Catharina Rüß

Coole Posen im schwarzen Leder

Visualisierungsstrategien von Coolness in der Literatur der Weimarer Republik

Abstract (deutsch)

Im Alltag wird fast allem das Adjektiv ‚cool‘ zugeschrieben. Die beliebige Verwendung des Wortes hat sich nicht nur im Jugendjargon, in der Werbung- und Modewelt etabliert, sondern auch im Umfeld von Medien und Politik verbreitet (Mentges 2010: S. 17). Die Semantik des Begriffs ‚Coolness‘ scheint inzwischen so diffus zu sein, dass dieser Begriff scheinbar „einen maximalen Grad an Entleerung erreicht hat“ (Diederichsen 2003, S. 35). Doch trotz aller Vagheit in der Definition muss Coolness als eine „zentrale Kategorie des 20. und 21. Jahrhunderts“ (Geiger/Schröder/Söll 2010: S. 7) verstanden werden, die zahlreiche kulturelle Praktiken, das Selbstverständnis von diversen Sub- und Jugendkulturen und vor allem die Konstitution von modisch erscheinenden Körpern entscheidend mitprägt. Besonders im Hinblick auf den Umgang mit Kleidung und Accessoires und auf die Art, wie sich verschiedene Akteure in Moden bewegen, ist die Verkörperung von Coolness bedeutsam. So lässt sich Coolness als ein Raffinement des Handelns im Gebrauch von modischen Produkten definieren. Äquivalent bezogen auf den Sprechakt erweist sich Coolness im Bereich der Sprache der Mode als ein souveränes und oft auch rebellisches Spiel mit dem modischen Vokabular. Dabei geht es nicht allein um den Besitz modischer Artefakte, sondern um die performative Aneignung dieser Artefakte und die damit verbundene Suggestion einer souverän und teilweise auch widerständig erscheinenden Körperhaltung, mit der eine Wirkung der Souveränität und Distanz vermittelt wird. Wie diese Wirkung bereits in Romanen und Essays der Weimarer Republik über die Beschreibung bestimmter Körperbilder und Kleidungsstücke wie der Lederjacke konstituiert wird, soll im Aufsatz verhandelt werden. Die Texte der Zwanzigerjahre fungieren dabei als Medien an denen gezeigt wird, wie die Autorinnen und Autoren der Weimarer Republik vor allem der Lederjacke den Sinn von ‚Coolness’ zuschreiben. In diesem Zusammenhang wird auch gezeigt, dass nicht nur geschlechtliche Identitäten durch Mode inszeniert werden, sondern dass dabei häufig auch das Konzept der Coolness im Spannungsfeld der Kategorien ‚männlich’ und ‚weiblich’ konzipiert wird.

Abstract (englisch)

In the everyday life the adjective ‘cool’ is ascribed almost everything. The arbitrary use of the word has not only been established in youth jargon, in the advertisement world and the world of fashion, but also has spread to the sphere of media and politics (Mentges in 2010: p. 17). The semantics of the concept Coolness seems to be so vague, that in the meantime Coolness apparently “has attained the maximum degree of emptyness“ (Diederichsen in 2003, p. 35). However, in spite of all vagueness in the definition, Coolness must be understood as a „central category of the 20th and 21st century“ (Geiger/Schröder/Söll 2010: p. 7) which decisively influences numerous cultural practices, the self-image of various subcultures and youth cultures and above all the constitution of fashionably appearing bodies. The embodiment of Coolness is significant particularly in view of dealing with clothes and accessories, as well as with the way in which different actors move about in fashions. Thus ‘Coolness’ can be defined as a refinement of the usage of stylish products. In equivalence to the speech act Coolness, in the area of the language of style, turns out to be a sovereign and often rebellious game with stylish vocabulary. Besides, it is not only about the possession of stylish artefacts, but about the performative appropriation of these artefacts and the suggestion linked with it, of a sovereign and also a partially resisting posture appeariance, with which an effect of self-confidence and distance is communicated. How this effect is already constituted in novels and essays from the Weimar Republic about the description of certain body pictures, and clothings like the leather jacket, should be negotiated in the essay. Besides, the texts of the 1920’s function as media forms in which is shown how male and female writers of the Weimar Republic are describing the leather jacket as an item of ‘Coolness’. In this connection will also be shown that not only sexual identities are produced by fashion, but, besides that, the conception of Coolness is often conceived in the area of conflict consisting of the categories ‘male’ and ‘female’.

PDF herunterladen