Helmut Scherer / Daniela Schlütz

Das inszenierte Medienereignis

Die verschiedenen Wirklichkeiten der Vorausscheidung zum Eurovision Song Contest in Hannover 2001

Das Saalpublikum ist nur eine Requisite. Wenn die Medien über ein Ereignis berichten, dann bekommt dieses einen spezifischen Wirklichkeitscharakter. Dies gilt insbesondere dann, wenn das Fernsehen ein Event selbst organisiert, um dieses live zu übertragen. Das Ereignis wird so inszeniert, dass es auf dem Bildschirm gut rüberkommt. Bei der Übertragung wird es fernsehtechnisch wiederum so konstruiert, dass es eine besondere Bildkraft entfalten soll.

Diese Inszenierungs- und Konstruktionsprozesse geschehen nicht in einem sozialen Vakuum, andere beteiligte Akteure (Künstler, PR) versuchen, diese zu beeinflussen. So entsteht letztlich ein sehr artifizielles Event. Diese Inszenierungs-, Konstruktions- und Interaktionsprozesse werden am Beispiel der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest 2001 in Hannover mit einer innovativen Mehrmethodenstudie untersucht. Dabei wird die Rolle mediengenerierter Erwartungen herausgearbeitet. Deutlich werden die charakteristischen Unterschiede zwischen dem Saal- und dem Bildschirmereignis. So werden etwa die Publikumsreaktionen dramatisch transformiert. Reagiert das Publikum in der Halle sehr unterschiedlich auf die verschiedenen Künstler, so bleibt davon vor dem Bildschirm nur wenig zu spüren. Die Unterschiede im Applaus werden in erheblichem Maße reduziert. Aus einer Verlaufskurve, die einer zerklüfteten Gebirgslandschaft gleicht, wird eine gedämpfte Sinusschwingung von geradezu beeindruckender Monotonie.

AUTOREN / HERAUSGEBER

Helmut Scherer

Helmut Scherer, Prof. Dr., Jg. 1955, Studium der Publizistik (Hauptfach), Philosophie und Germanistik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, 1984 Magisterexamen, 1984-1985 wissenschaftlicher Angestellter am Institut für Demoskopie Allensbach im Bereich Mediaforschung, 1985-1989 wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Winfried Schulz am Lehrstuhl für Kommunikations- und Politikwissenschaft der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, 1989 Promotion in Kommunikationswissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, 1989-1996 wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Kommunikations- und Politikwissenschaft der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg; Sommersemester 1995 Vertretung der Professur für empirische Kommunikationswissenschaft an der Universität München, 1995 Habilitation im ...


Daniela Schlütz

Daniela Schlütz, Dr. phil., Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung (IJK) der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH). Geboren 1968 in Bremen. 1988-1991: Ausbildung zur Werbekauffrau bei der Werbeagentur Grey, Düsseldorf, mit anschließender Tätigkeit in der Strategischen Planung. 1991-1996: Studium "Medienmanagement (Angewandte Medienwissenschaft)" am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung (IJK), Hannover. 1996-1997: Studium "MSc Media and Communications" an der London School of Economics and Political Science. 1998-2000: Projektmitarbeiterin im DFG-Projekt "Tempo-Rhythmus-Kontrast" an der Universität Osnabrück. 1999-2004 wissenschaftliche ...


Das inszenierte Medienereignis
  • 2003
  • 160 S., 49 Abb.,, dt.
  • engl. Broschur, 213 x 142 mm
  • ISBN 978-3-931606-47-3

  • 5,00 EUR
  • lieferbar

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