Journalistische Realität und Fiktion

Pressemitteilung vom 1. Februar 2012

Bis zum heutigen Zeitpunkt ist der Journalist eine beliebte Figur für Autoren fiktionaler Unterhaltungsangebote. Der Fülle an fiktionalen Werken stehen jedoch vergleichsweise wenige wissenschaftliche Untersuchungen gegenüber, die sich mit dem darin vermittelten Journalismusbild auseinandersetzen. Die Autorin Cordula Nitsch analysiert in ihrem neu erschienenen Buch “Journalistische Realität und Fiktion” die Darstellung des Journalismus in deutschen und US-amerikanischen Romanen und zeigt Reflexionen und Verzerrungen der journalistischen Realität auf.

Tagtäglich kommen wir mit journalistischen Produkten in Berührung, doch Kontakte zu Journalisten selbst sind eher selten. Eine wesentliche Quelle für die Vorstellungen von dieser gesellschaftlich relevanten Berufsgruppe sind die vielen fiktionalen Werke, die im journalistischen Milieu angesiedelt sind. Doch welches Bild des Journalismus wird dort vermittelt? Geht es dem Journalisten ausschließlich um die Story oder agiert er als Wächter der Demokratie, als Kritiker und Kontrolleur? Ist der Journalist ketterauchender Alkoholiker, der weder Feierabend noch Privatleben kennt? Welche Rolle spielen ökonomische oder rechtliche Einflussfaktoren für die journalistische Arbeit?

Im neuen Band Journalistische Realität und Fiktion geht die Kommunikationswissenschaftlerin Cordula Nitsch der Frage nach, welches Verhältnis zwischen empirischer Realität und fiktionaler Darstellung besteht. Diese Frage wird theoretisch und empirisch bearbeitet und fokussiert auf das Bild des Fernsehjournalismus in der deutschen und US-amerikanischen Romanfiktion. Die Analyse von Romanen dieser beiden Länder bietet sich besonders an, denn nicht nur deren Fernsehsysteme unterscheiden sich deutlich, sondern auch bei den Journalisten zeigen sich Differenzen. Um zu klären, welche Aspekte der journalistischen Realität reflektiert und welche verzerrt werden, wurden 60 Romane aus dem Zeitraum von 1970 bis 2005 inhaltsanalytisch untersucht. Die Analyse ermöglicht damit drei Vergleichsebenen: den internationalen Vergleich zwischen Deutschland und den USA, den Vergleich über die Zeit und den Vergleich zwischen Realität und Romanfiktion.

Die inhaltsanalytischen Befunde weisen sowohl auf Reflexionen journalistischer Realität als auch auf Verzerrungen hin. Fiktionale Werke sind nicht losgelöst von den gesellschaftlichen Strukturen des Ortes und der Zeit ihrer Entstehung. So ist die fiktive Handlung in das reale journalistische Umfeld eingebettet und die Romane enthalten zahlreiche Bezüge zur medialen Realität. Abweichungen von der Realität zeigen sich insbesondere bei der Darstellung des journalistischen Arbeitsalltags. Dies ist in den Romanen beider Länder der Fall und lässt transnationale Gestaltungsmuster erkennen.

AUTOREN / HERAUSGEBER

Cordula Nitsch

Cordula Nitsch, Dr. phil, geb. 1976. Studium der Neueren deutschen Literaturwissenschaft, Kommunikationswissenschaft und Medienpädagogik an der Universität Augsburg. 2010 Promotion zum Thema „Journalismus in der Fiktion“. Seit 2011 Mitarbeiterin am Lehrstuhl Kommunikations- und Medienwissenschaft III (Institut für Sozialwissenschaften) der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf; zuvor wissenschaftliche Mitarbeiterin/ akademische Rätin am Institut für Medien und Bildungstechnologie (Kommunikationswissenschaft mit Schwerpunkt Öffentliche Kommunikation) der Universität Augsburg. ...