Online-Publikationenrezensionen:kommunikation:medien

2. Mai 2018

Hans Mathias Kepplinger: Totschweigen und Skandalisieren

Hans Mathias Kepplinger: Totschweigen und Skandalisieren

Von Redaktion | Rezensiert von Guido Keel Journalisten machen Fehler – wie alle anderen Berufsleute auch. Für den lang gedienten Mainzer Kommunikationswissenschaftler Hans Mathias Kepplinger haben diese Fehler aber eine größere Relevanz: Er sieht sie im direkten Zusammenhang mit dem Vertrauensverlust in die Medien. Daraus resultiere ein Problem für die demokratische Gesellschaft, die darauf angewiesen ist, dass die Bürgerinnen und Bürger den Medien vertrauen. Es sind deshalb die Journalisten selbst, die für diese Entwicklung mitverantwortlich sind. Denn, so Kepplinger, Journalisten haben sich inzwischen so weit von der Gesellschaft entfremdet (vgl. 173), dass sie in ihrer Wahrnehmung als gemeinwohlorientierte...

2. März 2018

Andreas Sudmann: Serielle Überbietung

Andreas Sudmann: Serielle Überbietung

Von Redaktion | Rezensiert von Jonas Nesselhauf Der Fernsehmarkt ist gerade in den vergangenen Jahren so stark wie wohl niemals zuvor zu einem Schauplatz des kapitalistischen Wettbewerbs geworden. Zwar existierte mit dem sogenannten Nielsen-Rating schon quasi mit dem Aufstieg des Fernsehens zum Massenmedium in den USA der Nachkriegsjahre ein ebenso gefürchtetes wie täglich befragtes Instrument zur Messung der Einschaltquote und damit zur Bewertung der Werbeplätze. Doch dieser Wettbewerb um die Gunst der Zuschauer hat sich gerade im letzten Jahrzehnt nochmals verschärft – sei es beispielsweise, weil die etablierten Sender mit Streaming-Portalen wie Netflix oder Amazon Prime einen neuen und mächtigen...

26. Februar 2018

Barbara Brandstetter, Steffen Range: Wirtschaft. Basiswissen für die Medienpraxis

Barbara Brandstetter, Steffen Range: Wirtschaft. Basiswissen für die Medienpraxis

Von Redaktion | Rezensiert von Ralf Spiller Die Bedeutung der Wirtschaft für Staat und Gesellschaft ist weitgehend unstrittig. Auch für jeden einzelnen spielen ökonomische Entwicklungen eine wichtige Rolle: Denn dabei geht es um Themen wie die Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes, steuerliche Belastungen oder die Kaufkraft des Geldes. Umso bemerkenswerter ist, dass die Wirtschaftsberichterstattung von breiten Teilen der Bevölkerung nur wenig geschätzt wird. Nach einer Studie des Allensbacher Instituts für Demoskopie von 2015 belegt das Zeitungsressort Wirtschaft in der Abfrage der Präferenzen einen unrühmlichen 10. Platz, weit hinter Lokales, Politik, Sport und Kultur. Viele andere Studien stützen...

23. Februar 2018

Horst Pöttker, Aleksandr I. Stan’ko (Hrsg.): Mühen der Moderne

Horst Pöttker, Aleksandr I. Stan’ko (Hrsg.): Mühen der Moderne

Von Redaktion | Rezensiert von Jürg Häusermann Russland und Deutschland waren nicht gerade die Wegbereiter der Moderne, und journalistische Medien entwickelten sich in beiden Ländern eher mühsam. Dennoch regte sich im 19. Jahrhundert journalistisches Bewusstsein. Diese These war Anlass zum Sammelband Mühen der Moderne. Verfasst von deutschsprachigen und russischen Publizistik-, Geschichts- und Literaturwissenschaftlern, widmen sich vierzehn Artikel dem publizistischen Schaffen von Schriftstellern aus Russland und Deutschland, die sonst vor allem für ihre literarischen Werke bekannt sind. Alle Beiträge sind sowohl auf Deutsch als auch auf Russisch enthalten. Die ersten Spuren der Prinzipien eines modernen,...

19. Februar 2018

Sarah Geber: Wie Meinungsführer Meinung kommunizieren

Sarah Geber: Wie Meinungsführer Meinung kommunizieren

Von Redaktion | Rezensiert von André Haller Meinungsführertheorien gehören fest zum Lehrkanon der Kommunikationswissenschaft. Studien zu diesem Forschungsgebiet werden seit den Anfängen der Disziplin (exemplarisch sei an die “People’s Choice“-Studie von Lazarsfeld, Berelson & Gaudet 1944 erinnert) bis heute durchgeführt. Sarah Geber beschäftigt sich in ihrer Veröffentlichung mit den politischen Meinungsführern, genauer mit der Frage, wie der interpersonale Kommunikationsprozess zwischen Meinungsführern und -folgern in alltäglichen Gesprächssituationen genau verläuft. Die Autorin führt zu diesem Zweck das Konzept der “relativen Meinungsführerschaft“ ein – eine Rolle in...

15. Februar 2018

Lars Rinsdorf: Redaktionelle Strategien entwickeln

Lars Rinsdorf: Redaktionelle Strategien entwickeln

Von Redaktion | Rezensiert von Kristina Wied Die Medienlandschaft verändert sich tagtäglich. Digitalisierung und technologische Innovationen treiben diese Veränderungen wesentlich an. Damit wandeln sich auch die Rahmenbedingungen, unter denen Journalismus in Redaktionen entsteht. Die Medienhäuser ebenso wie die journalistischen Redaktionen müssen mit diesem steten Wandel und dem Risiko, der Unsicherheit und der Ungewissheit, die mit Zukunfts-Entscheidungen verbunden sind, umgehen. Aber wie? Durch planvolles Handeln und mit Hilfe redaktioneller Strategien, wie Lars Rinsdorf in seinem Buch Redaktionelle Strategien entwickeln vielschichtig ausführt. Zeitgemäße Strategiearbeit sei, so hebt er mehrfach hervor,...

9. Februar 2018

Katja Müller-Helle: Zeitspeicher der Fotografie

Katja Müller-Helle: Zeitspeicher der Fotografie

Von Redaktion | Rezensiert von Ulrich Hägele Die Fotografie sucht seit ihren Anfängen nach dem realen Bild. Berühmt sind William Henry Fox Talbots Fotogramme von Farnen, Gräsern oder textilen Dingen – die fragilen Kompositionen verzücken auch 180 Jahre nach ihrer Entstehung. Detailtreue setzte ein großes Negativformat voraus. Ein Pionier auf diesem Gebiet war Johann August Lorent. Auf seinen Reisen in den Orient benutzte er in den 1850er Jahren Kameras mit 60 mal 80 Zentimeter großen Glasplatten – allein der Transport dieser Apparaturen muss ein immenser Kraftakt gewesen sein. Die Kameras besaßen keinen Verschluss und die Kollodiumplatten waren lichttechnisch träge, aber die feingezeichneten Architekturaufnahmen...

2. Februar 2018

Thomas S. Eberle: Fotografie und Gesellschaft

Thomas S. Eberle: Fotografie und Gesellschaft

Von Redaktion | Rezensiert von Carsten Heinze “Welch außerordentliches anthropologisches Vorkommnis! Als Technik einer technischen Welt, physikalisch-chemische Reproduktion der Dinge, Erzeugnis einer besonders gearteten Zivilisation, erinnert die Photographie dennoch an das ursprünglichste und universellste geistige Produkt: sie enthält die Gene des Bildes (des Vorstellungsbildes) und des Mythos (des Doubles) oder, wenn man will, sie ist Bild und Mythos im Zustand des Entstehens.” (Morin: 40 f.) Der zur Diskussion stehende Sammelband Fotografie und Gesellschaft: Phänomenologische und wissenssoziologische Perspektiven vereint in fünf Teilen theoretische, methodologische, methodische sowie auch...

24. Januar 2018

Andrea Bartl, Markus Behmer (Hrsg.): Die Rezension

Andrea Bartl, Markus Behmer (Hrsg.): Die Rezension

Von Redaktion | Rezensiert von Holger Noltze “Wo steht das Rezensionswesen heute?“, das ist hier (14) die Frage. Sie zielt auf das Wesen der Literaturkritik, “ein faszinierendes Feld interdisziplinärer Forschung“ (17). Neunzehn Beiträge, die überwiegend auf eine im Sommer 2015 an der Universität Bamberg stattgefundene Tagung zurückgehen, umkreisen das Feld, und sie beleuchten es in der Tat interdisziplinär: germanistisch, soziologisch, system- und medientheoretisch, ökonomisch, feuilletonistisch, literarisch, pragmatisch. Die Herausgeber haben diese Perspektiven sinnvoll zu Kapiteln geordnet. Eine (erwartbare) historische Herleitung wird dabei erfreulicherweise übersprungen; auf die...

Berit von der Lippe, Rune Ottosen (Hrsg.): Gendering War and Peace Reporting

Berit von der Lippe, Rune Ottosen (Hrsg.): Gendering War and Peace Reporting

Von Redaktion | Rezensiert von Julia Lönnendonker Der Sammelband Gendering War and Peace Reporting von Ottosen und von der Lippe untersucht die Rolle von Gender in der Kriegsberichterstattung. Die Berichterstattung über Kriege ist traditionell männlich besetzt: Nicht nur die Kriegsberichterstatter waren und sind in der Mehrzahl männlich, auch ihre Quellen, wie Politiker, hochrangige Militärs und Beamte, sind häufig Männer. Die Herausgeber fragen, ob sich durch die zunehmende Präsenz von Frauen einerseits als Kriegsreporterinnen und andererseits auch als Funktionärinnen im Militär und in der Politik die Berichterstattung von der Front verändert hat und ob die weibliche Perspektive zu einer stärkeren...