Wibke Weber

Datenvisualisierungen im Spannungsfeld von Ethik und Ästhetik

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Können Karten ethisch angreifbar sein? Kann ein Graph emotionalisieren? Sollen Balken- oder Liniendiagramme nüchtern gestaltet sein oder dürfen sie auch provozieren? Fragen nach der Ethik von Datenvisualisierungen mögen zunächst überraschen. Die zunehmende Präsenz von Daten und Datenvisualisierungen, vor allem im Kontext von Datenjournalismus, macht eine ethische Auseinandersetzung mit Visualisierungspraktiken aber dringend notwendig. Der Beitrag fokussiert auf die ethischen und normativen Aspekte von Datenvisualisierungen: und zwar auf den Umgang mit Daten als Basis für die Visualisierung wie auch auf die Visualisierung selbst und ihr ästhetisches Erscheinungsbild. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf Designkonventionen, Gestaltungsregeln und visuell-rhetorischen Stilmitteln. Die Visualisierungspraktiken sollen im Spannungsfeld von journalistischer Berufsethik und visueller Ästhetik verortet werden. Dazu werden theoretische Überlegungen mit empirischen Ergebnissen aus einer Interviewstudie kombiniert. Befragt wurden DesignerInnen, JournalistInnen und ProgrammiererInnen in acht führenden Medienunternehmen in Deutschland und der Schweiz.

[Data visualizations between ethics and aesthetics]

Can maps be ethically incorrect? Can graphs affect emotions? Should bar or line charts look clean and sober or are they allowed to provoke? Questions about ethics in data visualization may surprise. However, the increased use of data and data visualization, especially in the context of data journalism calls for an ethical debate about visualization practices. This article focuses on the ethical and normative aspects of data visualization: on the handling of data as a basis for visualization as well as on the visualization of data and its aesthetics with a special focus on design conventions, design rules and visual-rhetorical devices. These visualization practices are discussed and reflected in the context of professional ethics and visual aesthetics. The theoretical considerations are combined with empirical findings from an interview study with designers, journalists and programmers in eight major news organizations in Germany and Switzerland.