Bilder als Gründe

Pressemitteilung vom 23. Januar 2013


Von Herbert von Halem am 23. Januar 2013

Bilder als Gründe

Die Videoaufzeichnung eines Bankräubers überzeugt den Richter von der Schuld des mutmaßlichen Täters und das Foto eines hungernden Kindes erzeugt Mitgefühl: Bilder spielen in zahlreichen Lebensbereichen eine wichtige Rolle und haben oft auch in Begründungszusammenhängen – im Alltag, in den Wissenschaften und in den bildenden Künsten – eine nicht zu unterschätzende Funktion.

Aber können Bilder auch Grund für eine Überzeugung, eine Handlung oder ein Gefühl sein? Eine Antwort auf diese Frage hängt unter anderem davon ab, was man unter Gründen versteht und welche Arten von ihnen man in Betracht zieht. Manche Bilder zumindest können offenbar als Basis für bestimmte Urteile oder Überzeugungen herangezogen werden. Dies gilt im Besonderen für Fotografien, aber auch für handgefertigte Bilder wie eine Karikatur, die den Charakterzug eines Prominenten verdeutlichen soll. Im besten Fall können uns Bilder sogar die Sicht auf die Welt des Malers zeigen. Ob Bilder damit schon ausschlaggebend dafür sind, dass man über ein bestimmtes Wissen verfügt, und ob dieses Wissen ausschließlich darauf beruht, weil man ein Bild gesehen hat, dies sind Fragen, die den Kern der Philosophie der Bilder berühren.

Bilder enthalten zudem oft etwas, das sich gar nicht beschreiben lässt. Dennoch scheint es möglich, dass dieses ›Unbestimmte‹ als Grund für ein Verhalten oder für eine Überzeugung dient. In den Beiträgen des neu im Herbert von Halem Verlag erschienenen Sammelbandes Bilder als Gründe, herausgegeben von Manfred Harth und Jakob Steinbrenner, untersuchen die Autoren, ob und, wenn ja, wie dies gelingt, und worin dann genau das spezifisch Bildliche zu sehen ist. Die unterschiedlichen Ansätze reichen von der philosophischen und linguistisch-semiotischen Analyse über die kunsthistorische Betrachtung bis hin zu Überlegungen aus der künstlerischen Praxis und geben Antwort auf die Frage, ob und wie Bilder als Gründe fungieren können.

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Die Vorlage für das Buchcover stammt von dem Künstler und Professor für Malerei Thomas Bechinger. Bechinger studierte von 1981 bis 1988 an der Akademie der Bildenden Künste München, dem Royal College of Art London und der Kunstakademie Düsseldorf. Nach einer Gastprofessur an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg 2004 und einer Professur für Malerei und Druckgrafik an der Universität Siegen von 2004 bis 2010 ist er seit 2010 Professor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. 2010 erschien die zweite und erweiterte Ausgabe seines Katalogs Was tun mit Farbe (Kunstmuseum Singen/Kunstverein Reutlingen), herausgegeben von Christoph Bauer und Clemens Ottnad.