Bilder – Sehen – Denken

Pressemitteilung vom 13. April 2011

Die Geschichte der Bilder ist immer auch eine Geschichte der Bildbetrachtung und der kommunikativen Wirkungen von Bildern. Ein neuer Sammelband widmet sich der experimentellen Analyse von Bildwirkungen und der Bildkompetenz unter dem Aspekt der empirischen Psychologie.

Bilder teilen sich auf einzigartig direkte Weise über das Auge mit: Sie “kommunizieren” visuelle Informationen, die vom Bildbetrachter interpretiert werden müssen, und setzen deshalb die entsprechenden kognitiven Kompetenzen beim Betrachter voraus. Dieser Befund gilt nicht nur für Kunstwerke, sondern auch für Bildmedien in den Wissenschaften oder in der populären Massenkultur – angefangen bei Fotos aus der politischen Berichterstattung, über Werbeannoncen bis hin zu bewegten Bildern in Form von Musikvideos und Computerspielen. Es gibt entsprechend gute Gründe dafür, die Bildwahrnehmung und Bildverarbeitung genauso differenziert zu erforschen wie die Bildproduktion, die Bildherkunft und die Bildentstehungsgeschichte. Ein angemessenes Verständnis des Phänomens Bildkommunikation erfordert nicht nur, Vorbilder, Stilmittel und Beschaffenheit eines Bildes zu kennen, sondern auch zu rekonstruieren, in welchem historischen und sozialen Kontext ein Bild entstanden ist und zu beurteilen, wie es auf Bildbetrachter in anderen Kontexten wirken kann.

Der im Herbert von Halem Verlag erschienene Sammelband Bilder – Sehen – Denken, herausgegeben von Klaus Sachs-Hombach und Rainer Totzke, umfasst Beiträge, die einerseits aktuelle empirische Forschungen zu zentralen Fragen der Bildpsychologie vorstellen und die sich andererseits reflexiv auf diese Untersuchungen beziehen, um dadurch die methodologischen Grundlagen einer betrachterorientierten Bildwissenschaft als transdisziplinärem Projekt herauszuarbeiten. Diese Grundlagen dürften für das angestrebte Ziel einer allgemeinen Bildwissenschaft eine fundamentale methodologische Bedeutung besitzen – denn nach wie vor ist innerhalb dieser sich erst etablierenden Wissenschaft unklar, in welchem Maße man überhaupt in der Lage ist, Bildbetrachtung nach wissenschaftlichen Standards zu erfassen – und welche Standards dabei maßgeblich sein sollen.

AUTOREN / HERAUSGEBER

Klaus Sachs-Hombach

Klaus Sachs-Hombach, geb. 1957, studierte Philosophie, Psychologie und Germanistik an der Universität Münster. 1990 schloss er seine Promotion an der Universität Münster ab, 2003 die Habilitation an der Universität Magdeburg. Von 1991 bis 1993 erfolgte ein Forschungsaufenthalt in Oxford und am MIT in Cambridge, MA. Seit 2011 ist er Professor für Medienwissenschaft (Medieninnovation/Medienwandel) am Institut für Medienwissenschaft der Universität Tübingen. Forschungsschwerpunkte: Bildtheorie, Kommunikationstheorie, Medientheorie, Zeichentheorie, Ästhetik, Kulturtheorie, Geschichte und Theorie der Psychologie und Kognitionswissenschaft. Aktuelle Publikationen: Das Bild als ...


Rainer Totzke

Rainer Totzke, studierte Journalistik und Kulturwissenschaften an der Universität Leipzig und promovierte 2002 an der Universität Leipzig im Bereich Philosophie. Nach Lehraufträgen an den Instituten für Philosophie und für Kulturwissenschaft der Universität Leipzig war er von 2007 bis 2008 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Philosophie der Technischen Universität Chemnitz. Seit 2008 arbeitet er als PostDoc-Stipendat am DFG-Graduiertenkolleg Schriftbildlichkeit der Freien Universität Berlin. Wissenschaftliche Arbeitsgebiete sind Medienphilosophie, Kulturphilosophie und Philosophie-Vermittlung. Publikation: Buchstaben-Folgen. Schriftlichkeit, Wissenschaft und Heideggers Kritik an der Wissenschaftsideologie, 2004. ...