Ägyptische Pressefreiheit: Schwierige Lage*

Pressemitteilung vom 15. September 2015

Ägyptische Pressefreiheit: Schwierige Lage*

Die Freiheit der Medien wird in der ägyptischen Verfassung seit 1971 garantiert. Dennoch prägen staatliche Kontrolle und Einschränkungen den Arbeitsalltag von Journalisten bis heute. In Medienfreiheit in Ägypten benennen namhafte vorrangig deutsche und ägyptische Journalisten die Gründe für die negative Entwicklung und suchen nach Lösungen.

Problematisch steht es um die Pressefreiheit in Ägypten nicht erst seit Kurzem, doch vier Jahre nach der Revolution von 2011 ist es schlimmer als je zuvor. Selbstzensur und staatliche Kontrolle führen nach wie vor zu einem Unisono in der Berichterstattung und machen die Medien zum Spielball der Herrschenden. Journalistinnen und Journalisten werden während der Ausübung ihres Berufs getötet oder in Gefängnisse gesteckt. Manche sind seit Jahren in Haft, ohne dass bis dato eine zumindest äußerlich korrekte Anklage erhoben wurde. Viele Ägypter befürchten Repressalien, wenn sie sich kritisch äußern, und misstrauen ausländischen Korrespondenten, weil gegen diese in den ägyptischen Medien weiterhin massiv Stimmung gemacht wird. Andere resignieren oder haben keine Meinung mehr, weil sie inzwischen zu orientierungslos und verängstigt sind. »Wer aber keine Stimme mehr besitzt, hat eigentlich auch keine Hoffnung mehr« (aus dem Vorwort von Jürgen Stryjak).

Medienfreiheit in Ägypten widmet sich der beunruhigenden Lage der ägyptischen Medien. Im Band werden Gleichschaltung und Zensur beschrieben und von Einschüchterungsversuchen der al-Sisi- und Mursi-Regierung gegenüber in- und ausländischen Pressevertretern berichtet. Vornehmlich kommen ägyptische und deutsche Journalisten namhafter Medien zu Wort: Sie geben Einblick in ihren Arbeitsalltag, beschreiben die Bedrohungen und stellen sich der Frage nach Chancen und Möglichkeiten für eine freiheitlichere Medienlandschaft in Ägypten. Die journalistischen Essays werden eingefasst von einer historischen Hinleitung und einem kritischen wissenschaftlichen Ausblick. Bilderserien werfen Schlaglichter auf zeitgeschichtlich relevante Aspekte und visualisieren so die beschriebenen Ereignisse.

Am Ende entsteht ein düsteres, aber nicht hoffnungsloses Bild: Die gesellschaftliche Dynamik, die schon Jahre vor der Revolution entstanden ist und zu Hosni Mubaraks Sturz beigetragen hat, ist stark eingeschränkt worden. Dennoch haben die ägyptische Bevölkerung und die Medienschaffenden Freiheiten gekostet, die ihnen nur schwer wieder zu nehmen sind.

*Reporter ohne Grenzen: Freedom of the Press worldwide in 2014

AUTOREN / HERAUSGEBER

Judith Jäger

Judith Jäger ist Redakteurin und Freie Lektorin. Sie hat Sozialwissenschaften und Interkulturelle Beziehungen mit Fokus auf Ägypten studiert. Die langjährige "Liebesbeziehung" zu Kairo und ihre Leidenschaft für die arabische Sprache führte sie zuletzt für ein Jahr als verantwortliche Internet-Redakteurin ans Goethe-Institut Kairo. Sie war Teil des sich wandelnden alltäglichen Lebens, spürte die Veränderungen durch die von innen heraus in den Straßenraum drängenden Gefühle und Spannungen. ...


Christopher Resch

Christopher Resch ist Journalist und Arabist. Nach dem Studium der beiden Fächer in Leipzig und Istanbul ging er für ein Jahr zum Goethe-Institut nach Kairo und war dort für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich. Im alltäglichen Kontakt mit Journalisten aus Ägypten, Deutschland und anderen arabischen und europäischen Ländern hat er miterlebt, wie sich die Mediensituation in Ägypten zuletzt deutlich verschärft hat. Aktuell schreibt er für die taz, das Goethe-Institut und andere Medien vor allem über Themen aus dem arabisch-islamischen Raum. ...