édition discours

1. Januar 2009

In Algerien

Zeugnisse der Entwurzelung

In Algerien

Die Publikationen von Pierre Bourdieu gehören heute zu den Standardwerken in Wissenschaft und Studium, seine fotografischen Arbeiten hingegen sind kaum bekannt. Pierre Bourdieus fotografische Dokumentationen entstanden zwischen 1958 und 1961 während seiner Feldforschungsarbeiten in Algerien. Sie geben einen tiefen Einblick in sein »frühestes und zugleich aktuellstes Werk« (Bourdieu). Algerien wurde in einem außergewöhnlich brutalen Kolonialkrieg tief erschüttert und von Anachronismen und sozialen Widersprüchen zerrissen. In diesem, wie Pierre Bourdieu selbst sagte, »gesellschaftlichen Laboratorium« kristallisierte sich Ende der Fünfzigerjahre seine Bestimmung zum Beruf des Soziologen...

1. April 2008

Junggesellenball

Studien zum Niedergang der bäuerlichen Gesellschaft

Junggesellenball

»Die Ehelosigkeit ist eines der grausamsten Dramen, das die bäuerliche Gesellschaft im Verlauf der letzten Jahrzehnte erlebt hat. Neben der Landflucht ist sie es, die mehr als alles andere zum Niedergang und allmählichen Verschwinden jener kleinen bäuerlichen Wirtschaften führte, die Grundlage der einstmaligen ländlichen Ordnung waren.« Pierre Bourdieu Die hier versammelten Arbeiten Bourdieus über die Krise der bäuerlichen Gesellschaft seiner Heimat, dem südwestfranzösischen Béarn, kreisen nicht nur um ein konkretes Problem: Wie lässt sich die verbreitete Ehelosigkeit der Hoferben in einem Umfeld erklären, das doch für sein hartnäckiges Festhalten am Erstgeburtsrecht bekannt ist? Sie...

1. Januar 2008

Die Metamorphosen der sozialen Frage

Eine Chronik der Lohnarbeit

Die Metamorphosen der sozialen Frage

Robert Castel stellt sich gegen die These vom »Ende der Arbeit«. In einem breit angelegten historischen Panorama entfaltet er den langen Weg, der die Lohnarbeit von der elendsten und würdelosesten Lage zum Modell der Produktion gesellschaftlichen Reichtums geführt hat, welches materielle Sicherheit und soziale Identität gewährleistete. Unsere aktuelle Krise wirft in verwandelter Form die gebannt geglaubten sozialen Fragen der europäischen Geschichte erneut auf, wobei sie weit über das Problem sozialer Ausgrenzung am Rand unserer Gesellschaft hinausgreift. Das heute spürbare Prekärwerden der Arbeit bringt unser über Jahrhunderte hinweg mühsam erbautes Modell des gesellschaftlichen...

1. Juli 2006

Kunst und Brot

Die Metamorphosen des Arbeitnehmers

Kunst und Brot

Charakter und Bedingung moderner Lohnarbeit wandeln sich radikal. Nach der bahnbrechenden Analyse von Boltanski und Chiapello zum “Neuen Geist des Kapitalismus” liefert Pierre-Michel Menger in seinem soziologischen Essay nun eine kurze theoretische Interpretation dieses Wandels. Im 19. Jahrhundert galt der Künstler als revolutionärer Gegenentwurf zum Unternehmer und seinen bürgerlichen Moralvorstellungen. Mit den Wandlungen des Industriekapitalismus, mit der Abkehr von seinen bürokratischen Organisationsvorstellungen orientieren sich moderne Managementphilosophien an Idealen wie Flexibilität und Kreativität, Innovation und Individualität, an Autonomie und an persönlichem Engagement....

1. Mai 2006

Die Liebe zur Kunst

Europäische Kunstmuseen und ihre Besucher

Die Liebe zur Kunst

Der Zugang zu den Schätzen der Kunst steht allen offen und bleibt doch tatsächlich den meisten verwehrt. Nach wie vor gilt der Befund, den Pierre Bourdieu und Alain Darbel vor 40 Jahren als Ergebnis der vorliegenden Studie formulierten: “Der Anteil der verschiedenen sozio-professionellen Kategorien im Publikum der Museen […] steht nahezu in umgekehrtem Verhältnis zu ihrem Anteil in der Gesamtbevölkerung.” Wenn der Kunstliebhaber einer Neigung folgt, die frei von allen Voraussetzungen und Zwängen scheint, dann bleibt das Museum einer der Orte, an denen die Schwerkraft gesellschaftlicher Erwartungen besonders deutlich spürbar wird. Verdankt sich die Liebe zur Kunst nicht...

1. Januar 2006

Der neue Geist des Kapitalismus

Der neue Geist des Kapitalismus

Luc Boltanski und Ève Chiapello beschreiben den Kapitalismus als ein normatives System, dem es unter sich wandelnden Bedingungen immer wieder gelingt, Menschen zu gewinnen und davon zu überzeugen, sich am Prozess der kapitalistischen Akkumulation zu beteiligen. Den Autoren zufolge verdankt der Geist des Kapitalismus seinen Triumph der Fähigkeit, die gegen ihn gerichtete Kritik aufzugreifen und konstruktiv zu verarbeiten. In seiner jüngsten Ausprägung wurzelt er im Mai 1968, als sich Künstler und Intellektuelle gegen sämtliche durch den Kapitalismus bedingten Prozesse der Entfremdung auflehnten. In den Unternehmen und Fabriken, die in jenen Jahren von Streiks und Arbeitskämpfen massiv...

1. September 2004

Gegenfeuer

Gegenfeuer

Die hier präsentierten politischen Einmischungen Pierre Bourdieus stammen aus bestimmten Diskussionszusammenhängen. Oft handelte es sich um mündliche Beiträge zu einer wissenschaftlichen Tagung oder öffentlichen Debatte, andere Male um Artikel aus der Tagespresse oder Transkriptionen von Videoaufzeichnungen. Die geografischen Kontexte und sozialen Bezugsrahmen sind dabei ebenso vielfältig wie die behandelten gesellschaftlichen, ökonomischen oder kulturellen Fragen: Ein interessanter Spiegel der jüngsten Zeitgeschichte. Zu den behandelten Themen zählen die europäische Integration und ihre sozialen Begleiterscheinungen, die neoliberale Wende des fortgeschrittenen Kapitalismus, die Abdankung...

1. Mai 2004

Der Staatsadel

Aus dem Französischen von Franz Hector und Jürgen Bolder

Der Staatsadel

In dieser Anatomie des französischen Bildungssystems entwirft Pierre Bourdieu eine Theorie der Macht und zeigt, wie sich diese in der Konstruktion von Eliten in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Verwaltung entfaltet und Gestalt annimmt. Macht erweist sich als Produkt eines sozialen Systems, das durch seine Struktur und Funktionslogik bestimmte gesellschaftliche Schichten privilegiert und ihnen die Reproduktion ihrer Macht ermöglicht. Bourdieus Buch bietet die Analyse sozialer Ungleichheit und ihrer Reproduktion. Als entscheidender Faktor in diesem sozialen Konstruktionsprozess kristallisiert sich in der Analyse des Materials das kulturelle Kapital heraus. Es kommt bereits auf der Ebene...

1. Oktober 2003

Maurice Halbwachs – Aspekte des Werks

(Maurice Halbwachs in der édition discours, 7)

Maurice Halbwachs – Aspekte des Werks

Maurice Halbwachs (1877 – 1945), Schüler von Henri Bergson, Philosoph und Ökonom, war eines der namhaftesten Mitglieder der école sociologique Durkheims. Er pflegte enge Beziehungen zum Kreis der nouvelle histoire um Lucien Febvre und Marc Bloch. Er lehrte Soziologie an den Universitäten Straßburg und Sorbonne (Paris) sowie am Collège de France. Maurice Halbwachs starb im März 1945 im Konzentrationslager Buchenwald. Während Maurice Halbwachs in Deutschland bisher nur als Schöpfer des “kollektiven Gedächtnisses” wahrgenommen wurde, hat sich die französische Forschung mit wachsender Aufmerksamkeit dem umfangreichen Schaffen dieses Klassikers der Humanwissenschaften...

1. August 2003

Leben für den Ring

Boxen im amerikanischen Ghetto

Leben für den Ring

Loïc Wacquant beschreibt die Kunst des Boxens und ihre sozialen Kontexte im schwarzen Ghetto der South Side von Chicago – aus einer Perspektive, die sich radikal der teilnehmenden Beobachtung verschreibt: Loïc Wacquant tauchte während seines Promotionsstudiums an der University of Chicago für mehrere Jahre in die Szene eines lokalen Box-Clubs ein und unterwarf sich der strengen Disziplin der Boxer, die sowohl das Training selbst wie auch das gesamte Leben außerhalb des “Gyms” umfasst. Durch diese “beobachtende Teilnahme” erschloss er die soziale und sinnliche Logik eines Sports, den die meisten nur aus den medialen Großereignissen der Titelkämpfe kennen. DIE...