Online-Publikationenrezensionen:kommunikation:medien

4. Juli 2022

Jan-Felix Schrape: Digitale Transformation

Rezensiert von Hans-Dieter Kübler Entgegen schon vielfach behaupteter Gewissheiten und vorgeblich stringenter Zeitdiagnosen über die digitale Gesellschaft (oder ihren diversen Epitheta) geht dieses techniksoziologische “Studienbuch” des Stuttgarter Sozialwissenschaftlers von offenen Prozessen der digitalen Transformation, von vielfältigen Veränderungen mit nur vorläufig “erkennbaren Dynamiken und Ambivalenzen” eines “langfristigen Verknüpfungszusammenhang von Technik und Gesellschaft” aus. Dessen Ausgang, Tragweite, Struktur und Konfiguration sind noch nicht, wohl niemals abgeschlossen und eindeutig, geschweige denn, dass sie in eine “abgeschlossene...

24. Juni 2022

Andrea Belliger, David J. Krieger: Essays zur digitalen Transformation

Rezensiert von Hans-Dieter Kübler Über 40 Kurzreflexionen, Gedankenexperimente und Anmerkungen sind in diesem Reader versammelt, verfasst von der Co-Direktorin des “Instituts für Kommunikation & Führung” in Luzern und Prorektorin der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz gemeinsam mit ihrem Kollegen und Mitgründer des nämlichen Instituts. All diese Kurztexte, die schon einmal an anderer Stelle publiziert wurden, kreisen um das große, aktuelle Schlagwort der digitalen Transformation(en), wie die beiden einleitend schreiben. Tatsächlich greifen sie viel weiter aus und fokussieren sich auf die angesprochene dritte Disruption, nämlich auf den grundlegenden Wandel...

14. Juni 2022

Wilhelm Kempf: Friedensjournalismus. Grundlagen, Forschungsergebnisse und Perspektiven

Rezensiert von Ralf Spiller Der Begriff des Friedensjournalismus taucht bereits um 1900 zum ersten Mal auf, die sozialwissenschaftliche Forschung beschäftigt sich seit etwa 25 Jahren mit dem Konzept. Doch was genau ist Friedensjournalismus? Ein Journalismus über den Frieden? Ein normatives Konzept, wie Berichterstattung erfolgen sollte? Oder vielleicht noch etwas anderes? Kempfs kurzes Buch (160 Seiten) bringt Licht ins Dunkel. Der Band beginnt mit einem Kapitel von Sonja Kretzschmar und Annika Sehl, in dem die beiden Autorinnen verschiedene Ansätze des Friedensjournalismus aufzeigen und in die bisherige Journalismusforschung einordnen. Es folgen vier Kapitel von Kempf zu „Sozialpsychologie...

8. Juni 2022

Sammelrezension Vertrauen und Journalismus

Rezensiert von Beatrice Dernbach Vertrauen ist eines der Buzzwords in der öffentlichen Kommunikation der vergangenen Jahre. Vertrauen Menschen in Krisenzeiten der Wissenschaft – wie es der Wissenschaftsbarometer von Wissenschaft im Dialog belegt –, so genießen PolitikerInnen und JournalistInnen nicht viel davon (wie es der Trust Barometer des Unternehmens Edelman jährlich zeigt). Letzteres messen unter anderem die Wissenschaftler der Universität Mainz, mit insgesamt doch eher beruhigenden Erkenntnissen für die Branche. Das Vertrauen in (!) Journalismus wird in der empirischen Forschung häufig und noch immer mit Medienvertrauen gleichgesetzt, obwohl es nicht das Gleiche ist....

11. April 2022

Astrid Blome, Tobias Eberwein, Stefanie Averbeck-Lietz (Hrsg.): Medienvertrauen

Rezensiert von Hans-Dieter Kübler In den Jahren 2014/15, mit der (ersten) Ukraine-Krise und den mächtigen Fluchtbewegungen – so ist vielfach zu lesen – kam in Deutschland der Vorwurf der “Lügenpresse” auf. Die liberalen Mainstream-Medien wurden wegen ihrer angeblichen Desinformation und Manipulation vor allem von rechten Protagonisten wie Pegida u. a. angegriffen, es grassierten unhaltbare Vorwürfe über Fake News und Verschwörungsmythen besonders im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf und es häuften sich Anfeindungen, Diffamierungen und Verrohungen (Hate Speech) im Netz. Letztlich gerieten die anerkannten Medien unter enormen Legitimationsdruck. Das bislang...

21. März 2022

Michael Seemann: Die Macht der Plattformen

Rezensiert von Hans-Dieter Kübler Am Anfang, 1999/2000, war Napster, der Filesharing-Dienst, der frei verfügbare Songs im Internet einsammelte und für User*innen bis zu seinem per Gericht entschiedenen Ende 2001 verfügbar stellte. Zu ihm kehrt der medien- und kulturwissenschaftliche Autor Michael Seemann in dieser ursprünglich als Dissertation an der Universität Tübingen eingereichten, umfangreichen Arbeit immer wieder zurück, weil Napster auf dem heute gängigen P2P-Prinzip beruhte und damit als exemplarischer Pionier schon wie “eine Plattform” fungierte, “bevor man den Begriff dafür gebrauchte” (19). Gewissermaßen ist Napster die “Linse”...

4. Februar 2022

Malte G. Schmidt: Systemvertrauen und Journalismus im Neoliberalismus

Rezensiert von Hans-Dieter Kübler Misstrauen, ja Feindseligkeit und Aggressivität gegenüber staatlichen Institutionen, Skepsis, wenn nicht gar Ignoranz und Verachtung gegenüber den etablierten Medien und blindes Vertrauen in ideologische, verfälschende Plattformen haben sich bei bestimmten Bevölkerungsgruppen in den westlichen Demokratien tief eingegraben und verfestigen sich, auch wenn sie sich womöglich nicht weiter verbreiten. Da greift man gespannt zu einer überarbeiteten Dissertation aus Münster, die im Titel mit markanten, vielversprechenden Kategorien auffällt und wenigstens in der Einleitung auf deren Aktualität und Omnipräsenz hinweist: “Vertrauenskrisen...

10. Dezember 2021

Marlis Prinzing, Roger Blum (Hrsg.): Handbuch Politischer Journalismus

Rezensiert von Sascha Thürmann Mit dem Handbuch Politischer Journalismus wagen Marlis Prinzing und Roger Blum nach eigener Aussage das “Experiment”, den Politischen Journalismus in modernen, europäischen Demokratien gesamthaft darzustellen (vgl. 17f.). Dass das angesichts der Vielfalt und der zentralen Bedeutung des Politischen Journalismus eine große Herausforderung darstellt, steht außer Frage. Denn bislang fehlt es im deutschsprachigen Raum an vergleichbaren Publikationen, wie die Herausgeber:innen auch selbst ausführen (vgl. 20). Mit 124 Autorinnen und Autoren und fast 900 Seiten bietet das Buch nun eine bemerkenswerte Anzahl an aktuellen Beiträgen zu Theorien,...

6. Dezember 2021

Jennifer Wladarsch: Metakommunikation und die Qualität des Journalismus

Rezensiert von Fabian Prochazka In digitalen Öffentlichkeiten steht das journalistische Angebot nicht mehr für sich allein. Wie Muscheln an einem Schiffsrumpf kleben sich nutzergenerierte Inhalte an Nachrichten: Kaum ein Artikel findet seine Leser:innen ohne Kommentare, Like-Zahlen oder eine freundliche Empfehlung aus der Familien-WhatsApp-Gruppe. Wie prägt diese ‘Metakommunikation’ die Qualitätsurteile von Rezipient:innen? Was macht es mit unserer Wahrnehmung vom Journalismus, wenn er uns ständig gemeinsam mit Meinungen anderer Menschen präsentiert wird? An diesen Fragen setzt das Buch von Jennifer Wladarsch an, das auf ihrer an der LMU München entstandenen Dissertation...

2. Dezember 2021

Martina Bachor, Theo Hug, Günther Pallaver (Hrsg.): DataPolitics

Rezensiert von Hans-Dieter Kübler DataPolitics ist gewiss ein smarter, eindrücklicher Terminus. Gleichwohl bleibt er unscharf, wenn nicht beliebig, nach der Lektüre dieses Sammelbands: Meint er etwa das intransparente, gefährliche Datenmanagement besonders der internationalen IT-Konzerne (wozu gern auch die Studie S. Zuboffs vom Überwachungskapitalismus angeführt wird)? Oder meint er die mehr oder weniger wirksamen Regelungsversuche von EU und Nationalstaaten, um die unkontrollierten Datenströme und -aneignungen einigermaßen gesetzlich zu regeln und unter Kontrolle zu bringen? Oder meint er die verzweifelten Bestrebungen vieler zivilgesellschaftlicher Initiativen, Alternativen...