Informationslücken und Medienhypes: Was Journalisten über ihre eigenen Fehler denken

Informationslücken und Medienhypes: Was Journalisten über ihre eigenen Fehler denken

Hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble Putin wirklich mit Hitler verglichen oder wurde diese Schlagzeile womöglich durch die gezielte Kombination von zwei Aussagen konstruiert? Wurden die Ergebnisse des UNSCEAR-Reports von 2014, die eine Erhöhung gesundheitlicher Risiken aufgrund der Reaktor-Katastrophe in Fukushima nicht bestätigen, verschwiegen, weil deutsche Journalisten der Kernkraft tendenziell ablehnend gegenüber stehen? Und wieso erfährt man von einigen Geschehnissen nichts, während um andere ein regelrechter Medienrummel veranstaltet wird?

Fast die Hälfte der Bevölkerung glaubt, dass die Medien über kontroverse Themen nicht objektiv und sachgerecht berichten, weil sie unangenehme Fakten und unwillkommene Meinungen totschweigen und weil sie Personen, Organisationen und Techniken hemmungslos skandalisieren.

Wie sehen das Journalisten selbst?

Der emeritierte Mainzer Publizistikprofessor Hans Mathias Kepplinger hat über 300 Journalisten aus den Redaktionen deutscher Tageszeitungen in einer repräsentativen Studie zu acht konkreten Verstößen gegen journalistische Berufsnormen befragt. Es zeigt sich: Die meisten Journalisten lehnen zwar das Verschweigen von Informationen und Skandalisierungen generell ab, eine kleine Minderheit akzeptiert jedoch fragwürdige Praktiken, rechtfertigt sie und verteidigt sie gegen Einwände. Kann es sein, dass die wenigen schwarzen Schafe durch wohlmeinende Kollegen vor der Mehrheit ihrer gewissenhaften Kollegen und dem Publikum abgeschirmt werden?

Anlässlich des Erscheinens der Studie unter dem Titel Totschweigen und Skandalisieren. Was Journalisten über ihre eigenen Fehler denken wird Hans Mathias Kepplinger einen Vortrag halten, der erstaunliche Einblicke und Erkenntnisse verspricht.

 

Informationslücken und Medienhypes: Was Journalisten über ihre eigenen Fehler denken
Vortrag von Prof. Dr. Hans Mathias Kepplinger und anschließende Diskussion bei Käse und Wein
am 29. Juni 2017 um 19 Uhr
im Herbert von Halem Verlag, Schanzenstr. 22, 51063 Köln

Einlass ab 18:30 Uhr. Da die Zahl der Sitzplätze begrenzt ist, bitten wir um Anmeldung per E-Mail an karina.selin@halem-verlag.de oder unter der Nummer +49 221 92 58 29 0. Der Eintritt ist frei.

VORTRAGENDE / DISKUTANTEN

Hans Mathias Kepplinger

Hans Mathias Kepplinger, Prof. Dr., geb. 1943, hat in Mainz, München und Berlin Politikwissenschaft, Geschichte und Publizistikwissenschaft studiert, 1970 im Fach Politikwissenschaft promoviert und sich 1977 mit der venia legendi für Publizistikwissenschaft habilitiert. Er war von 1982 bis 2011 Professor für Empirische Kommunikationsforschung an der Universität Mainz, Leiter des Instituts für Publizistik, Dekan und Mitglied des Senats. Seine Forschungsschwerpunkte sind das Verhältnis von erkennbarer Realität, medialer Realitätsdarstellung und Realitätswahrnehmung der Bevölkerung; das Selbstverständnis und die Arbeitsweise von Journalisten; die Kommunikation in Konflikten, Krisen und Skandalen sowie die Wirkung von Medienberichten auf die Protagonisten der Berichterstattung („Reziproke Effekte“). Kepplinger war Gastwissenschaftler an der UC Berkeley, der Harvard University, der University of Illinois sowie den Universitäten in Tunis, Lugano, Luzern und Zürich. Er ist Autor von mehr als 300 wissenschaftlichen Aufsätzen und 30 Büchern und wurde 2011 mit dem „Theory Award“ des Media Tenor sowie 2012 mit dem „Helen Dinerman Award“ der World Association of Public Opinion Research ausgezeichnet. 2015 wurde er zum „Fellow“ der International Communication Association ernannt. ...