Europäische Identität – eine Definition

Pressemitteilung vom 5. Februar 2018

Europäische Identität – eine Definition

Die Flüchtlingskrise, die Euro-Problematik, der Brexit und zunehmende nationalistische Bewegungen in verschiedenen Ländern — insbesondere in den Krisenzeiten der europäischen Einigung stellt sich die Frage, was die Europäische Union charakterisiert, zusammenhält, von anderen unterscheidet und was für eine Art von Gemeinschaft sie sein will. Was heißt ›europäisch sein‹ überhaupt? Und wie haben sich die Ansichten darüber im Laufe der Zeit geändert?

Diesen Fragen geht Julia Lönnendonker in ihrem neuen Buch Konstruktionen europäischer Identität. Eine Analyse der Berichterstattung über die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei 1959 bis 2004 nach. Beispielhaft untersucht sie darin die Darstellungen europäischer Identität im deutschen Diskurs über einen möglichen Beitritt der Türkei in die EU. Nach einer einleitenden Betrachtung der Rahmenbedingungen — wie der politischen Entwicklungen der Beziehungen zwischen der Türkei und der europäischen Gemeinschaft, der Bedeutung der Medien in Deutschland und dem Verständnis von Öffentlichkeit — wertet sie im Hauptteil die Berichterstattung über europäische Identität aus sieben großen deutschen Zeitungen über knapp fünf Jahrzehnte aus.

Im Rahmen des Forschungsprogramms der wissenssoziologischen Diskursanalyse nutzt die Autorin eine qualitativ-induktive Inhaltsanalyse und eine Metaphernanalyse, um sowohl der Makro- wie auch der Mikrostruktur des Diskurses näher zu kommen. Zur quantitativen Validierung der qualitativ rekonstruierten Deutungsmuster werden im Anschluss statistische Korrespondenz- und Clusteranalysen durchgeführt.
Julia Lönnendonkers Analysen ergeben: Die Vorstellungen der europäischen Gemeinschaft haben sich seit 1959 stark verändert und ausdifferenziert. So wird die EU neben den anfänglichen, eher abstrakten Deutungen als politische und wirtschaftliche Gemeinschaft in den jüngeren Untersuchungsjahren zunehmend als handelnde Person mit gemeinsamen Werten und eindeutiger geografischer Definition charakterisiert. Dies deutet auf eine intensivierte Selbstverständigungsdebatte hin.

Konstruktionen europäischer Identität ist in der der Reihe Öffentlichkeit und Geschichte erschienen und ermöglicht eine Annäherung an die Definition der europäischen Identität. Der Band richtet sich an Wissenschaftler und alle Bürger, die sich für die europäische Integration und die Beziehungen der EU zur Türkei interessieren. Insbesondere spricht das Buch Politologen, Soziologen und Historiker, die sich mit Themengebieten europäische Identität und Öffentlichkeit beschäftigen, an. Für Kommunikationswissenschaftler ist der Band auch als ein systematisches Anwendungsbeispiel der wissensoziologischen Diskursanalyse auf Medientexte interessant.

AUTOREN / HERAUSGEBER

Julia Lönnendonker

Julia Lönnendonker, Dr., geb. 1977, ist Postdoc am Institut für Kommunikationswissenschaft der Vrije Universiteit Brussel (VUB). Während ihrer Promotionsphase war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Journalistik der TU Dortmund und am Erich-Brost-Institut für internationalen Journalismus. Sie hat Journalismus am Emerson College in Boston und Geografie an den Universitäten in Bonn und Aachen studiert. Ihre Forschungsschwerpunkte sind (international vergleichende) Journalismusforschung, Auslandskorrespondenz, EU-Berichterstattung und europäische Öffentlichkeit und Identität. ...