Rundfunkpolitik und Netzpolitik. 
Zum Strukturwandel der Medienpolitik in Deutschland

Pressemitteilung vom 19. Juli 2013

Rundfunkpolitik und Netzpolitik. 
Zum Strukturwandel der Medienpolitik in Deutschland

Was unterscheidet Medienpolitik von anderen Politikfeldern? In einer Neuerscheinung wird die geführte Debatte zum ›Strukturwandel der Medienpolitik‹ dokumentiert und fortgeführt, in der erstmals von Medienmanagern, Wissenschaftlern, Politikern und Publizisten umfassend nach den Folgen dieses Szenenwechsels für Unternehmen, Politiker und Zivilgesellschaft gefragt wird.

Medienpolitik war lange Zeit die Angelegenheit weniger Spezialisten und ist im deutschsprachigen Raum erst seit den 1960er-Jahren begrifflich und strategisch fundiert. Mit dem Internet ist nun eine neue Sphäre der ›Netzpolitik‹ entstanden, die auf das Feld der klassischen Massenmedien übergreift: Es handelt sich nicht nur um ein neues Medium oder eine zusätzliche Infrastruktur, sondern um ein Übermedium, das neue gesellschaftliche, kultur- und medienphilosophische sowie globalwirtschaftliche Kontexte hervorbringt. Öffentliche Debatten um die Zukunft des professionellen Journalismus, das Leistungsschutzrecht, die Marktmacht neuer Wissenskonzerne wie Google oder die psychophysischen Folgen der Nutzung digitaler Netzwerke zeigen, dass Medien- und Netzpolitik nur noch mit hohem terminologischen Aufwand voneinander zu trennen sind. Unter dem publizistischen Druck jüngerer ›Netzaktivisten‹ ist es schwer, das alte Regime der ›Rundfunkregulierung‹ fortzuschreiben. So erscheint die neue Netzpolitik als schick und zukunftsträchtig, während die alte Medienpolitik weiterhin in ihren föderalen Regulierungsfeldern vor sich hinwirtschaftet.

Aus einem Essay für die Fachzeitschrift Funkkorrespondenz über diesen Strukturwandel der Medienpolitik hat sich eine lebhafte Debatte entwickelt, die im vorliegenden Band gebündelt und durch zusätzliche Texte ergänzt wird. Die Autoren – Vertreter wesentlicher Akteursgruppen (Parteien, Wissenschaft, Sender, Produzenten, Journalisten, Medienmanager) – legen dabei in ihren Ausführungen den Schwerpunkt auf die spezifische Medienordnung in Deutschland. Dabei machen sie naturgemäß partikulare Interessen und Deutungsmuster sichtbar.

Zu den Autoren des Bandes zählen unter anderem die Medienwissenschaftler Gerhard Vowe und Miriam Meckel, der Grünen-Politiker Cem Özdemir und Christopher Lauer von den Piraten, die Publizisten Jakob Augstein (Der Freitag), Wolfgang Blau (The Guardian) und Christoph Keese (Springer), Blogger und Kolumnist Sascha Lobo, Lutz Marmor (NDR-Intendant und derzeit ARD-Vorsitzender), Frauke Gerlach (Vorsitzende der Medienkommission der Landesanstalt für Medien NRW) sowie Karl-Heinz Ladeur (emeritierter Professor für Öffentliches Recht, Universität Hamburg).

AUTOREN / HERAUSGEBER

Lutz Hachmeister

Lutz Hachmeister, Dr. habil., geb. 1959 in Minden/Westfalen, ist Gründungsdirektor des Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik (Berlin/Köln). Promotion 1986 an der Universität Münster mit einer Arbeit zur Geschichte der Kommunikationswissenschaft in Deutschland, Habilitation 1999 an der Universität Dortmund mit einer Studie zur ›Gegnerforschung‹ der SS. Er war unter anderem Medienredakteur des Tagesspiegel in Berlin, Direktor des Grimme-Instituts (Marl) und Leiter des Fernseh- und Filmfests Köln (Cologne Conference). Zahlreiche Dokumentarfilme und Publikationen zur Zeit- und Mediengeschichte, u.a. Schleyer (2004), Das Goebbels-Experiment ...


Dieter Anschlag

Dieter Anschlag, geb. 1958 in Rhede/Westf., ist seit 1991 für den Medienfachdienst Funkkorrespondenz (Bonn) tätig, zunächst als verantwortlicher Redakteur, seit 2001 als Redaktionsleiter/Chefredakteur. Er begann seine journalistische Laufbahn mit einem Volontariat bei einer Regionalzeitung, für die er danach mehrere Jahre als Sportredakteur arbeitete. Studium der Publizistik, Niederlandistik und Politikwissenschaften an der Universität Münster, Magister-Abschluss 1987 mit einer Arbeit über den deutsch-niederländischen Zeitungswissenschaftler Kurt Baschwitz (publiziert 1990 unter dem Titel Wegbereiter im Exil); im Jahr 2002 Auszeichnung mit ...