Noch eine Frage bitte, Herr Krüger

Uwe Krüger über sein Buch »Meinungsmacht«


Von Herbert von Halem am 18. Dezember 2013

Noch eine Frage bitte, Herr Krüger

1. In Ihrem Buch beschreiben Sie den Einfluss der deutschen Politik- und Wirtschaftseliten auf Alpha-Journalisten. Wie haben Sie diesen Einfluss untersuchen und darstellen können?

Ich habe einerseits Daten gesammelt, welche Top-Journalisten zusammen mit welchen Politikern oder Wirtschaftschefs in welchen Organisationen gemeinsam involviert waren – wo sie also abseits ihrer journalistischen Kerntätigkeiten vertraulichen Umgang miteinander haben konnten. Bei Journalisten, die sehr auffällige Netzwerke in bestimmten elitären Milieus aufwiesen, habe ich dann deren Berichterstattung untersucht.

2. Wie macht sich der Einfluss der Eliten auf die Journalisten in ihrer Berichterstattung bemerkbar?

Bei vier Top-Journalisten habe ich dichte Netzwerke im außen- und sicherheitspolitischen Elitenmilieu ausgemacht, da gibt es viele Verbindungen zu US- und Nato-Kreisen. Dazu passt der Befund, dass diese Journalisten in ihren Artikeln auch auf Eliten-Linie liegen, was den Auslandseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan und die grundsätzliche Definition von Sicherheit angeht. Die Journalisten verwenden einen erweiterten Sicherheitsbegriff, mahnen die deutsche Regierung zu mehr militärischem Engagement in der Nato und zur Pflege der transatlantischen Partnerschaft und empfehlen zur Durchsetzung dieser Politik verstärkte Überzeugungsarbeit am Wahlvolk. Zuweilen verwenden sie Propagandatechniken, wobei offen bleiben muss, ob sie dies bewusst oder unbewusst tun.

Ich kann auch nicht sicher sagen, ob die Journalisten direkt von den Eliten in ihren Netzwerken beeinflusst sind. Möglich ist auch, dass sie schon vor ihrer Vernetzung Eliten-kompatible Einstellungen aufwiesen und gerade deshalb Zugang zu den Eliten bekommen haben.

3. Sie haben mit Ihrem Buch große Aufmerksamkeit erregt. Was, denken Sie, hat zu der starken Nachfrage bei der Leserschaft geführt?

Die starke Nachfrage hat sicher damit zu tun, dass ich Namen nenne – anders als die bisherige Medienforschung zu dem Thema, die zwar die Zustände hinter den Kulissen zutreffend beschrieb, aber anonymisiert und in einer eher abstrakten Begrifflichkeit. In meinem Buch gibt’s eine Netzwerkanalyse mit Ross und Reiter und auch eine Art Lexikon der Eliten-Verbindungen, eine Art »Wer mit wem?« zum Nachschlagen.

Man muss dazusagen, dass ich viel stärkere Resonanz aus der Zivilgesellschaft bekomme als aus dem Journalismus: Mediennutzer, Aktivisten, Friedensbewegte, Lehrer und Künstler zeigen sich sehr viel interessierter – und beunruhigter – an meinen Daten als Journalisten.

4. Sie haben in Ihrem Buch die Verbindungen bekannter Alpha-Journalisten wie Josef Joffe von der Zeit oder Stefan Kornelius (SZ) dargestellt und sie anschließend um eine Stellungnahme gebeten, die durchweg verweigert wurde. Wie haben die entsprechenden Medien nach der Veröffentlichung reagiert?

Nach der Veröffentlichung habe ich aus den vier Redaktionen, die im Zentrum meiner Kritik stehen, nur indirekte Reaktionen erhalten. In der FAZ erschien eine lange Rezension, geschrieben vom Soziologen und Netzwerkforscher Prof. Dr. Boris Holzer. In dieser Rezension, die ich als überwiegend wohlwollend wahrgenommen habe, wird interessanterweise nur die Kritik an den Kollegen von Süddeutscher Zeitung und Zeit erwähnt, aber nicht am Außenpolitik-Ressortleiter der FAZ.

Außerdem gab es einen Bericht der taz über das Buch. Der Autor hat die kritisierten Journalisten befragt und schreibt, dass sie meine Arbeit »als unseriös zurückweisen«. Belegt wird das jedoch nur mit sehr schwammigen Zitaten von Stefan Kornelius und Josef Joffe.

5. Wie kann man sich Ihrer Meinung nach heute als Leser einen objektiven / nicht einseitigen Blick auf die Ereignisse verschaffen?

Indem man möglichst viele Medien miteinander vergleicht. Jeder Journalist hat einen biografischen und Werte-Hintergrund, der seinen Standpunkt, seine Perspektive, seine Sicht auf die Welt beeinflusst, und jeder hat »blinde Flecken«. Bei Redaktionen ist das ähnlich. Ich denke, dass die überregionalen Qualitätsmedien in Deutschland durchaus gute Arbeit leisten und in ihrer Gesamtheit eine Vielzahl an relevanten Fakten und Deutungen transportieren. Aber dieses Bild sollte man ergänzen um Perspektiven, die zum Beispiel alternative Medien, kritische Blogs oder ausländische Qualitätsmedien liefern.