräche präferieren. Befragungen fokussieren ebenfalls Medi-ennutzungs- und -selektion, befassen sich aber auch verstärkt mit Medienwirkungen und haben dabei einen starken Schwerpunkt auf der Untersuchung audiovisueller Medien. In-haltsanalysen nehmen – ihrer Natur entsprechend – vornehmlich diverse Medieninhalte (z.B. Frames oder Diskurse) in Print-Medien in den Blick. Abschließend kann festgestellt wer-den, dass die Wahl für eine Erhebungsmethode auch durch das gewählte Forschungsdes-ign (z.B. ein Experiment, eine Panel- oder Meta-Analyse) determiniert ist.