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29. Juli 2021

Michael Müller: Politisches Storytelling

Michael Müller: Politisches Storytelling

Rezensiert von Ralf Spiller Die Begriffe Storytelling und Narrative sind Modebegriffe (Buzzwords) geworden, konstatiert Michael Müller gleich auf der ersten Seite seines Buches. Sie würden sehr unterschiedlich, zum Teil auch negativ bewertet werden. Als “Storytelling Animals” würden wir Menschen in weiten Bereichen aber nun mal in narrativen Strukturen denken. Unsere gesellschaftlichen Diskurse seien stark von Geschichten, Erzählungen und Narrativen geprägt – egal, ob uns das passe oder überhaupt bewusst sei. Der Autor schreibt Narrativen, also Mustern, mit denen wir unsere tatsächlichen oder vermeintlichen Erfahrungen erklären, eine große Bedeutung zu. “Geschichten...

27. Juli 2021

Dennis Steffan: Visual Politics

Rezensiert von Ralf Spiller “Ein Bild sagt mehr als tausend Worte” – ein bekanntes Sprichwort, das auch für die Politik gilt. Visuelle Kommunikation war für Politiker schon immer wichtig. Schon im Altertum inszenierten sich Feldherren vor ihrem eigenen Volk und unterjochten Völkern mit Insignien der Macht, um Stärke zu demonstrieren. Heute sind die Möglichkeiten für derlei deutlich einfacher: Ein paar Mausklicks bei Instagram und Facebook genügen. Wie genau Politiker sich in Wahlkämpfen visuell inszenieren, untersucht Dennis Steffan in drei Aufsätzen, mit denen er an der FU Berlin promoviert wurde. Diese bilden den Kern seiner Dissertationsschrift, die umrahmt...

23. Juli 2021

Sabine Trepte, Leonard Reinecke: Medienpsychologie

Rezensiert von Ralf Spiller Die Medienpsychologie gewinnt an Bedeutung. Zum einen aus gesellschaftlicher Perspektive durch eine immer stärker digitalisierte und mediatisierte Welt, zum anderen durch stark wachsende wirtschaftliche Anwendungsfelder wie E-Commerce, Online-Games und soziale Netzwerke, die einen zunehmenden Bedarf an medienpsychologischen Erkenntnissen erzeugen. Und nicht zuletzt interessieren sich auch Studierende immer mehr für Medienwirkungen von Instagram, Youtube und Co. Das Lehrbuch Medienpsychologie von Sabine Trepte und Leonard Reinecke wendet sich explizit an Bachelor-Studierende. Es stammt aus der Reihe “Grundriss der Psychologie”, von denen sich...

7. Juli 2021

Sabine Coelsch-Foisner, Christopher Herzog (Hrsg.): Visualisierung

Rezensiert von Hans-Dieter Kübler Menschheits- und kulturgeschichtlich war das (fixierte) Bild vor dem (geschriebenen) Wort. Seither beschäftigt sich die Menschheit mit jeweils unterschiedlichen Zugängen, Wertungen und Schwerpunkten mit dem “Bildwerden und dem Bildgeben”, verstanden als universelle Visualisierung (19), so die Herausgeberin, die Salzburger Anglistin S. Coelsch-Foisner in ihrer grundlegenden Einleitung dieses Sammelbandes. Entstanden ist er nach der Jahrestagung des fünften Forschungsclusters der ARGE “Kulturelle Dynamiken” der Österreichischen Forschungsgemeinschaft (ÖFG) 2018 in Wien. Das Hauptaugenmerk der Tagung lag auf den Zusammenhängen...

10. Juni 2021

Christine Trültzsch-Wijnen, Gerhard Brandhofer (Hrsg.): Bildung und Digitalisierung

Rezensiert von Hans-Dieter Kübler Diskutieren Pädagog*innen hinsichtlich der anhaltenden technischen und medialen Veränderungen gewissermaßen immer wieder dieselben Fragen und Probleme? Das fragen sich mit verblüffender Offenheit und unverstellter Selbstreflexion die beiden Herausgebenden, Lehrende der (Medien-)Pädagogik in Salzburg und Niederösterreich, in der Einleitung ihres Tagungsbandes, der im Kontext der Kongresses “EDU|days 2020” entstanden ist: Seit den 1990er Jahren geht es um “Medienkompetenz” in all ihren Facetten und Ansprüchen, nunmehr Digitalisierung, digitale Kompetenz oder gar digitale Bildung, um womöglich nach 20 Jahren rückblickend...

11. Mai 2021

Stephan Niemand: Alltagsumbrüche und Medienhandeln

Rezensiert von Hans-Dieter Kübler Wie Mediengebrauch und alltägliche Lebensführung miteinander verwoben sind, untersuchte ein von der DFG gefördertes Projekt an der Universität Münster von 2008 bis 2016 unter der im Deutschen etwas misslichen Übersetzung der Domestizierung. (Denn weder domestizieren die Medien den Alltag noch umgekehrt; passender sind Kategorien wie Dispersion oder Penetration von Seiten der Medien, Strukturierung und Aneignung von Seiten des Publikums). Die deutsche Formulierung der Verhäuslichung der Medien trifft es besser, zumal das Projekt konsequent die Perspektive der Rezipienten wählte. Der Fokus lag dabei auf der Verbreitung und Integration des Internets...

22. April 2021

Joseph Vogl, Burkhardt Wolf (Hrsg.): Handbuch Literatur & Ökonomie

Rezensiert von Jonas Nesselhauf Die verheerende Wirtschaftskrise von 2007/8 (nach dem Zusammenbruch des US-amerikanischen Subprime-Hypothekenmarkts) hatte nicht nur globale Auswirkungen. Sie führte beispielsweise in Europa zu einer dramatischen Staatsschuldenkrise, wovon zunächst besonders die südlichen Länder, schließlich aber die gesamteuropäische Währungsunion betroffen waren. Auch auf einem anderen Feld machte sich der Crash bemerkbar: Denn in den darauf folgenden Jahren erschienen zahlreiche Romane und Erzählungen, Filme und Fernsehserien, die sich mit der ökonomischen Krise und ihren sozialen Folgen beschäftigten – mit der Gier der Spekulanten ebenso wie mit den gesellschaftlichen...

13. April 2021

Claudia Mast et al.: “Den Mächtigen auf die Finger schauen”

Rezensiert von Silke Fürst Der Lokaljournalismus wurde von der Journalismusforschung in den vergangenen Jahrzehnten eher wenig beachtet (Arnold/Wagner 2018; Hanusch 2015). In den jüngsten Jahren erlebt dieser Forschungsbereich aber eine Blüte (siehe z. B. Gulyas/Baines 2020a: 1; Jenkins 2019; Örnebring et al. 2020). Das hängt mit der wichtigen Funktion des Lokaljournalismus und den gleichzeitigen Herausforderungen der Digitalisierung und des Wettbewerbs um Aufmerksamkeit und Werbeeinnahmen zusammen. Nach wie vor hat der Lokaljournalismus, und besonders die Lokalpresse, nicht nur für viele NutzerInnen eine hohe Bedeutung, sondern auch für das soziale Zusammenleben in Dörfern und...

8. April 2021

Mandy Tröger: Pressfrühling und Profit

Mandy Tröger: Pressfrühling und Profit

Rezensiert von Hans-Dieter Kübler Dass der politischen Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten am 3. Oktober 1990 – oder korrekter: dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland – die wirtschaftliche Einverleibung oder Unterwanderung in Form von Fusionen, Joint-Ventures, Preispolitik oder geheimen Absprachen des kapitalstarken Westens vorausging, ist hinlänglich bekannt und vielfach erforscht. Ein besonders symptomatisches und folgenreiches Beispiel – als paradigmatischer Konflikt zwischen großpublizistischen und kleinverlegerischen Marktinteressen einerseits und alternativen Reformkonzepten und hehren demokratischen Idealen der Pressefreiheit andererseits – sei...

6. April 2021

Sabine Schiffer: Medienanalyse

Rezensiert von Johannes Gemkow Sabine Schiffer beschreibt in ihrem Lehrbuch Medienanalyse die medial geleitete Sinnkonstruktion und stellt medienanalytische Verfahren vor. Die Autorin verfolgt dabei den Anspruch der Alltagsbezogenheit. Für das Buch heißt das, dass es sowohl verständlich und anschaulich als auch mit praxisorientierten Beispielen gefüttert sein soll. Die vier Kaptiel des Lehrbuchs können auf drei wesentliche Aspekte verdichtet werden: Den erste Aspekt bildet die Wahrnehmung eines aktiv dekodierenden Rezipienten. Die Autorin unterscheidet hierbei zwischen einem eher angebotsorientierten und einem rezeptionsorientierten Teil. Im angebotsorientierten Teil geht sie...