Tilo Hartmann

Die Selektion unterhaltsamer Medienangebote am Beispiel von Computerspielen: Struktur und Ursachen

Unterhaltungsforschung, 4

Die rein theoretische Arbeit widmet sich dem Problem, die individuelle Auswahl unterhaltsamer Medienangebote modelltheoretisch (am Beispiel von Computerspielen) abzubilden. Nach einer Übersicht über bisherige kommunikationswissenschaftliche und medienpsychologische Ansätze zur Medienselektion wird ein Menschenbild als metatheoretischer Überbau vorgeschlagen („der Mensch als Organismus“), innerhalb dessen sich die verschiedenen Ansätze integrieren lassen. Aufbauend auf dem vorgeschlagenen Menschenbild wird Unterhaltung als eine Mischung aus der Regeneration „erschöpfter“ organismischer Ressourcen und der „Selbsterweiterung des Organismus“ definiert.

Die Arbeit benutzt den so eröffneten Rahmen, um den Auswahl- und Zuwendungsprozess zu unterhaltsamen Medienangeboten handlungstheoretisch abzubilden. Zunächst wird die „innere“ handlungsvorbereitende Phase (z. B. der Entscheidungsprozess) von der „äußeren“ handlungsrealisierenden Phase (z.B. die eigentliche Umsetzung der Entscheidung) unterschieden. Im Rahmen der handlungsvorbereitenden Phase wird wiederum die motivationale von der volitionalen Phase unterschieden. Die Arbeit fokussiert die motivationale Phase, in deren Verlauf die Intention gebildet wird, sich einem unterhaltsamen Medienangebot zuzuwenden. Die Intentionsbildung wird in enger Anlehnung an bestehende psychologische und kommunikationswissenschaftliche Modellierungen (z.B. entlehnt aus dem Uses-and-Gratifications-Ansatz) als Erwartungs-Wert-Prozess beschrieben. Es wird angenommen, dass (den Organismus erholende und erweiternde) Erlebenszustände, soziale Implikationen und Kosten der Medienzuwendung vom Nutzer mental vorweg genommen werden, wodurch dann eine bestimmte Zuwendungsintention gebildet wird.

Im Rahmen einer Abschlussdiskussion wird eine Forschungsagenda skizziert, die eine empirische Testung und Anreicherung der erörterten Modellierung ermöglicht.

AUTOREN / HERAUSGEBER

Tilo Hartmann

Tilo Hartmann, derzeit Associate Professor am Department of Communication Science der VU Universität Amsterdam. Zuvor Studium und Promotion am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung in Hannover, und Post-Doktorand an kommunikationswissenschaftlichen Instituten in Erfurt, Zürich und Los Angeles. Zur Zeit Editorial Board Member von Journal of Communication, Media Psychology und Human Communication Research. Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Medienpsychologische Analyse der Massen- und Individualkommunikation, insbesondere subjektive Wahrnehmungen medialer Inhalte (Hostile-Media-Effekte, Gesundheits- und Risikokommunikation, Gesundheitsangst und Internetnutzung), Realitätserleben (Präsenzforschung, “Perceived Realism”), Erleben und wahrgenommener ...


Die Selektion unterhaltsamer Medienangebote am Beispiel von Computerspielen: Struktur und Ursachen
  • 2006,
  • 210 S., 10 Abb., 5 Tab., dt.
  • Broschur, 213 x 142
  • ISBN 978-3-938258-20-0

  • 29,00 EUR
  • lieferbar

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