Noch eine Frage bitte, Herr Lanzenberger und Herr Müller

Wolfgang Lanzenberger und Michael Müller über die 3., völlig überarbeitete Auflage von "Unternehmensfilme drehen. Business Movies im digitalen Zeitalter"

Noch eine Frage bitte, Herr Lanzenberger und Herr Müller

Worin unterscheidet sich die dritte Auflage von den ersten beiden Auflagen?

Michael Müller: Seit dem Erscheinen der ersten beiden Auflagen hat sich das Genre des Unternehmensfilms rasant entwickelt. Mit der dritten Auflage wollen wir aktuelle Entwicklungen abbilden und anhand von Beispielen dem Leser näher bringen: kurz, knapp und verständlich. Der Kern des Buches ist und bleibt aber eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum erfolgreichen Unternehmensfilm unter heutigen medialen Bedingungen.

Wolfgang Lanzenberger: Unser Buch bietet Orientierung in einem zunehmend unübersichtlichen Feld. Wir wollen vor allem aber auch Lösungsansätze anbieten, mit Checklisten praktische Hilfe leisten – zum Beispiel was in einem guten Briefing alles sein sollte. Wir sprechen Verantwortliche in der Unternehmenskommunikation genauso an wie Filmkreative, die im Unternehmensfilm ein lukratives Geschäftsfeld entdecken.

Warum sind Filme heute so wichtig für das Marketing eines Unternehmens?

WL: Kein anderes Medium schafft es innerhalb kürzester Zeit, einen bleibenden, visuell starken Eindruck zu hinterlassen. Wir sprechen vom Unternehmensfilm als der „Visitenkarte“ eines Unternehmens. Wenn der Film gut gemacht ist, rechnet sich das Investment auf jeden Fall. Filme können entscheidend sein für den Aufbau des Unternehmensimages, ja sogar bei Kaufentscheidungen. Und beim Erstkontakt mit einem Unternehmen kann ein Film wertvolle Orientierung bieten.

MM: Visuelle Kommunikation und damit vor allem Filme werden immer mehr die zentralen Elemente einer erfolgreichen Unternehmens- und Markenkommunikation. Menschen lieben Filme, und Filme können sie immer genau da erreichen, wo sie gerade sind: Auf Social-Media-Plattformen, im Web, aber auch in Shops, Messen oder im Kundengespräch. Und das gilt übrigens auch für B2B-Kommunikation: Auch Geschäftskunden sind Menschen, und Menschen lieben wie gesagt Filme.

Inwieweit hat das Internet den Unternehmensfilms verändert?

MM: Früher wurden die Filme nur im Werksmuseum gezeigt oder allenfalls auf VHS-Kassetten verschickt. Heute sind sie allgegenwärtig. Es gibt kein besseres Distributionsmedium für Unternehmensfilme als das Internet und die sozialen Medien. Die Filme laden ein zur Anschlusskommunikation, sie können geliked, geshared und kommentiert werden.

WL: Aber auch im B2B-Bereich ist die schnelle Verfügbarkeit von Unternehmensfilmen auf Plattformen wie YouTube oder Vimeo ein entscheidendes Plus. Das Internet hat auch dazu beigetragen, dass heute durchwegs bessere Filme produziert werden. Im riesigen Medienangebot des digitalen Zeitalters hat es vor allem eines schwer: das Mittelmaß. Niemand ist heute dazu bereit, auch nur fünf Sekunden eines schlechten Films über sich ergehen zu lassen. Wir finden, dass das eine gute Entwicklung ist.

In Ihrem Buch erläutern sie fünf verschiedene Masterpläne für Unternehmensfilme. Welcher Ansatz hat aus Ihrer Sicht das größte Erfolgspotenzial?

WL: Das kann man nicht so eindeutig sagen. Wir haben ja fünf Masterpläne beschrieben, weil je nach Kontext, Kommunikationsziel und Zielgruppe eine andere Herangehensweise erfolgversprechend ist. Nehmen wir beispielsweise den Reportageansatz, der bei Fernsehmagazinen glänzend funktioniert, und dessen Potenzial in der Unternehmenskommunikation bei weitem noch nicht ausgeschöpft ist. Warum eigentlich? Die Welt der Unternehmen ist spannend, man muss nur genau hinschauen und den richtigen Blickwinkel finden. Auch in kleinen Dingen, Gesten, Handlungen verbergen sich manchmal große Einsichten. Ein journalistischer Ansatz bzw. eine filmische Reportage bieten die Möglichkeit, Geschichten ganz nah an Protagonisten zu erzählen. Solche Unternehmensfilme sehen sich die meisten Menschen lieber an als vor Eigenlob triefende Filme, die nur Mission-Satements herunterbeten.

MM: Auch im künstlerisch-kreativen Bereich, vor allem im Bereich des Storytellings, stehen wir noch am Anfang. Viel zu wenige Unternehmensfilme bemühen sich, wirklich gute Geschichten zu erzählen. Warum nicht beispielsweise das derzeit sehr beliebte Serienformat aufgreifen, um in kleinen, fiktionalen Webserien den Rezipienten auf unterhaltsame Weise die Botschaften des Unternehmens zu vermitteln? Auf kreative Weise – nicht mit dem Holzhammer! Dazu braucht es nur den Mut seitens der Unternehmen und das richtige Briefing – kreative Filmschaffende lechzen geradezu danach, endlich etwas Neues, Außergewöhnliches zu machen. Mit unseren Buch wollen wir genau das: Mut machen, gute und innovative Filme zu drehen.

Wie schätzen Sie die Zukunft des Unternehmensfilms ein?

WL: Sehr gut, der Film wird auch weiterhin in der Unternehmenskommunikation boomen. Allerdings scheint das noch nicht in allen Köpfen angekommen zu sein. Wir haben dieses Buch auch deshalb geschrieben, weil wir das Genre noch als unterbewertet sehen. Vermutlich ruft der Begriff „Unternehmensfilm“ negative Assoziationen hervor, ganz einfach deshalb, weil jeder von uns schon viele schlechte Unternehmensfilme gesehen hat. Es braucht einfach noch bessere Filme.

MM: Gerade in Zeiten, in denen die Menschen Werbung zunehmend ablehnend gegenüberstehen, bietet der Unternehmensfilm, wenn er interessant gemacht ist und eine Geschichte erzählt, neue Möglichkeiten, Zielgruppen zu erreichen. Content Marketing heißt das Stichwort: Unternehmen müssen den Menschen etwas bieten, das sie interessiert, unterhält, bereichert. Und das sind in aller Regel nicht sture Aufzählungen von Produkt-Features oder Unternehmenswerten. Wenn Menschen bei einem Unternehmensfilm mitfiebern, emotional reagieren, lachen – dann ist das Unternehmen in den Köpfen angekommen. Und diese Menschen werden den Film (und damit die Marke) liken und teilen und somit weiterverbreiten.