Christian Schicha

Bildethik – normative Ansprüche an visuelle Diskurse im Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis

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Der Beitrag beschäftigt sich mit grundlegenden Bildfunktionen und Aspekten der Bildwahrnehmung. Zunächst werden der Stand der Forschung und die Themenfelder der Bildethik skizziert. Neben der stereotypen visuellen Darstellung von Frauen sind auch die Kriegsfotografie und die Berichterstattung über Krisen, Katastrophen und Terroranschläge zentrale Bereiche normativer Reflexion. Es werden Formen und Ausprägungen der Bildbearbeitung und Bildmanipulation in analogen und digitalen Medien vorgestellt, bevor die moralische Angemessenheit der visuellen Darstellung von Verstorbenen am Beispiel von geflüchteten Menschen reflektiert und eingeordnet wird. Dabei finden auch die Regeln und Positionen des Deutschen Presserates Berücksichtigung. Insgesamt gibt es bei der medienethischen Bewertung im Umgang mit Bildern von Opfern ein Spannungsfeld. Einerseits sind die Berichterstatter verpflichtet, in Wort und Bild über gesellschaftlich relevante Ereignisse umfänglich zu berichten. Andererseits ist es wichtig, die Menschenwürde und den Persönlichkeitsschutz von Opfern und ihren Angehörigen zu wahren. Darüber hinaus ist auch der Jugendschutz zu beachten, da Schockbilder einen negativen Einfluss auf Minderjährige haben können.

[Image ethics – normative demands on visual discourses in the field of tension between theory and practice]

The article deals with basic image functions and aspects of image perception. First, the state of research and the topics of image ethics are outlined. Besides the stereotypical visual portrayal of women, war photography, and the coverage of crises, disasters, and terrorist attacks are central areas of normative reflections. Forms and characteristics of image processing and image manipulation in analogue and digital media are presented before the moral appropriateness of the visual representation of the deceased is reflected using the example of refugees. The rules and positions of the German Press Council are taken into consideration. Overall, there is a field of tension in the media-ethical evaluation of dealing with pictures of victims. On the one hand, the journalists are obliged to report comprehensively in words and pictures on socially relevant events. On the other hand, it is important to uphold the human dignity and privacy of victims and their relatives. In addition, the protection of minors is to be considered, since shock images can have a negative impact on them.