Ausgeblendet – Frauen in Film und Fernsehen. Warum Gleichberechtigung in den Medien fast ein Fremdwort ist

Leipzig: Vortrag von Prof. Dr. Elizabeth Prommer und Dr. Christine Linke auf der Buchmesse, 21. März 2019, 16 Uhr

Ausgeblendet – Frauen in Film und Fernsehen. Warum Gleichberechtigung in den Medien fast ein Fremdwort ist

Die Schieflage in der Präsenz und der Rolle von Frauen in den Medien ist seit Jahrzehnten nicht untersucht worden. 2016 hat Maria Furtwängler sich dieses Themas angenommen und die Studie „Audiovisuelle Diversität“ in Auftrag gegeben. Dazu wurden insgesamt 3.500 Stunden Fernsehen und 800 deutsche Kinofilme ausgewertet. Das zentrale Ergebnis: Frauen sind in Film und Fernsehen unterrepräsentiert. Auf eine Frau kommen zwei Männer. Die Rollenklischees – hübsche junge Frau, starker, kluger Mann – scheinen zementiert. Frauen, sind dabei nicht nur seltener sichtbar, sie sind auch kürzer zu sehen und haben deutlich weniger Wortanteile.

Auffällig ist auch eine abnehmende Präsenz von Frauen im Alter: Bis zum Alter von etwa 30 Jahren spielen gleich viele Männer wie Frauen Rollen im Kino oder Fernsehen, ab Mitte 30 kommen auf eine Frau zwei Männer, ab 50 Jahren kommen auf eine Frau drei Männer. Dabei ist es egal, ob es sich um Eigenproduktionen oder ausländische Produktionen handelt. Noch größer ist der Unterschied bei Unterhaltungssendungen wie Quizshows: Dort kommen auf eine Frau über 50 Jahre acht Männer.

Männer sind die Experten, die Journalisten, Sprecher und die Gameshow-Hosts. Die Ungleichheit im Kinderfernsehen ist noch extremer: Hier kommen auf eine Mädchenfigur gleich drei Jungen und gezeichnete Tiere und Fantasiefiguren sind überwiegend männlich. Drei Viertel der weiblichen Körper in Zeichentrickserien haben eine so schmale Taille, dass Rippen und Organe gar keinen Platz finden würden. Aber nur 25 Prozent der männlichen Körper sind zu schmal gezeichnet.

Bei der Präsenz von Frauen in audiovisuellen Medien spielt es eine große Rolle, wer hinter der Kamera arbeitet: Je mehr Frauen dort wichtige Funktionen übernehmen, desto mehr Frauen sehen wir auch auf dem Bildschirm oder im Kino. Diese und viele weitere Ergebnisse der Studie, werden Elizabeth Prommer und Christine Linke im Sach- und Fachbuchforum der Leipziger Buchmesse thematisieren.

Elizabeth Prommer / Christine Linke
Ausgeblendet – Frauen in Film und Fernsehen.
Warum Gleichberechtigung in den Medien fast ein Fremdwort ist

am 21. März 2019 um 16 Uhr
auf der Leipziger Buchmesse, Forum Sach- und Fachbuch, Halle 3 Stand H300

Tickets sind über www.leipziger-buchmesse.de erhältlich oder vor Ort. Weitere Infos gibt es hier.

VORTRAGENDE / DISKUTANTEN

Elizabeth Prommer

Elizabeth Prommer, Prof. Dr., lehrt Kommunikations- und Medienwissenschaft und ist Direktorin des Instituts für Medienforschung der Universität Rostock sowie Prodekanin der Interdisziplinären Fakultät. Ihre Arbeits-, Publikations-, und Forschungsschwerpunkte liegen aus kommunikations- und medienwissenschaftlicher Perspektive im Zusammen­spiel von Medien, Medienrezeption und Gesellschaft. Dabei interessiert sie sich inbesondere für die audio­visuellen Medien (Kino, Fernsehen, nonlineare/interaktive und alle modernen Formen der „Bewegtbild-Medien“). Studium in Los Angeles, München und Leipzig. Vor der Berufung nach Rostock war sie Professorin an der Universität Wien und viele Jahre an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam. Ihre Veröffentlichungen umfassen u.a. Studien zur Online-Mediennutzung und Nutzung mobiler Medien. Aktuelle Forschungsprojekte untersuchen die Sichtbarkeit von Frauen in Kino und Fernsehen sowie die geschlechtsspezifischen Zugänge zur Medienindustrie. Elizabeth Prommer ist Amerikanerin, verheiratet und hat drei Kinder. ...


Christine Linke

Christine Linke, Dr., ist seit 2014 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medienforschung der Universität Rostock. Studium der Angewandten Medienwissenschaft an der Technischen Universität Ilmenau. 2010 Promotion an der Universität Erfurt mit der Arbeit „Medien im Alltag von Paaren. Eine Studie zur Mediatisierung der Kommunikation in Paarbeziehungen“. Im Anschluss wissenschaftliche Tätigkeit an der Freien Universität Berlin und Gastprofessorin für Kommunikationssoziologie an der Universität der Künste Berlin. Ihre Forschung beschäftigt sich mit der Rolle der audiovisuellen und digitalen Medien in Beziehungen, Alltag und Kultur. In einem aktuellen Projekt untersucht sie die Mediennutzung junger Menschen mit Krebserkrankungen. Christine Linke ist Mitglied der interdisziplinären AYAROSA-Forschungsgruppe. ...