KatalogWissenschaft

15. April 2019

Kritik der Kreativität

Kritik der Kreativität

Wir leben in einer Epoche, die allem, was ›Kreativität‹ behaupten oder auch nur suggerieren kann, blind huldigt, ja diese nahezu vergöttert. Solche hemmungslose Verehrung verstellt den Blick auf Wesentliches. Man gewinnt den Eindruck, Kreativität sei eine unerschöpfliche Ressource für alle und jeden, jederzeit und bedingungslos abrufbar. Ist sie das? Nein, sie ist es nicht. Kreativität ist ein seltenes Vermögen innovativer und komplexer Transformation. Der rein individuelle Gesichtspunkt reicht nicht. Schöpferische Prozesse sind immer auch solche der Verausgabung und Verschwendung, Erschöpfung und gar Zerstörung. Die Kritik der Kreativität versucht, den Paradoxien und Widersprüchen...

2. April 2019

Orientierung durch Suchmaschinen

Ein dynamisch-transaktional gedachtes Modell

Orientierung durch Suchmaschinen

Die Mediengeschichte ist geprägt von der Entwicklung immer neuer Medien. Jedes neue Medium hat die Menge und Komplexität der verfügbaren Inhalte erhöht und dabei neue Orientierungsbedürfnisse geschaffen. Dieser Unübersichtlichkeit ist bislang durch Meta-Orientierungsangebote begegnet worden, die über Medien orientieren sollen, um ihre Nutzbarkeit zu gewährleisten. Mehr Medien erforderten bislang also noch mehr Medien, um nutzbar zu bleiben – ein Phänomen, das als Infor­mations­paradoxon bezeichnet werden kann. Unter den Produktions- und Re­zeptionsbedingungen der tra­ditionellen Massenmedien kann dieser Prozess kein Ende haben. Allerdings zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab:...

Die Aggregation und Analyse von Zeitdaten im Agenda-Setting-Ansatz

Die Aggregation und Analyse von Zeitdaten im Agenda-Setting-Ansatz

Die Aggregation von Daten ist ein Verfahren, dass in der Agenda-Setting-Forschung häufig angewandt wird. So werden Individualdaten in Gruppen zusammengefasst oder Daten, die auf täglichen Umfragen basieren, auf Wochen- oder Monatsebene aggregiert und dann ausgewertet. Effekte der Aggregation, wie die Gefahr des ökologischen Fehlschlusses von Kollektivmerkmalen auf Individualmerkmale, sind hinreichend bekannt. Es mangelt jedoch an systematischen Analysen der Aggregation von linearen Zeitdaten, obwohl auch bei diesem Verfahren statistische Effekte plausibel sind. Wenn Daten systematisch verdichtet werden, kann sich dies möglicherweise auf die Interpretation von Ergebnissen auswirken, da diese...

30. März 2019

Neue Theorien entwickeln

Eine Einführung in die Grounded Theory, die Heuristische Sozialforschung und die Ethnographie anhand von Beispielen aus der Kommunikationsforschung

Neue Theorien entwickeln

Wir leben in einer Welt, die sich immer schneller verändert; Globalisierung, Individualisierung, Ökonomisierung oder Mediatisierung sind Stichworte, unter denen dies diskutiert wird. Wie alle Sozialwissenschaften steht deshalb auch die empirische Kommunikationswissenschaft vor immer neuen Forschungsfragen und Forschungsfeldern. Wie aber entstehen neue gültige und brauchbare Theorien, die zu einem wissenschaftlich gültigen und praktisch brauchbaren Verständnis von Kultur und Gesellschaft beitragen? In dem vorliegenden Band geht es um eine anwendungsorientierte Einführung in die systematische Entwicklung von Theorien. Dazu werden im ersten Teil die Grundlagen theorieentwickelnder Forschung...

19. März 2019

zeigen | andeuten | verstecken

Bilder zwischen Verantwortung und Provokation

zeigen | andeuten | verstecken

Das Bedürfnis, sich selbst, seine Umwelt und seine Handlungen visuell festzuhalten, hat sich bereits zu Beginn der Menschheitsgeschichte in der Höhlenmalerei gezeigt. Schon damals gab es Darstellungen, die Sexualität, Gewalt oder Kriege in den Fokus stellten. Nicht erst heute tritt mit der Darstellung von Personen und Handlungen aber ein Problem auf. Nicht jedem gefällt, was in Bildern zu sehen ist. Man kann streiten über die Darstellung: Ist diese gelungen? Ist sie akkurat, misslungen oder verfälscht? Oder man kann das Dargestellte selbst kritisieren. Darf man den Gegenstand so darstellen? Darf man ihn überhaupt darstellen? Gehen von der Darstellung negative Effekte aus? Damit beginnt...

5. März 2019

Revolutionsfotografie im 20. Jahrhundert

Zwischen Dokumentation, Agitation und Memoration

Revolutionsfotografie im 20. Jahrhundert

Als wirkungsmächtige Form politischen Handelns im öffentlichen Raum sind Revolutionen stets von gesteigertem Kommunikationsaufkommen und vom Einsatz kollektiv wirkender Bild- und Symbolarsenale begleitet. Das Erkenntnisinteresse der Untersuchung ist ein theoretisch-systematisches, kein historiographisches. Entsprechend geht es darum, Theorien und Bildanalysen in einen Dialog eintreten zu lassen, der wechselseitige Einblicke in die Funktionen von Fotografien in revolutionären Kontexten und in die sie vorbereitenden, flankierenden und reflektierenden Diskurse ermöglicht. Somit sind Bildartefakte von Revolutionen stets mehr als eine plane Repräsentation des Ereignisses selbst – vielmehr sind...

30. Januar 2019

Populistische Kommunikation und die Rolle der Medien

Der Umgang der Presse mit Parteien- und Medienpopulismus im Europawahlkampf 2014

Populistische Kommunikation und die Rolle der Medien

Seit einigen Jahren erleben populistische Parteien in Europa einen Aufschwung. Oft wird betont, dass die Massenmedien einen Anteil daran haben, etwa weil sie populistischen Akteuren in der Berichterstattung eine Bühne bieten oder durch populistische Kommentare spezifische Denkmuster legitimieren. Systematische und ländervergleichende Studien über die effektive Rolle der Medien fehlen allerdings noch weitgehend. Franzisca Schmidt zeigt anhand einer quantitativen Inhaltsanalyse der Parteien- und Medienkommunikation in vier Ländern, wie die Presse im Vorfeld der Europawahlen 2014 mit populistischer Kommunikation umgegangen ist. Dabei untersucht sie, inwiefern spezifische Formen des Parteienpopulismus...

8. Januar 2019

Raum/Akteure

Inszenierte Landschaften in den frühen Filmen von Wim Wenders

Raum/Akteure

Ein Mädchen folgt mit dem Fernrohr der Flugbahn einer Möwe durch die Straßenschluchten von New York (“Alice in den Städten”, 1974); auf dem Gipfel der Zugspitze gesteht sich ein junger Schriftsteller ernüchtert den Fehlgang seiner Dichterreise ein (“Falsche Bewegung”, 1975); ein Berufsnomade erkundet mit einem wortkargen Reisegefährten das terrain vague der innerdeutschen Grenzregion (“Im Lauf der Zeit”, 1976) und ein Filmteam ‘strandet’ in einer ruinösen Hotelanlage an der portugiesischen Atlantikküste (“Der Stand der Dinge”, 1982): Landschaften nehmen im Œuvre von Wim Wenders seit jeher einen besonderen Stellenwert ein. Die...

13. Dezember 2018

Die (un-)sichtbare Religion

Wandel des christlichen Bilderrepertoires in der visuellen Kultur

Die (un-)sichtbare Religion

Die Rede von der „neuen Sichtbarkeit“ der Religion ist momentan allgegenwärtig. Doch es fehlt in der Medienforschung an Belegen für diese These, insbesondere in Bezug auf visuelle Medien. Tanja Maier analysiert erstmals die Sichtbarkeit der christlichen Religion in deutschsprachigen Zeitschriften von 1949 bis heute. Sie zeigt anhand zahlreicher Beispiele aus Bunte, Stern und Spiegel, wie Zeitschriften christliche Bildmotive auswählen und einsetzen – und wie diese Motive sowohl sozio-kulturell als auch im historischen Verlauf tradiert und transformiert werden. Der Wandel des christlichen Bilderrepertoires wird dabei aus zwei Perspektiven untersucht: Die erste Perspektive zeigt, wie Zeitschriften...

6. Dezember 2018

Der Angriff der Zukunft auf die Gegenwart

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Bewegtbilder – Spekulationen diesseits und jenseits der Digitalisierung

Der Angriff der Zukunft auf die Gegenwart

Die heutige ›Bewegtbildproduktion‹ zehrt vom Erbe des Films, lebt von der Kraft des Legendären, Dynamischen, Weltentrückten, des ›Bigger than Life‹ und übt so eine nahezu magische Anziehungskraft aus. Berufe wie Regisseur, Kamerafrau, Drehbuchautorin oder Szenenbildner versprechen ein Leben voller Kreativität und Abenteuer. Immer mehr Studienanfänger streben zum Film, obwohl die späteren Berufs- und Verdienstmöglichkeiten voraussichtlich schlechter sind als in anderen Berufsfeldern. Hinzu kommt, dass die technologische Entwicklung als treibender Faktor eine grundlegende Umwälzung der Medienindustrie in Gang gesetzt hat, deren Konsequenzen für die späteren Berufsbilder schwer...