Populäre Kultur und Medien


Von Redaktion am 16.02.2012

Rezensiert von Merle-Marie Kruse

“Obwohl wir von populärer Kultur und Medien geprägt sind und diese zugleich ständig prägen, gibt es im deutschsprachigen Wissenschaftsraum nur wenige dezidierte, systematische und explizite Untersuchungen dieser Zusammenhänge. Noch immer stehen wir am Anfang der Analyse und Kritik populärer Kultur und ihrer medialen Formen”, heißt es zur Reihe Populäre Kultur und Medien im LIT-Verlag, deren Herausgeber Christoph Jacke und Martin Zierold gleichzeitig Gründer der AG Populärkultur und Medien innerhalb der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM) sind. Dem Desiderat einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Aspekten medienvermittelter populärkultureller Phänomene nehmen sich die Bände 1 und 2 der besagten Reihe an: Christoph Jackes Einführung in Populäre Musik und Medien fokussiert aus einer medienkulturwissenschaftlichen Perspektive den Bereich Popmusik als “Herzstück[s]” (12) der Popkultur und streift dabei ganz unterschiedliche Themenfelder. Der von Christoph Jacke, Jens Ruchatz und Martin Zierold herausgegebene Tagungsband Pop, Populäres und Theorien enthält Diskussionsbeiträge und gegenstandsbezogene Beispiele zur Bedeutung wissenschaftlicher Theorien für die Erforschung populärer Kultur.

Christoph Jacke verfolgt mit seiner Einführung in Populäre Musik und Medien das Ziel, “aus immer wieder neuen und doch auch verschränkten Perspektiven zu zeigen, wie man als Medienkulturwissenschaftler […] auf Pop schauen und Pop für die universitäre Ausbildung fruchtbar nutzen sowie gleichzeitig zentrale Begriffe einführen und definieren kann” (21). Der Band versammelt dreizehn bereits andernorts publizierte, für diese Einführung überarbeitete Aufsätze des Autors, die von zwei bisher unveröffentlichten einleitenden Kapiteln und einem kurzen Fazit gerahmt werden. Ein “Serviceteil” im Anhang gibt Hinweise zu einer Auswahl an weiterführender Literatur, einschlägigen (inter-)nationalen Fachgesellschaften sowie anschlussfähigen Studiengängen.

Die zentralen Aussagen der eher grundlagenorientierten sowie den eigenen Standpunkt des Autors absteckenden Kapitel zu “Pop und Wissenschaft”, “Pop und Universität” sowie “Pop, Musik und Medien” lesen sich zum einen als ein nachdrückliches Plädoyer für die universitäre Verankerung und Institutionalisierung einer transdisziplinär, international und multiperspektivisch ausgerichteten Popmusikwissenschaft im deutschsprachigen Wissenschaftsraum und als kritische Reflexion der Probleme und Potentiale, die mit einer solchen “Institutionalisierung des Uninstitutionellen” (49) einhergehen – so könne aufgrund der sich konstant verändernden Begriffe Pop, Kultur, Musik und Medien das Ziel niemals eine definitorische Festschreibung ebendieser sein (71), sondern es gelte, mithilfe einer Synthese unterschiedlicher Ansätze und Methoden “übergreifende Analysen in Lehre und Forschung vorzustrukturieren” (ebd.) und die Studierenden wissenschaftlich fundiert an ihren (popkulturellen) Alltagswelten abzuholen (51).

Zum anderen setzt Jacke dem insbesondere für deutschsprachige Wissenschaftskontexte konstatierten Mangel an spezifischen Analysewerkzeugen für den Zusammenhang von populärkulturellen Phänomenen und medialen Angeboten ein Forschungsprogramm entgegen, das er als eine Zusammenführung aus “den Strängen des soziokulturellen Konstruktivismus und gewisser Pfade der Cultural Studies und eines damit verbundenen weiten Kulturbegriffs” (45) bezeichnet. Konkret bezieht der Autor sich maßgeblich auf Siegfried J. Schmidts Auffassung von ‘Kultur als Programm’, die Jacke durch die Einführung der Programmebenen ‘Main’ und ‘Sub’ und die entsprechenden Anwender_innen erweitert und ausdifferenziert (41ff.), sowie auf den ‘Medienkompaktbegriff’ Schmidts (z.B. 62). Positiv hervorzuheben im Sinne des Einführungs-Charakters dieses Bandes ist der Überblick über aktuelle Forschungsperspektiven auf Popmusik (24ff.) und ein Forderungskatalog an zukünftige Entwicklungen der Popmusikforschung (34ff.).

Indem er in den anschließenden Kapiteln – größtenteils mithilfe des bereits angesprochenen Theoriegerüsts – ganz unterschiedliche, weit gefächerte Themenfelder zum Verhältnis von Pop und Medien, wie bspw. Pop und Digitalisierung, Pop und Erinnerung, Pop und Stars, Pop und Dritte Orte, Popjournalismus sowie Medienkritik bearbeitet, legt Jacke hier auf durchaus innovative Weise Grundsteine für einen dezidiert medienkulturwissenschaftlichen Zugang zum Zusammenhang von populärer Musik bzw. Popkultur und Medien. Erfreulich dabei ist insbesondere, dass Jacke in seinen Analysen Ansätze entwickelt, gesellschaftliche Kontexte und Machtverhältnisse systematisch in die Fragestellungen zu integrieren – Popmusik ist für ihn (auch) deshalb ein ernstzunehmender Forschungsgegenstand, weil sie “ein ideales Spielfeld für Geschichten, Diskurse, Erinnerungen und somit kommunikative und mediatisierte Gemeinschaften und Gegner” (19) darstellt. Exemplarisch kann dies veranschaulicht werden an der Frage danach, wer im Pop (und nicht nur dort) Themen setzen und Diskurse bestimmen kann (86, 105), an der Problematisierung des (unmöglichen) Sich-Entziehens ‘subkultureller’ Bands aus kapitalistischen Verwertungslogiken (am Beispiel Nirvanas, 169ff.) und der Vereinnahmung von D.I.Y.-Kulturen durch die ‘Creative Industries’ (247) sowie am Thematisieren der Rolle von Popmusik für kollektive Selbstvergewisserung (112).

Durch einige aufgrund des Formates als Aufsatzsammlung entstehende Redundanzen lädt das Buch eher dazu ein, sich themenfeldbezogen jeweils einzelne Kapitel vorzunehmen, anstatt diese linear ‘durchzuarbeiten’; des Weiteren wäre stellenweise eine sorgfältigere Überarbeitung der Einzelaufsätze für ein solches Einführungs-Format wünschenswert gewesen – so wiederholen sich beispielsweise Zitate (37, 52), und Textpassagen (24f., 44). Insgesamt eröffnet dieses sehr lesenswerte Buch jedoch viele erhellende Einblicke in Themenbereiche, Fragestellungen und Desiderate aktueller medienkulturwissen- schaftlicher Popkultur- und Popmusikforschung und eignet sich insbesondere als wissenschaftlicher Einstieg in das Themengebiet, aber auch für am Popjournalismus Interessierte.

Der von Christoph Jacke, Jens Ruchatz und Martin Zierold herausgegebene Band Pop, Populäres und Theorien. Forschungsansätze und Perspektiven zu einem prekären Verhältnis in der Medienkulturgesellschaft möchte kein ‘Sammelband’ “im schlechten Sinne einer reinen Ansammlung von Artikeln” (10) sein, sondern hat sich eine dialogorientierte “produktive Debatte über das grundsätzlich prekäre Verhältnis zwischen Pop und Theorien” (ebd.) zum Ziel gesetzt. Der Band geht auf die Jahrestagung der AG Populärkultur und Medien der GfM im Januar 2010 zurück und gliedert sich in zwei Abschnitte: “Sektion 1: Diskussionen” und “Sektion 2: Beiträge”.

Der erste Teil (“Diskussionen”) zeichnet zum einen durchaus kontroverse Auseinandersetzungen mit der Frage nach, “welche Rolle Theorie für die Erforschung des Populären und der Popkultur spielen sollte” (11), die aus einer Podiumsdiskussion der Fachtagung hervorgehen. Die Diskussionsbeiträge spannen sich von Marcus S. Kleiners Plädoyer für eine “eigensinnige Pop-Theorie” (53), die gegenstandsbezogen “durch ein close reading von Popkulturen” (57) zu erarbeiten sei, über Jens Ruchatz’ Vorschlag, “nicht eine Theorie der Populärkultur, der Popmusik oder der Populärwissenschaft anzustreben, sondern eine Theorie des Populären insgesamt zu wagen” (72), sowie Christina Bartz’ Anregung, in der gegenwärtigen formativen Phase der wissenschaftlichen Popkulturforschung sei ein “Wechsel der Register” (24) vorherrschender popjournalistischer Publikationspraxen hin zu akademischer Textproduktion und Theoriearbeit wünschenswert, die nicht am Punkt der vermeintlichen Selbstevidenz populärer Phänomene Halt machen sollte (28), bis hin zur unter Bezugnahme auf Theoretiker wie Tadeusz Pawlowski, John Dewey sowie Richard Rorty wissenschaftstheoretisch begründeten These Thomas Heckens, populäre Phänomene bräuchten keine “eigene Theorie oder Methode zu ihrer Durchdringung und Erhellung” (39), sondern könnten durch bereits bestehende Ansätze erfasst werden.

Zum anderen findet sich in diesem Teil ein etwa 30 Buchseiten umfassendes Gespräch zwischen Christoph Jacke und Diedrich Diederichsen. Es umkreist Themen wie die konzeptuelle Unterscheidung zwischen Populärem, Popmusik und Popkultur (80ff.), Implikationen und Herausforderungen einer Institutionalisierung der Popmusikforschung (95ff.), unterschiedliche Deutungsweisen von Popmusik und deren Zukunft (101ff.), sowie das ‘obligatorische’ Reden über persönliche musikalische Präferenzen (104, 106f.). Kernstück stellt jedoch die Auseinandersetzung mit Diederichsens Beiträgen zu einer Theoriebildung des Populären bzw. der Popmusik dar; erläutert und diskutiert werden hier “fünf Thesen zum Populären” und die Rolle von Popmusik “als Mittel zur Abgrenzung innerhalb des Populären” (81), “Pop I-III” und die drei “kulturindustriellen Phasen” (90ff.).

Der zweite Teil (“Beiträge”) versammelt sieben Aufsätze, in denen die Verfasser_innen den Fokus darauf legen, “die theoretischen Implikationen ihrer eigenen Forschungsprojekte zu erörtern” (11). Entsprechend divers gestaltet sich auch das Themen-, Theorie- und Gegenstandsspektrum der Beiträge, die mal mehr, mal weniger instruktiv veranschaulichen, dass Populärkultur und Theorie(n) sich zum einen nicht nur nicht ausschließen, sondern es – mit Stuart Hall (1999: 119) ausgedrückt – sogar “einer Menge an theoretischer Arbeit bedarf, um die Dunkelheit des Offensichtlichen zu erhellen”, und dass hierfür zum anderen produktiv ganz unterschiedliche theoretische Perspektiven eingenommen werden können und sollten.

Als eine zentrale Referenz taucht immer wieder Michel Foucault auf; wichtige Denkanstöße liefern seine Theorien sowohl für Jochen Bonz’ (“Soziologie des Hörens”) Vorschlag einer “subjektorientierte[n] Popkulturforschung” (113) als auch für den gemeinsamen Aufsatz von Sascha Trültzsch und Thomas Wilke (“Zum Schwellenwert des Populären”), die in Prozessen der Popularisierung das jeweilige “Dispositiv des Populären” (224) berücksichtigt wissen wollen, sowie für die diskursanalytische Programmatik Sabine Eggmanns (“Das ‘Populäre’ aus diskursanalytischer Sicht”). Eggmann beschreibt das Populäre als “das in einer spezifischen Gesellschaft in einer spezifischen Weise diskursiv Ausgehandelte” (143), das als “Modus der Vergesellschaftung” (146) fungiert und das sie nicht als fixiertes theoretisches Konzept, sondern als das je historisch-spezifisch “zu Erklärende” (139) betrachtet.

Weitere wichtige theoretische Bezugspunkte für die Beitragenden sind Modelle aus der Kommunikations- und Journalismusforschung (Benjamin Schäfer: “Popkritik und Popkanon”) sowie aus der (Organisations-)Soziologie (Martin Seeliger: “Kultur – Struktur – Handlung”), die Kulturindustriethese Max Horkheimers und Theodor W. Adornos (Mathias Mertens: “Prosumé über Popkultur”) sowie das Werk des Philosophen Stanley Cavell (Herbert Schwaab: “Die Komödie der Verleugnung”). Schwaab setzt sich mit Cavells sprachphilosophischer Perspektive auf die Frage auseinander, wie über das Populäre oder “Gewöhnliche” gesprochen werden kann, deren “Widerständigkeit und Widersprüchlichkeit” sich einem einfachen Zugriff entziehen (187) und analysiert in populären Filmen der Farrelly-Brüder eine Komplexität ‘hinter’ der Unterhaltsamkeit dieser medialen Angebote.

Abschließend bleibt anzumerken, dass als Klammer um die beiden Teile des Buches ein Schlussaufsatz wünschenswert gewesen wäre, der die unterschiedlichen und facettenreichen theoretischen Rahmungen hätte in Beziehung setzen und systematisierend Errungenschaften und Herausforderungen einer Theoriebildung des Populären aufzeigen können. Dies soll aber keineswegs über die produktiven Anstöße für Theoriearbeit, aber auch gegenstandsbezogene Analysen des Populären hinwegtäuschen, die diesen Band gleichermaßen für Studierende und Forschende unterschiedlicher Disziplinen interessant machen.

Die beiden ersten Bände der Reihe “Populäre Kultur und Medien” bieten damit aufschlussreiche Ansätze und Perspektiven einer (medien)kultur- und kommunikationswissenschaftlich fundierten Erforschung unterschiedlicher Aspekte des Populären. Es ist zu wünschen, dass aus diesen und anderen Kreisen weitere Diskussionen folgen – der dritte Band Methoden der Populärkulturforschung ist soeben erschienen.

Literatur:

Hall, Stuart: “Ein Gefüge von Einschränkungen”. Ein Gespräch zwischen Stuart Hall und Christian Höller. In: Engelmann, Jan (Hrsg.): Die kleinen Unterschiede. Der Cultural Studies-Reader. Frankfurt/M. [Campus] 1999, S. 99-122.

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Populäre Kultur und Medien

“Obwohl wir von populärer Kultur und Medien geprägt sind und diese zugleich ständig prägen, gibt es im deutschsprachigen Wissenschaftsraum nur wenige dezidierte, systematische und explizite Untersuchungen dieser Zusammenhänge. Noch immer stehen wir am Anfang der Analyse und Kritik populärer Kultur und ihrer medialen Formen“, heißt es zur Reihe “Populäre Kultur und Medien“ im LIT-Verlag[MK1], deren Herausgeber Christoph Jacke und Martin Zierold gleichzeitig Gründer der „AG Populärkultur und Medien“ innerhalb der „Gesellschaft für Medienwissenschaft“ (GfM) sind. Dem Desiderat einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Aspekten medienvermittelter populärkultureller Phänomene nehmen sich die Bände 1 und 2 der besagten Reihe an: Christoph Jackes Einführung in Populäre Musik und Medien fokussiert aus einer medienkulturwissenschaftlichen Perspektive den Bereich Popmusik als „Herzstück[s]“ (12) der Popkultur und streift dabei ganz unterschiedliche Themenfelder. Der von Christoph Jacke, Jens Ruchatz und Martin Zierold herausgegebene Tagungsband Pop, Populäres und Theorien enthält Diskussionsbeiträge und gegenstandsbezogene Beispiele zur Bedeutung wissenschaftlicher Theorien für die Erforschung populärer Kultur.

Christoph Jacke verfolgt mit seiner Einführung in Populäre Musik und Medien das Ziel, “aus immer wieder neuen und doch auch verschränkten Perspektiven zu zeigen, wie man als Medienkulturwissenschaftler […] auf Pop schauen und Pop für die universitäre Ausbildung frucht­bar nutzen sowie gleichzeitig zentrale Begriffe einführen und definieren kann“ (21). Der Band versammelt dreizehn bereits andernorts publizierte, für diese Einführung überarbeitete Aufsätze des Autors, die von zwei bisher unveröffentlichten einleitenden Kapiteln und einem kurzen Fazit gerahmt werden. Ein “Serviceteil“ im Anhang gibt Hinweise zu einer Auswahl an weiterführender Literatur, einschlägigen (inter-)nationalen Fachgesellschaften sowie anschlussfähigen Studiengängen.

Die zentralen Aussagen der eher grundlagenorientierten sowie den eigenen Standpunkt des Autors absteckenden Kapitel zu “Pop und Wissenschaft“, “Pop und Universität“ sowie “Pop, Musik und Medien“ lesen sich zum einen als ein nachdrückliches Plädoyer für die universitäre Verankerung und Institutionalisierung einer transdisziplinär, international und multiperspektivisch ausgerichteten Popmusikwissenschaft im deutschsprachigen Wissenschaftsraum und als kritische Reflexion der Probleme und Potentiale, die mit einer solchen “Institutionalisierung des Uninstitutionellen“ (49) einhergehen – so könne aufgrund der sich konstant verändernden Begriffe Pop, Kultur, Musik und Medien das Ziel niemals eine definitorische Festschreibung ebendieser sein (71), sondern es gelte, mithilfe einer Synthese unterschiedlicher Ansätze und Methoden „übergreifende Analysen in Lehre und Forschung vorzustrukturieren“ (ebd.) und die Studierenden wissenschaftlich fundiert an ihren (popkulturellen) Alltagswelten “abzuholen“ (51).

Zum anderen setzt Jacke dem insbesondere für deutschsprachige Wissenschaftskontexte konstatierten Mangel an spezifischen Analysewerkzeugen für den Zusammenhang von populärkulturellen Phänomenen und medialen Angeboten ein Forschungsprogramm entgegen, das er als eine Zusammenführung aus “den Strängen des soziokulturellen Konstruktivismus und gewisser Pfade der Cultural Studies und eines damit verbundenen weiten Kulturbegriffs“ (45) bezeichnet. Konkret bezieht der Autor sich maßgeblich auf Siegfried J. Schmidts Auffassung von ’Kultur als Programm‘, die Jacke durch die Einführung der Programmebenen ’Main‘ und ’Sub‘ und die entsprechenden Anwender_innen erweitert und ausdifferenziert (41ff.), sowie auf den ’Medienkompaktbegriff‘ Schmidts (z.B. 62). Positiv hervorzuheben im Sinne des Einführungs-Charakters dieses Bandes ist der Überblick über aktuelle Forschungsperspektiven auf Popmusik (24ff.) und ein Forderungskatalog an zukünftige Entwicklungen der Popmusikforschung (34ff.).

Indem er in den anschließenden Kapiteln – größtenteils mithilfe des bereits angesprochenen Theoriegerüsts – ganz unterschiedliche, weit gefächerte Themenfelder zum Verhältnis von Pop und Medien, wie bspw. Pop und Digitalisierung, Pop und Erinnerung, Pop und Stars, Pop und Dritte Orte, Popjournalismus sowie Medienkritik bearbeitet, legt Jacke hier auf durchaus innovative Weise Grundsteine für einen dezidiert medienkulturwissenschaftlichen Zugang zum Zusammenhang von populärer Musik bzw. Popkultur und Medien. Erfreulich dabei ist insbesondere, dass Jacke in seinen Analysen Ansätze entwickelt, gesellschaftliche Kontexte und Machtverhältnisse systematisch in die Fragestellungen zu integrieren – Popmusik ist für ihn (auch) deshalb ein ernstzunehmender Forschungsgegenstand, weil sie “ein ideales Spielfeld für Geschichten, Diskurse, Erinnerungen und somit kommunikative und mediatisierte Gemeinschaften und Gegner“ (19) darstellt. Exemplarisch kann dies veranschaulicht werden an der Frage danach, wer im Pop (und nicht nur dort) Themen setzen und Diskurse bestimmen kann (86, 105), an der Problematisierung des (unmöglichen) Sich-Entziehens ’subkultureller‘ Bands aus kapitalistischen Verwertungslogiken (am Beispiel Nirvanas, 169ff.) und der Vereinnahmung von D.I.Y.-Kulturen durch die ’Creative Industries‘ (247) sowie am Thematisieren der Rolle von Popmusik für kollektive Selbstvergewisserung (112).

Durch einige aufgrund des Formates als Aufsatzsammlung entstehende Redundanzen lädt das Buch eher dazu ein, sich themenfeldbezogen jeweils einzelne Kapitel vorzunehmen, anstatt diese linear ’durchzuarbeiten‘; des Weiteren wäre stellenweise eine sorgfältigere Überarbeitung der Einzelaufsätze für ein solches Einführungs-Format wünschenswert gewesen – so wiederholen sich beispielsweise nicht nur Zitate (37, 52), sondern ganze Textpassagen (24f., 44).

Insgesamt eröffnet dieses sehr lesenswerte Buch jedoch viele erhellende Einblicke in Themenbereiche, Fragestellungen und Desiderate aktueller medienkulturwissenschaftlicher Popkultur- und Popmusikforschung und eignet sich insbesondere als wissenschaftlicher Einstieg in das Themengebiet, aber auch für am Popjournalismus Interessierte.


[MK1]

An die Redaktion:

URL, wo das Zitat zu finden ist: http://www.lit-verlag.de/reihe/pkum [09.12.2011] (zudem befindet sich das Zitat auf den Klappentexten beider Bände)

Vielleicht könnten Sie das an dieser Stelle verlinken, oder soll die URL als Quellenangabe für das Zitat sichtbar werden (z.B. als Fußnote direkt hinter dem Zitat?)