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Gerd Hallenberger / Jörg-Uwe Nieland (Hrsg.)
Neue Kritik der Medienkritik. Werkanalyse, Nutzerservice, Sales Promotion oder Kulturkritik?
2005, 408 S., Broschur, 120 x 190 mm

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3931606864 24.00 EUR

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Die wachsende Bedeutung der Medien und ihrer Angebote in unserer Gesellschaft ist unbestritten. Die kritische Beobachtung der Medienlandschaft müsste deshalb ein zentrales Anliegen sein. Das Gegenteil ist aber der Fall: Die traditionellen Formen der Medienkritik haben dramatisch an Bedeutung verloren, neue Formen ambitionierter Kritik sind allenfalls in Ansätzen erkennbar. Stattdessen tritt immer häufiger Produkt-PR an die Stelle kritischer Überlegungen zum Medienangebot.

Diese Entwicklung zwingt zum Nachdenken über grundsätzliche Fragen. Unter welchen Bedingungen findet Medienkritik heute (noch) statt? Wie kann Medienkritik damit umgehen, dass ihr Gegenstand in zunehmendem Maße nicht Einzelangebote sind, sondern Bausteine komplexer Produktverbünde, Elemente medienübergreifender Vermarktungsstrategien? Was bedeutet es für die Medienkritik, unter den Bedingungen der Mediengesellschaft immer auch Gesellschaftskritik zu sein?

Prominente Autoren aus Medienwissenschaft, Medienaufsicht und Medienkritik legen hier grundlegende Analysen und Erfahrungsberichte vor und entwickeln Perspektiven: Michael Beuthner, Ben Bolz, Bernd Gäbler, Joachim von Gottberg, Hardy Gundlach, Peter Christian Hall, Knut Hickethier, Uwe Kammann, Klaus Kamps, Harald Keller, Marcus S. Kleiner, Klaus Kreimeier, Dietrich Leder, Volker Lilienthal, Reinhard Lüke, Bernd Merz, Wolfgang Mühl-Benninghaus, Dieter Prokop, Konrad Scherfer, Siegfried J. Schmidt, Stephan Alexander Weichert

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Rezension

Medien & Kommunikationswissenschaft, 54. Jg., 2006/1
Wer lebhafte Einblicke in die Praxis der Medienkritik sucht, wird in diesem Buch fündig werden. Was die akademische Debatte über die Medienkritik anbelangt, so versammelt der Band eine Vielzahl klug reflektierender Beiträge. (Susanne Fengler, Auszug)
 

Rezension

Medienspiegel, Nr. 9/2005
Die Medien bestimmen unseren Alltag: Wir alle schalten den Fernseher an, hören Radio oder lesen Zeitung. Medien haben den Auftrag der Meinungsbildung zu dienen und Transparenz zu schaffen. Sie sollen Politiker kontrollieren und auf Misstände hinweisen - doch wer kontrolliert die Medien? Diese Frage ist nicht neu und Gerd Hallenberger und Jörg-Uwe Nieland, die Herausgeber der Neuen Kritik der Medienkritik, haben diese Frage schon früher gestellt. Dass sie jetzt zahlreiche Experten und Medienjournalisten zum Stand der Medienkritik zu Wort kommen lassen, hat trotzdem seine Berechtigung: Nach einer gewissen Euphorie und Aufbruchstimmung im Medienjournalismus Mitte der neunziger Jahre ist mit der so genannten Medienkrise Katerstimmung eingezogen. Die lesenswerten Aufsätze stellen die aktuellen Spielräume der Medienkritik dar, bieten die Innenansicht der Akteure und zeigen, wohin sich das Genre entwickeln könnte.
 

Rezension

de:Bug
Das Thema Medienkritik erfreut sich derzeit großer Beliebtheit. In wirtschaftlich und gesamtgesellschaftlich unsicheren Zeiten verwundert das kaum. Denn so wie in besseren Tagen die Möglichkeiten der Medien gefeiert wurden, sind diese kultürlich in Krisenperioden potenzielle Schuldige. Zwei neue Bände bemühen sich um differenziertere Sichtweisen. Der kritische Medienforscher Dieter Prokop, selbst Frankfurt geschult, arbeitet bereits seit knapp 30 Jahren an einer Verfeinerung der klassischen Kritischen Theorie um Horkheimer und Adorno. Prokop sucht das Kreative in der Kulturindustrie und geht deshalb in die Felder populärer Kultur. Sein neuer Band beinhaltet neben einem ausführlichen Vorwort zwei rückgemischte und aktualisierte Aufsätze aus Fachzeitschriften. In diesen präsentiert Prokop gegenüber seinen zuletzt veröffentlichten Monographien zwar nichts Neues aber dennoch macht es Spaß, seine kritisch-theoretischen Reflexionen zu Medienkultur, Warenform und Dialektik zu lesen. Unklar bleibt, warum der erfahrene Medienforscher weiterhin unbelesen und oberflächlich auf Cultural Studies, Konstruktivismus und Systemtheorie eindrischt.

Vielseitiger erscheint da schon qua Format der Sammelband des Medienwissenschaftlers Gerd Hallenberger und des Sozialwissenschaftlers Jörg-Uwe Nieland. Denn in ihren Überlegungen zur Kritik der Medienkritik (ganz nach Umberto Ecos kritischer Kritik der Massenkultur) führen neben Dieter Prokop selbst vollkommen unterschiedliche (Medien-)Theoretiker zusammen, die sich allesamt mit dem Phänomen der Medienkritik auseinandersetzen. Neben grundlegenden theoretischen Voraussetzungen (die üblichen versiert Verdächtigen Siegfried J. Schmidt, Knut Hickethier, Klaus Kreimeier u.a.) sind hier teilweise etwas trockene Ausführungen zu Institutionen der Medienkritik wie Fernsehpreiswertung oder Jugendschutz zu lesen. Spannender wirkt das abschließende Kapitel zu Erfahrungen und Aussichten der Medienkritik, in dem neben Aufsätzen zur Kritik bei einzelnen Medien-Organen oder Sendungen Wolfgang Mühl-Benninghaus' Beitrag zur Medienkritik in der DDR mehr als Nachholarbeit leistet. Dazu gesellt sich mit dem langen Aufsatz von Marcus S. Kleiner (u.a. Herausgeber des "Soundcultures"-Sammelbands) über Kommunikations- und Medienguerilla eine wahre Fundgrube postmoderner Kritik-Chancen.
 


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