Meinungsführerschaft – Ein relevantes Phänomen in politischen Alltagsgesprächen?

Pressemitteilung vom 18.5.2017

Meinungsführerschaft – Ein relevantes Phänomen in politischen Alltagsgesprächen?

Welche Auswirkungen hat ein alltägliches Gespräch im privaten Kontext auf die politische Meinungsbildung? Auf welche Weise vermitteln meinungsstärkere Personen – sogenannte Meinungsführer – ihre Botschaften an ihr Gegenüber, und welche Ziele verfolgen sie dabei? In der Neuerscheinung Wie Meinungsführer Meinung kommunizieren werden Antworten auf diese und ähnliche Fragen gesucht und gefunden. Leserinnen und Leser, die einen Einblick in die politische Alltagskommunikation erhalten möchten, sollten sich diesen Band zu Gemüte führen.

Meinungsführer können in Gesprächen die Meinungen ihrer Mitmenschen beeinflussen und führen die Meinungsaushandlung in ihrem sozialen Umfeld an. Im politischen Gespräch braucht jeder Meinungsführer einen ›Meinungsfolger‹ – also jemanden, den er von seiner Meinung überzeugen kann – um als eben jener zu gelten. Der Meinungsführer strebt dabei eine meinungsstarke Selbstdarstellung sowie die soziale Anerkennung durch den Gesprächspartner an. Bis dato wissen wir nur wenig darüber, wie sich diese Bemühungen des Meinungsführers in Kommunikation niederschlagen und damit, wie Meinungsführer ihre Mitmenschen kommunikativ beeinflussen.

Im Kontext der Online-Forschung erfährt die Meinungsführerforschung aufgrund der hohen Transparenz im World Wide Web zwar momentan einen Aufschwung, allerdings ist die Analyse der herkömmlichen Face-to-Face-Kommunikation in diesem Kontext nicht zu unterschätzen. Politische Alltagsgespräche, die im privaten Kontext stattfinden, sind demokratietheoretisch nämlich höchst relevant: Die Willensbildung, die aus diesen Gesprächen hervorgeht, kann als Vorstufe der öffentlichen Meinung betrachtet werden. Somit nehmen politische Alltagsgespräche eine Art Brückenfunktion zwischen Alltagsleben und politischem Geschehen ein.

Die Relevanz dieses Themas erkannte Sarah Geber und entwarf daher in ihrer Dissertationsschrift Wie Meinungsführer Meinung kommunizieren ein Modell zur Meinungsführerschaft in der politischen Alltagskommunikation, das Hypothesen zur Meinungsführerschaft in politischen Alltagsgesprächen formuliert. Sie hat 78 Zwiegespräche zwischen Freunden und Bekannten beobachtet, um daraus Rückschlüsse über den Einfluss von Meinungsführern auf ihre Gesprächspartner zu ziehen. Mit ihrer Untersuchung, die 2015 mit dem Herbert von Halem Nachwuchspreis ausgezeichnet wurde, schließt sie eine bedeutsame Forschungslücke in der Meinungsführerforschung.

AUTOREN / HERAUSGEBER

Sarah Geber

Sarah Geber, M.A., Jg. 1985, studierte von 2005 bis 2011 Medienmanagement am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover. Seit 2011 ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am IJK in Hannover beschäftigt. Zu ihren Forschungsinteressen zählen vor allem Fragestellungen aus dem Bereich Rezeptions- und Wirkungsforschung mit einem inhaltlichen Schwerpunkt auf politischer Kommunikation. ...