Die Geschichte des Deutschen Presse-Diensts, 1945-1949

Pressemitteilung vom 15. Januar 2012

Nach dem Zweiten Weltkrieg war es nicht nur den Siegermächten klar, dass die Zeit der gleichgeschalteten, auf Propaganda ausgerichteten Medien vorbei sein sollte. Auch in Deutschland selbst war die Bereitschaft groß, die von den Alliierten in Gang gesetzte Neuordnung der Medienlandschaft nicht allein zu akzeptieren, sondern zu unterstützen und mitzugestalten.

Die Studie Der Deutsche Presse-Dienst. Nachrichtenagentur in der britischen Zone 1945-1949. Die Geschichte einer Medieninstitution im Nachkriegsdeutschland des Historikers Marc Jan Eumann, die nun im Herbert von Halem Verlag erschienen ist, analysiert mit dem Deutschen Presse-Dienst (dpd) die Nachrichtenagentur der britischen Besatzungszone und hat zum Ziel, die Bedeutung der Nachrichtenagenturen beim Aufbau des Mediensystems im Nachkriegsdeutschland zu bewerten.

Eumann rekonstruiert anhand einer eigenständigen Erschließung teilweise unveröffentlichter britischer und deutscher Quellen – wie den dpd betreffende Unterlagen des Foreign Office und den Nachlass des dpd-Chefredakteurs Fritz Sänger – die Geschichte des dpd. Darüber hinaus macht er an diesem Beispiel die pragmatischen Grundzüge der britischen Besatzungspolitik deutlich. Diese sah sich vor eine widersprüchliche Aufgabe gestellt: Sich mit dem dpd einerseits ein Erziehungs- und Herrschaftsinstrument zu schaffen, mit dem sich die eigenen Interessen im besetzten Land durchsetzen ließen, das aber andererseits auch als Vorbild für einen von der Politik unabhängigen Journalismus taugen konnte. Nachdem im August 1949 die Nachrichtenagenturen der westlichen Zonen zur dpa fusionierten, schloss sich das kurze Kapitel des dpd.

Über 60 Jahre nach seinem Ende und der Gründung der dpa sind Tageszeitungen und Nachrichtenagenturen weltweit unter erheblichem ökonomischen Druck. Dass es auch unter schwierigen Bedingungen gelingen kann, Voraussetzungen für unabhängigen Journalismus zu schaffen, zeigt die kurze, aber spannende Geschichte des dpd, über den bislang keine Monografie vorlag.

“Marc Jan Eumann schließt mit seiner Untersuchung eine empfindliche Lücke. Es ist daher anzunehmen, dass seine exemplarische Fallstudie zur Medienpolitik der britischen Besatzungsmacht zu einem Standardwerk wird, das für das Verständnis des Mediensystems und der journalistischen Kultur in der Bundesrepublik Deutschland unentbehrlich ist.”

(Aus dem Vorwort von Journalistik-Prof. Dr. Horst Pöttker)

AUTOREN / HERAUSGEBER

Marc Jan Eumann

Marc-Jan Eumann, Jahrgang 1966, studierte Mittlere und Neuere Geschichte, Anglo-Amerikanische Geschichte und Völkerrecht. Zahlreiche Veröffentlichungen und Vorträge zu medienpolitischen Themen. ...