Das Bild als fiktionales Werk

Pressemitteilung vom 31. März 2017

Das Bild als fiktionales Werk

Die Neuerscheinung Bild und Fiktion stellt auf lesenswerte Weise eine innovative These zur Philosophie der Bilder zur Diskussion.

Was sind Bilder? Wann sind Bilder? Wie sind Bilder möglich? Fragen, die Bildforscher bereits seit einigen Jahrzehnten beschäftigen. Die Bildwissenschaft muss sich aber aufgrund von immer wieder aufwallenden Disputen über die Natur ihrer Forschungsgegenstände rechtfertigen. Um einer Entfremdung der Bildbenutzer von ihrem Benutzungsgegenstand entgegenzuwirken, ist der Versuch nötig, Bilder als das aufzufassen, wofür sie tatsächlich genutzt werden: als Medien, d.h. als Mittel zur Kommunikation.

In Bild und Fiktion. Eine Untersuchung über die Funktion von Bildern in der Erkenntnistheorie macht die Autorin Benita Herder in klarem und verständlichem Stil einen Vorschlag, der Natur des Bildzeichens eine notwendige Bedingung hinzuzufügen: die der Fiktionalität. Denn das Benutzen von Bildern impliziert, auf einem Bild etwas zu sehen, was nicht zu sehen ist. Diese Auffassung charakterisiert Bilder als visuelle fiktionale Werke und ermöglicht somit, sie mit den Qualitäten dieser auszuzeichnen. Diese Besonderheit hebt Bildzeichen von anderen Zeichen ab und verdeutlicht ihren besonderen Wert: die Möglichkeit, sie als visuelle Exemplifikation von Inhalten zu verwenden.

Gegliedert in drei Kapitel wird im Buch zunächst untersucht, was Bilder im Allgemeinen auszeichnet. Hauptthema ist hier die Semiotik der Bilder. Bildliche Repräsentationen werden demnach als Zeichen, speziell als exemplifizierende Repräsentation definiert. Im zweiten Kapitel werden die Besonderheiten der Bilder gegenüber anderen Zeichen behandelt. Dabei wird auf die Make-Believe-Theorie von Kendall Walton eingegangen, die Bilder als notwendig fiktional charakterisiert. Im dritten Kapitel werden die Ergebnisse der vorangegangenen Kapitel verwendet, um zu zeigen, wie man mit Bildern Wissen und Erkenntnis speziell mithilfe von Fiktionalität vermitteln kann. 

Es  eröffnet sich eine interessante Perspektive auf Bilder aus Sicht der philosophischen Erkenntnistheorie: Bilder vermitteln uns Wissen und Erkenntnis über unsere Welt auf eine metaphorische, indirekte Art, indem sie – wie andere fiktionale Werke auch – als Modelle einzelner Aspekte unserer Welt funktionieren. Die Thesen und Theorien werden durch viele konkrete und anschauliche Beispiele aus Wissenschaft, Kunst, Zeitungswesen, Werbung, Schule, Verkehr, Technik und Alltag erklärt und begleitet. Somit richtet sich der Band an ein wissenschaftliches Fachpublikum der Bereiche Bildtheorie, philosophische Erkenntnistheorie, Kunst- und Kulturgeschichte sowie Fiktionsforschung, spricht aber auch an Philosophie und Bildtheorie interessierte Laien an.

AUTOREN / HERAUSGEBER

Benita Herder

Benita Herder, Jahrgang 1986, studierte von 2005 bis 2011 Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte an der Universität zu Köln. Von 2011 bis 2016 war sie dort Doktorandin am Philosophischen Seminar. Zu ihren Forschungsinteressen zählen vor allem kunstphilosophische und literaturtheoretische Fragestellungen. ...