Allein in der Fremde: Vor- und Nachteile der Tätigkeit freier Auslandskorrespondenten

Pressemitteilung vom 2. Februar 2016

Allein in der Fremde: Vor- und Nachteile der Tätigkeit freier Auslandskorrespondenten

Es ist der Traum zahlreicher Journalistinnen und Journalisten: eine Anstellung als Auslandskorrespondent/in. Doch feste Stellen sind nicht leicht zu haben, weshalb sich viele als freie Auslandskorrespondenten selbstständig machen. Wie unterscheiden sich diese freien Korrespondenten von ihren festangestellten Kollegen? Wie sieht ihr Arbeitsalltag aus? Wie läuft die Kommunikation mit den Redaktionen in der Heimat? Und welches Selbstverständnis prägt ihre Arbeit? Diesen und weiteren Fragen geht Tim Kukral in Arbeitsbedingungen freier Auslandskorrespondenten nach.

Die Arbeit als Auslandskorrespondent/in ist für zahlreiche Journalistinnen und Journalisten ein heiß ersehntes Ziel. Allerdings investieren Medienhäuser und Verlage immer weniger Geld in die Auslandsberichterstattung, Festanstellungen sind rar geworden und außerdem mit sehr hohen Anforderungen verbunden. Viele Journalisten sehen deshalb nur einen Weg, in ihrem Traumberuf zu arbeiten: Sie gehen auf eigene Faust ins Ausland und verkaufen von dort aus ihre Themen und Geschichten an die Medien in der Heimat. Diese Arbeit erfordert ein hohes Maß an Eigeninitiative, Durchhaltevermögen, Anpassungsfähigkeit und Selbstvermarktung. Mehr noch als ihre festangestellten Kollegen, die durch ihre Arbeitgeber unterstützt werden, haben freie Korrespondenten mit den kulturellen und infrastrukturellen Gegebenheiten ihres Berichtsgebietes zu kämpfen.

Kern des Buches von Tim Kukral ist die Analyse von Gesprächen mit 15 Korrespondentinnen und Korrespondenten des Freien-Netzwerks ›Weltreporter‹. In einem Kapitel zum aktuellen Forschungsstand leistet der Autor theoretische Vorarbeit, im Anschluss folgt die Darstellung der Untersuchungsmethoden. Zentral ist hierbei die Entwicklung eines Fragenkatalogs als Grundlage für die Interviews. Die 15 Korrespondenten wurden zu verschiedenen Faktoren befragt, die ihre Berichtsgebiete, ihren Arbeitsalltag und ihr Rollenselbstverständnis betreffen.

So unterschiedlich wie ihre jeweiligen Berichtsgebiete, die zusammengenommen beinahe den gesamten Globus umspannen, fielen teilweise auch die Antworten der Befragten aus. Zu den am häufigsten genannten Problemen gehören geringe Honorare und der hohe bürokratische Aufwand. In einem Punkt waren sich jedoch alle einig: Trotz aller Herausforderungen, die ihr Beruf an sie stellt, bietet er ihnen auch viel Freiheit: Sie können ihre Themen oft frei wählen und sind verhältnismäßig unabhängig von redaktionellen Abläufen und Hierarchien. Viele der Befragten sehen in ihrer Tätigkeit einen entscheidenden Beitrag zu einer qualitativ hochwertigen Auslandsberichterstattung. Für sie ist ihre Arbeit nicht allein Beruf, sondern auch Berufung.

Kukrals Studie liefert tiefe Einblicke in ein hoch relevantes und doch wenig erforschtes Thema. Es ist somit für Wissenschaftler und Medienschaffende gleichermaßen von großem Interesse.

AUTOREN / HERAUSGEBER

Tim Kukral

Tim Kukral, Jg. 1986, ist Volontär beim Norddeutschen Rundfunk. Zuvor hat er in Tübingen, Aix-en-Provence und Hamburg die Fächer Allgemeine Rhetorik, Medienwissenschaft sowie Journalistik und Kommunikationswissenschaft studiert, gefördert von der Studienstiftung des deutschen Volkes. Einblicke in die Arbeit als Auslandskorrespondent hat er durch Praktika bei den ZDF-Studios in Rio de Janeiro und Brüssel erhalten. (Foto: NDR) ...