Online-PublikationenJournalistik JournalJournalismus in Deutschland

29. März 2012

Videojournalisten: Genauso gut, aber nicht besser bezahlt

Videojournalisten: Genauso gut, aber nicht besser bezahlt

Eine aktuelle Studie präsentiert die Ergebnisse der bislang größten Befragung von Videojournalisten in Deutschland Von Guido Vogt Videojournalisten (VJs) gelten entweder als rund um die Uhr verfügbare, kostengünstige Fließband-Produzenten, die – mit einfachsten Mitteln ausgestattet – schnell gestrickte Nachrichten fabrizieren. Oder sie werden beschrieben als innovative Einzelautoren, die unbelastet vom hinderlichen Team individuell, eigenständig und experimentell Filmprojekte realisieren. Die Studie „Videojournalismus: Funktionalität – Geschichte – Empirie“ scheint beide Positionen in Frage zu stellen. Der typische Videojournalist arbeitet...

29. September 2011

Ruinöser Wettbewerb

Ruinöser Wettbewerb

Zur Krise der hochschulgebundenen Journalistenausbildung Von Frank Lobigs Als Anfang 2011 bekannt wurde, dass das Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Universität Leipzig seine journalistische Abteilung klein zu schrumpfen plante, entzündete sich an dieser Nachricht auch eine generelle Debatte zur Krise der hochschulgebundenen Journalistenausbildung in Deutschland. Problemdiagnostisch erscheint diese Verknüpfung freilich eher als ablenkend und als allzu „unizentrisch“: Denn was wäre schon eine Halbierung der Studentenzahlen in Leipzig, gemessen an der nach wie vor ungebremsten Hyper-Fertilität der Fachhochschulen bei der Schaffung immer neuer journalistischer...

Zwischen Existenzangst und PR

Zwischen Existenzangst und PR

Eine Umfrage unter den Freischreibern Von Isabelle Buckow In Konfliktsituationen bedarf es meist nur weniger Worte, um das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen zu bringen. In der journalis­tischen Praxis reichten vier Wörter aus, um gar einen ganzen Berufsstand in Aufruhr zu versetzen. Die vier Wörter stammen aus dem Medienkodex, den die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche im Jahr 2006 vorgelegt hat. An Stelle 5 des Kodexes heißt es: Journalisten machen keine PR. Ein Satz, der bis heute für eine aufgeheizte Stimmung unter Journalisten sorgt und für den das Netzwerk Recherche viel Kritik einstecken musste. Bei der Diskussion um die Frage, ob Journalisten PR machen dürfen, kommt...

Lesermitarbeit im Korsett

Lesermitarbeit im Korsett

Tageszeitungen binden Leser ein, doch ihr Spielraum ist begrenzt Von Annika Sehl Online-Kommentare, Votings oder Leserblogs auf Tageszeitungswebsites: Der Bürgerjournalismus hat es vorgemacht, aber schon längst beteiligt auch der professionelle Journalismus sein Publikum verstärkt an der Produktion von Inhalten. Eine empirische Studie analysiert nun erstmals mit einem Methodenmix aus Chefredaktionsbefragung, Inhaltsanalyse und Leitfadeninterviews mit Redaktionsleitern, wie, warum und vor allem mit welchem Ergebnis deutsche Tageszeitungen ihre Leser einbinden – online, aber auch für das Printprodukt. Sie zeigt: Tageszeitungen können über die Formate, die sie anbieten, zu einem guten Teil...

29. März 2011

Achtsamkeit – Grundzüge eines integralen Journalismus

Achtsamkeit – Grundzüge eines integralen Journalismus

Leitwerte zur Fortführung der Qualitätsdebatte auf der Ebene der Tiefenkultur Von Claus Eurich Über das Alltagsverständnis hinausgehend, haben Begriff und Bedeutung von „Achtsamkeit“ in den letzten Jahrzehnten eine steile Karriere erlebt. Die Verbreitung buddhistischer Philosophie/Spiritualität im Westen hat daran einen entscheidenden Anteil, aber auch die Integration von Achtsamkeitskonzepten in Medizin, Psychotherapie, Pädagogik und Führungshandeln. Eine transdisziplinär verbindliche Definition von Achtsamkeit/Mindfullness gibt es zwar nicht, doch lassen sich einige zentrale Eckwerte markieren, die über Einzelsichtweisen hinausgehend allgemeine Akzeptanz finden. Achtsamkeit steht...

Kooperation kann sich auszahlen

Kooperation kann sich auszahlen

Auswirkungen des gemeinsamen Newsdesks auf Qualität und Vielfalt in der Mantelberichterstattung von WAZ, NRZ und WR Von Lars Rinsdorf Große Verlagsgruppen wie der Axel-Springer-Verlag oder die Mediengruppe DuMont Schauberg verzahnen in jüngster Zeit die bisher eigenständigen Redaktionen ihrer Zeitungstitel enger miteinander. Auch die WAZ-Gruppe hat 2009 für ihre Ruhrgebietstitel NRZ, WAZ und „Westfälische Rundschau“ (WR) einen gemeinsamen Newsdesk (Contentdesk) für die Mantelberichterstattung eingerichtet. Die Kooperation zwischen Redaktionen hat sich also längst zu einem Trend entwickelt. Damit gewinnt auch die Frage an Bedeutung, wie sich redaktionelle Kooperationen auf die Produktqualität...

8. April 2010

Das Publikum im Blick

Das Publikum im Blick

Die veränderte Publikumsorientierung des Journalismus seit 1990 Von Bernd Blöbaum, Sophie Bonk, Anne Karthaus & Annika Kutscha Sind Journalisten einer „Diktatur des Pub­likums“ ausgesetzt, wie Michael Meyen und Claudia Riesmeyer (2009) plakativ melden? Diese steile These ist ein Ausgangspunkt für die folgende Betrachtung des Verhältnisses zwischen Journalisten und Publikum. Gefragt wird nach dem Stellenwert der Publikumsorientierung im Informationsjournalismus in Deutschland seit 1990. Ausgehend von einem Journalismusverständnis, das neben den in der Forschung vornehmlich fokussierten Rollenträgern, den Journalisten, auch die journalistische Organisation (z. B. Redaktionen) und...

Es muss auch halten

Es muss auch halten

Analoge oder digitale Zeitungssammlung? Von Harald Bader Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs am 3. März 2009 hat die Frage nach Überlieferungssicherheit von und Zugang zu historischen Texten einer breiten Öffentlichkeit ins Bewusstsein gebracht. Dabei wird die Debatte, wie wir mit schriftlicher Überlieferung umgehen, anders geführt als beim Brand der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar 2004. Ging es damals um Wiederbeschaffung oder Restaurierung der originalen Bände, sprechen sich Wissenschaftler im Kölner Fall dafür aus, die Sammlung vor Ort durch weltweiten Zugriff über das Internet zu ergänzen. Unter Nutzungsbedingungen ist das zu begrüßen: Viele Archivare erwarten persönlichen...

8. Oktober 2009

Olympische Spiele und Fernsehen

Programmgestalter im Netz olympischer Abhängigkeiten Von Michael Steinbrecher Sportereignisse sind zu einer wichtigen Ware im Konkurrenzkampf der Fernsehsender geworden. Alle zwei Jahre verdrängt die olympische Sportberichterstattung für gut zwei Wochen nahezu sämtliche anderen Fernseh-Genres aus den Programmen von ARD und ZDF. Olympische Spiele sind ein Mikrokosmos, in dem die Faszination und die Probleme des Sports im weltweiten Fokus sichtbar werden. Vor den Olympischen Spielen in Peking 2008 wurde unter anderem über die Gefahr der politischen Instrumentalisierung, das Ausmaß der Kommerzialisierung und die Bedrohung des Sports durch Doping diskutiert. Diese thematische Bündelung stellt...

Bundestagswahlkampf oder Bratwurst am Baggerloch?

Bundestagswahlkampf oder Bratwurst am Baggerloch?

Qualität im lokalen Zeitungsjournalismus Von Holger Handstein So unterschiedlich können die Schwerpunkte der Berichterstattung sein: „Bald wird es besser“ titelt die FAZ auf der Seite 3 ihrer Ausgabe vom 8. August dieses Jahres – und meint damit Frank-Walter Steinmeiers Wahlkampf. Gleicher Tag, gleiche Seite, aber eine andere Zeitung: Die WAZ setzt einen etwas anderen Schwerpunkt: „Bratwurst am Baggerloch“. Es geht um die Bade- und Grill-Aktivitäten der Bewohner des Ruhrgebiets. Dass die FAZ und WAZ sich durch mehr als einen einzelnen Buchstaben unterscheiden, ist offensichtlich. Aber welcher Beitrag hat die höhere Qualität? Viele dürften den Impuls verspüren, die Frage einfach...