29. September 2011

Alles neu?

Alles neu?

Von Redaktion Journalistik Journal | Editorial Von Tobias Eberwein Medienkritik ist nichts Neues. Auch wenn der kritische Diskurs über Journalismus und Medien in der heutigen Erregungsgesellschaft, beflügelt durch web-basierte Themenschleudern wie Twitter oder Facebook, so lebendig ist wie nie zuvor – es gibt ihn schon lange, so lange, wie es Medien gibt. In kaum einem Bereich wurde und wird dieser Diskurs jedoch so lautstark und emotional geführt wie im Sportjournalismus. Warum das so ist, zeigen die Beiträge zum Titelthema dieser Ausgabe des „Journalistik Journals“. „Kein anderes Ressort im Journalismus ist derart von Ökonomisierungs- und Kommerzialisierungsprozessen betroffen wie das Sportressort“, stellt Michael...

Ruinöser Wettbewerb

Ruinöser Wettbewerb

Von Redaktion Journalistik Journal | Zur Krise der hochschulgebundenen Journalistenausbildung Von Frank Lobigs Als Anfang 2011 bekannt wurde, dass das Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Universität Leipzig seine journalistische Abteilung klein zu schrumpfen plante, entzündete sich an dieser Nachricht auch eine generelle Debatte zur Krise der hochschulgebundenen Journalistenausbildung in Deutschland. Problemdiagnostisch erscheint diese Verknüpfung freilich eher als ablenkend und als allzu „unizentrisch“: Denn was wäre schon eine Halbierung der Studentenzahlen in Leipzig, gemessen an der nach wie vor ungebremsten Hyper-Fertilität der Fachhochschulen bei der Schaffung immer neuer journalistischer...

Zwischen Existenzangst und PR

Zwischen Existenzangst und PR

Von Redaktion Journalistik Journal | Eine Umfrage unter den Freischreibern Von Isabelle Buckow In Konfliktsituationen bedarf es meist nur weniger Worte, um das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen zu bringen. In der journalis­tischen Praxis reichten vier Wörter aus, um gar einen ganzen Berufsstand in Aufruhr zu versetzen. Die vier Wörter stammen aus dem Medienkodex, den die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche im Jahr 2006 vorgelegt hat. An Stelle 5 des Kodexes heißt es: Journalisten machen keine PR. Ein Satz, der bis heute für eine aufgeheizte Stimmung unter Journalisten sorgt und für den das Netzwerk Recherche viel Kritik einstecken musste. Bei der Diskussion um die Frage, ob Journalisten PR machen dürfen, kommt...

Lesermitarbeit im Korsett

Lesermitarbeit im Korsett

Von Redaktion Journalistik Journal | Tageszeitungen binden Leser ein, doch ihr Spielraum ist begrenzt Von Annika Sehl Online-Kommentare, Votings oder Leserblogs auf Tageszeitungswebsites: Der Bürgerjournalismus hat es vorgemacht, aber schon längst beteiligt auch der professionelle Journalismus sein Publikum verstärkt an der Produktion von Inhalten. Eine empirische Studie analysiert nun erstmals mit einem Methodenmix aus Chefredaktionsbefragung, Inhaltsanalyse und Leitfadeninterviews mit Redaktionsleitern, wie, warum und vor allem mit welchem Ergebnis deutsche Tageszeitungen ihre Leser einbinden – online, aber auch für das Printprodukt. Sie zeigt: Tageszeitungen können über die Formate, die sie anbieten, zu einem guten Teil...

Eigeninteressen empirisch eruieren!

Eigeninteressen empirisch eruieren!

Von Redaktion Journalistik Journal | Kritische Bilanz der bisherigen Sportkommunikatorforschung Von Michael Schaffrath Seit fast 40 Jahren beschäftigt sich die empirische Kommunikatorforschung auch mit Sportjournalisten. Trotz dieser relativ langen Zeit fällt die Forschungsbilanz in quantitativer wie qualitativer Hinsicht eher ernüchternd aus, vor allem wenn man die steigende gesellschaftliche Relevanz und die wachsende publizistische Dominanz des Sujets und seiner Protagonisten berücksichtigt. Denn aus den ehemaligen „Außenseitern der Redaktion“ (Weischenberg 1976) sind längst die „Aufsteiger im Journalismus“ (Görner 1995) geworden, von denen mancher sogar zu den „Topstars der Medienbranche“ (Schaffrath 2002)...

“Verkäufer” oder kritische Berichterstatter?

“Verkäufer” oder kritische Berichterstatter?

Von Redaktion Journalistik Journal | Anmerkungen zum TV-Sportjournalismus Von Michael Steinbrecher Schon vor beinahe zwei Jahrzehnten wurde im ZDF eine Dokumentation mit dem Titel „Die Ware Sport – der wahre Sport?“ (Autor: Falko Fröhner) ausgestrahlt. Viele der damals diskutierten Fragen und Standpunkte sind heute aktueller denn je. Sind Sportjournalisten kritische Berichterstatter oder vor allem Verkäufer ihrer „Ware“? Wie unabhängig sind sie? Sind sie mit Sportlern zu sehr „auf Du und Du“? Entspricht das alte (Vor-)Urteil der Wirklichkeit, dass Sportjournalisten schlecht getarnte Fans sind, die am liebsten selbst eine Sportkarriere gestartet hätten? Wer die Fragen beantworten will, muss vor allem eins tun:...

Der Mediensport unter Sexualisierungsdruck

Der Mediensport unter Sexualisierungsdruck

Von Redaktion Journalistik Journal | Die redaktionelle und werbliche Darstellung von Sportlerinnen erfolgt zunehmend in erotischen Posen Von Jörg-Uwe Nieland & Daniela Schaaf Die Präsentation von Mitgliedern der DFB-Junioren-Nationalmannschaft und der Frauenbundesliga im deutschen „Playboy“ zur FIFA-WM in diesem Sommer folgte einem bekannten Muster: Im Vorfeld von sportlichen Großereignissen soll mittels erotischer Bilder Aufmerksamkeit für den Sport, das Event sowie die Athletinnen generiert werden. Wie enorm der Sexualisierungsdruck ist, den die Medien gegenüber den Veranstaltern und vor allem den Sportlerinnen aufbauen, zeigte sich bereits bei der Auslosung der Spielpaarungen für die Weltmeisterschaft. Neben Fußball-Idol...

“Man bekommt null Informationen, das Thema wird ausgegrenzt!”

“Man bekommt null Informationen, das Thema wird ausgegrenzt!”

Von Redaktion Journalistik Journal | Nachfragen, Netzwerke aufbauen, Nähe suchen, ohne sich gemein zu machen: Ralf Paniczek über die Widrigkeiten der Doping-Berichterstattung Von Angelika Mikus Journalistik Journal: Sie sind Dopingexperte. Ihr Lieblingsthema? Ralf Paniczek: Anders formuliert: Womit ich mich immer noch schwer tue, ist die Bio­chemie. Man muss aber nicht immer Experte sein. Ich finde diesen Begriff eh problematisch. Die besten Biochemiker gibt es nun mal in Köln oder Kreischa. Meine Aufgabe ist es, eine vertrauensvolle Basis aufzubauen. Das klassische Handwerkszeug des Journalisten ist nicht in erster Linie das Erklären, sondern die richtigen Fragen zu stellen. Ich finde, das ist etwas unmodern geworden. Die...

Die erste Social-Media-WM

Die erste Social-Media-WM

Von Redaktion Journalistik Journal | Stammtisch-Erregung und FIFA-Marketing: Die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika 2010 bei Twitter und Facebook Von Thomas Horky Die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 war die erste Sport-Großveranstaltung der Welt, die im großen Maßstab über Social Media wahrgenommen wurde und sich gleichzeitig dieses neuen Mittels der Kommunikation bedient hat. Zwar erreichte die WM vor allem in den traditionellen Medien die größte Aufmerksamkeit, was sich an Rekordquoten für die weltweiten Fernsehsender bemerkbar machte. Im Fokus standen bei der medialen Beschäftigung mit der Fußball-WM 2010 aber vor allem die weltweit größte Plattform für soziale Netzwerke Facebook und der Microblogging-Dienst...

Kaum Transparenz im WWW

Kaum Transparenz im WWW

Von Redaktion Journalistik Journal | Wie europäische Medien ihr Publikum online an redaktionellen Prozessen teilhaben lassen – Ergebnisse einer international vergleichenden Studie Von Tina Bettels, Susanne Fengler, Andreas Sträter & Mariella Trilling Journalismusforscher fordern, dass Redaktionen und Journalisten Transparenz über ihre redaktionellen Entscheidungen herstellen, um die Glaubwürdigkeit ihrer Publikationen zu erhöhen und die Rolle der Medien in der Gesellschaft zu legitimieren. In der Wissenschaft wird zum einen danach gefragt, ob Medien ihre Verantwortung zur Selbstkontrolle hinreichend wahrnehmen (vgl. Fengler et al. 2011), und ob sie ihr Publikum zum anderen in ausreichendem Maße an redaktionellen Prozessen...