Muster von Medienskandalen in der Berichterstattung


Von Karina Selin am 23. Januar 2012

Muster von Medienskandalen in der Berichterstattung

Es fällt schon auf: Ob sich nun Christian Wulff Geld leiht, wo er sich besser keines geliehen hätte, Karl Theodor zu Guttenberg der Worte anderer bedient oder News of the World-Inhaber Rupert Murdoch in einen Abhörskandal verwickelt ist – Medienskandale scheinen einem Muster zu folgen was ihre Enttarnung, die weitere Verbreitung und den Umgang mit ihnen angeht.

Die Medienwissenschaftler Prof. Dr. Bernhard Pörksen (Universität Tübingen), Prof. Dr. Stephan Weichert (Macromedia Hochschule Hamburg) und Dr. Steffen Burkhardt (Universität Hamburg) erforschen Medienskandale und werden regelmäßig als Experten zu Wort gebeten, wenn sich Medien und deren Konsumenten über prominente Fehltritte empören.

Auch im Zuge der Causa Wulff äußerten sich die Medienwissenschaftler zu Krisen- und Skandalmanagement, Salamitaktik, ausufernder Social-Media-Weiterverbreitung und den meist darauf folgenden “Shitstorm”, der über die prominenten Sünder hereinbricht.

Hilfreich seien laut Bernhard Pörksen beispielsweise schlicht vier “goldene Regeln”, die es zu beachten gelte:

– Rasch reagieren: «Man muss schnell reagieren, um handlungsfähig zu bleiben. Eine Salamitaktik, das scheibchenweise Einräumen von Fehlern, hat noch nie funktioniert.»

– Medienwandel begreifen: «Die Salamitaktik funktioniert ganz besonders schlecht unter den gegenwärtigen Bedingungen digitaler Kommunikation, denn bei einem möglichen, eventuell dann wieder fehlerhaften Teilgeständnis ist der Gegenbeweis blitzschnell sichtbar.»

– Maximale Transparenz: «Man muss die Vorfälle schonungslos aufklären und dann mit einer möglichst ernsten, überzeugenden Geste um Verzeihung bitten.»

– Übereinstimmung von Institution und Inhalt: «Die Art und Weise des Skandalmanagements darf dem eigenen Image und vor allem dem Repräsentationskorsett des Amts, das man ausübt, nicht widersprechen.»

Über “mediale Bruderschaften” und gezielt ausgeheckte Medienkampagnen spricht Journalistik-Professor Stephan Weichert in einem Gastkommentar auf Meedia.de:

Es geht also nicht um die Frage, ob die Bürger eher einem Boulevard-Chefredakteur oder dem Staatsoberhaupt Glauben schenken sollen, oder dass die politische Klasse inzwischen schon unter Generalverdacht zu stehen scheint. Es geht vielmehr um den gegenseitigen Liebesentzug von Medien und Politikern und darum, dass die Meinungsmacher im Regierungszentrum selbst zu Getriebenen werden, die politische Affären nicht mehr durch journalistische Geschäftigkeit aufdecken, sondern Petitessen wie die angeblich skandalöse Garderobe seiner Ehefrau oder die Übernachtungsregelungen für Freunde von Politikern selbst zu Medienskandalen aufbauschen.

Skandalforscher Steffen Burkhardt sieht aufgrund seiner Erfahrung keinen glimpflichen Ausgang für Wulff: «Die Historie lässt auf keine gute Prognose für Wulff hoffen.» Aus einem Interview mit der dpa:

Eingriffe in die Pressefreiheit sind mit unserer Demokratie nicht vereinbar und daher reagieren die Medien zurecht empört auf die Vorfälle. Sicherlich würde der Bundespräsident durch einen schnellen Rücktritt weiteren Schaden von dem Amt abwenden. Doch wer erst einmal im Skandal verstrickt ist, kämpft häufig nur noch um seine soziale Position, statt Fehler einzugestehen und Konsequenzen zu ziehen.