Vertrauen in der digitalen Gesellschaft

Pressemitteilung vom 18. September 2017

Vertrauen in der digitalen Gesellschaft

Zerfällt das ›öffentliche Vertrauen‹ unter den Gegebenheiten des Web 2.0? Die Autoren des von Michael Haller herausgegebenen Buchs Öffentliches Vertrauen in der Mediengesellschaft beschreiben und analysieren die Bedingungen wie auch Grenzen für Vertrauen in der digitalen Gesellschaft.

Polarisierung der politischen Meinungen, Politikverdrossenheit, Misstrauen gegenüber den Informationsmedien, Angst vor sozialen Konflikten, Rückzug in die Community: Demoskopische Erhebungen zeigen einen massiven Vertrauensverlust der Gesellschaft gegenüber Staat, Parteien und öffentlichen Institutionen sowie den Medien. Verunsicherung breitet sich aus.

Was bedeutet ›öffentliches Vertrauen‹ in Zeiten des Social Web und der digitalen Netzwerke? Ist es überhaupt noch notwendig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt? Art und Bedeutung des Zutrauens von Bürgern in die Akteure des politischen Systems und der öffentlichen Einrichtungen haben sich durch die Internetmedien markant verändert. Daher ist eine Untersuchung der Begriffe ›Vertrauen‹ und ›Öffentlichkeit‹ sowie eine Diskussion theoretischer und empirischer Konzepte überfällig.

Die Autoren dieses Buches sind Kommunikations- und Medienwissenschaftler, Informatiker und Marktforscher. Sie untersuchen das Konstrukt ›öffentliches Vertrauen unter den Bedingungen der digitalen Gesellschaft aus ihren jeweiligen Perspektiven. Diese Interdisziplinarität wird durch die Gliederung des Bandes in vier Themenbereiche unterstrichen. Eröffnet wird das Buch mit einem Beitrag des Herausgebers, der die gängigen Öffentlichkeitstheorien auf der Suche an einem brauchbaren Konzept für die Social-Media-Welt kritisch durchsieht. Seine Analyse mündet in Vorschlägen, wie das überkommene Vertrauenskonzept ersetzt werden könnte. Im Anschluss werden die für den Journalismus, für die sozialen Medien und für Public Relations geltenden Vertrauenskonzepte geprüft und erörtert. Aufgezeigt werden auch die Möglichkeiten des Text Mining zur Analyse von Vertrauensindikatoren sowie die auf Vertrauensbildung ausgerichteten marktwirtschaftlichen Programme. Abschluss und Ausblick bietet ein Essay von Clemens H. Cap über das Vertrauen in der Krise. Im Fokus stehen die Online-Medienkonzerne, die Vertrauen vorgaukeln, um die Nutzer als Datengeber willfährig zu machen: Warnende Fingerzeige auf die digitale Feudalgesellschaft.

AUTOREN / HERAUSGEBER

Michael Haller

Michael Haller, Prof. Dr. phil., geboren 1945, war während 25 Jahren als Journalist in leitender Funktion in verschiedenen Medien des deutschen Sprachraums tätig. Von 1993 bis zu seiner Emeritierung Ende 2010 hatte er den Lehrstuhl für Journalistik an der Universität Leipzig inne und war wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Praktische Journalismus- und Kommunikationsforschung in Leipzig. Seine Hauptforschungsgebiete: Redaktions- und Qualitätsforschung sowie journalistische Methoden und Berufsethik. Er ist Verfasser zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und einschlägiger Standardwerke zum Journalismus. ...