Margarita Köhl / Gerit Götzenbrucker

Bilder als Affektgeneratoren: Eine transkulturelle Studie zur bildlichen Verhandlung von Nähe und Distanz in Social-Media-Umgebungen

Die transkulturelle Studie lotet die Bedeutung von affektiven Praktiken und Emotion als Praxis im Kontext bildbezogenen Handelns junger Erwachsener auf sozialen Netzwerkplattformen aus. Dabei stellt sich die Frage, inwiefern sich Zugehörigkeit und Intimität in den untersuchten Gruppenvisualisierungen kulturspezifisch unterschiedlich dokumentieren und welche Rolle dabei affektiven Praktiken, die sich in der (Un-)Verbundenheit von Körpern manifestieren, zukommt. Bilder werden hier sowohl als Affektgeneratoren als auch als Instrumente der Gruppenintegration und -konstruktion betrachtet. Mittels der dokumentarischen Methode der Bildinterpretation werden für soziale Medien produzierte und/oder geteilte Gruppenbilder von jungen Erwachsenen aus urbanen Räumen in Malaysia, Thailand und Österreich analysiert, die ihre spezifischen Fotopraktiken und darin demonstrierten sozialen Bindungen erläutern.
Dabei werden Goffmans Kategorien zur Analyse von Geschlechterrahmungen sowie der sozial-semiotische Ansatz herangezogen, um die Bedeutung von Bildkontexten und Raumverhältnissen im Hinblick auf Intimitätskonstellationen genauer zu untersuchen. Aus fünf vorab identifizierten Bildclustern werden vier Gruppenbilder hinsichtlich verschiedener Bildebenen in verdichteter Form analysiert und interpretiert. Eine finale komparative Analyse beleuchtet, inwiefern sich im verkörperlichten Habitus der Abgebildeten unterschiedliche Intimitätskonstruktionen und Subjektformen aktualisieren. Es zeigt sich, dass die von den Plattformen und Services vorgegebenen Formate spezifische Nähe- und Distanzverhältnisse zwischen Abgebildeten und Betrachtenden nahelegen und sich in globalisierten mediatisierten Bildpraxen niederschlagen. Unterschiede können jedoch hinsichtlich des verkörperlichten Ausdrucks von Intimität festgestellt werden, der sich an Parametern wie der Affektintensität oder Relationalität der Körper zu einander zeigt. Hierbei lassen sich gruppenspezifische Erfahrungsräume, wie das gemeinsame Erleben eines spezifischen Moments, in ihrer Überlagerung mit gesellschaftlichen Erfahrungsräumen rekonstruieren, welche sich im Bildinhalt etwa in Konventionen zur (Nicht-)Einhaltung von körperlicher Distanz manifestieren.

[Images as generators of affect: A transcultural study on the visual negotiation of proximity and distance in social media environments]

The transcultural study explores the meaning of affective practices and emotion as practice within the context of young adults’ image-centered interaction on social networking platforms. Group visualizations were analyzed addressing the question if and how belonging and intimacy were documented in a culture-specific way and which role affective practices, which manifest in the (un)relatedness of bodies, play. Images are regarded as generators of affect as well as instruments of group integration and constitution. Applying the method of documentary image interpretation, group visualizations of young adults living in urban areas in Vietnam, Malaysia and Austria were analyzed. Goffman’s categories addressing the framing of gender as well as a social semiotic approach are used to shed light on the meaning of image contexts and spatial relations with regard to constellations of intimacy. In the paper, four prototypical images are interpreted in more detail. Comparative analysis uncovers how different constellations of intimacy and forms of subjectivity unfold in the protagonists’ embodied habitus. The results show that the formats prescribed by platforms and services generate specific relations of distance and closeness between the image protagonists as well as the image viewers, manifesting in globalized mediatized image practices. Differences were discovered concerning the embodied expression of intimacy, which is evident in parameters such as intensity of affect and the relationality of bodies. Focusing on how conventions of (not) maintaining physical distance shape the content of images, the overlaps of group-specific and societal experiential spaces were reconstructed.