Daniela Schaaf / Jörg-Uwe Nieland (Hrsg.)

Die Sexualisierung des Sports in den Medien

Sportkommunikation, 10

Die redaktionelle Darstellung von Sportlerinnen in den Medien erfolgt zunehmend in erotischen Posen, ihr Aussehen und ihre attraktive Ausstrahlung werden zur wichtigsten Bildaussage – die erzielte Leistung oder der errungene Sieg treten in den Hintergrund. Diese Sexualisierung in der Bildkommunikation findet dabei keineswegs ein Korrektiv im redaktionellen Umfeld, vielmehr zeigen sich auch in den journalistischen Texten entsprechende Tendenzen. Der sexualisierten Darstellung von Profisportlerinnen in Text und Bild schließt sich unmittelbar eine sexistische Aufbereitung in der werblichen Kommunikation an, die teilweise sogar softpornografische Züge trägt. So lassen sich Athletinnen, die zuvor in einschlägigen Männermagazinen, Sport-Illustrierten und Kalendern eine erotische Präsenz gezeigt haben, besonders gut als Werbetestimonial vermarkten. Die männliche Konkurrenz kann sich der medialen Sexualisierung ebenfalls kaum noch entziehen. Dank David Beckham wird auch von Sportlern erwartet, dass sie dem erwünschten maskulinen Körperideal entsprechen und außerhalb der klassischen Sportberichterstattung, insbesondere in der werblichen Kommunikation, in einem erotischen Kontext auftreten.

Doch geht die Sexualisierung des Sports in den Medien weit über den Profisport hinaus, was sich z.B. am Beispiel der “Sexy Sportclips” im Nachtprogramm von Spartensendern oder durch die gezielte Neuschaffung von erotisierten Sportarten wie der US-amerikanische Lingerie League, bei der die Sportlerinnen lediglich mit Dessous bekleidet sind, anschaulich zeigen lässt. Schließlich erfolgt auch eine Thematisierung bzw. bewusste Nicht-Thematisierung von Homosexualität und Transsexualität im Sport: Outings von homosexuellen Fußballspielerinnen sowie die Diskussion über die Transsexualität der südafrikanischen 800-m-Weltmeisterin Semenya zeigen die Brisanz des Themas an.

Der vorliegende Sammelband greift eine primär visuelle Repräsentationsstrategie auf, die sich in den vergangenen Jahren medienübergreifend beobachten lässt. Der vielfache mediale Einsatz dieser Sexualisierungsstrategien, der insbesondere im Umfeld der Frauen-Fußballweltmeisterschaft 2011 stark diskutiert wird, erhöht die Relevanz einer näheren wissenschaftlichen Betrachtung. Dieser interdisziplinär konzipierte Sammelband enthält Beiträge aus der Perspektive der Kommunikations-, Medien- und Marketingwissenschaft, der Geschlechterforschung, der Sportwissenschaft, der Körpersoziologie und den Cultural Studies.

AUTOREN / HERAUSGEBER

Jörg-Uwe Nieland

Jörg-Uwe Nieland, Dr. phil., geb. 1965; wiss. Mitarbeiter an der Universität Duisburg-Essen am Institut für Politikwissenschaft und der „Forschungsgruppe Regieren“ sowie an der Deutschen Sporthochschule Köln, Institut für Kommunikations- und Medienforschung. Schwerpunkte in Lehre und Forschung: Politischer Kommunikation und Regierungstätigkeit, Extremismusforschung, Medienpolitik und Medienentwicklung, Sportkommunikation und Sportpolitik sowie Populärkultur; Studium der Sozialwissenschaften/Politikwissenschaft, Philosophie, Geschichte und Sport in Duisburg, Bochum und Berlin; Lehrtätigkeiten an den Universitäten Düsseldorf, Dortmund, Siegen, Bochum, Münster, Bonn. Veröffentlichungen (Auswahl): Interaktives Fernsehen. Entwicklung, Dimensionen, Fragen, Thesen (mit ...


Daniela Schaaf

Daniela Schaaf, Dr. phil., Master of Arts in Medienmanagement, Diplom-Kauffrau (FH). Studium der Betriebswirtschaftslehre in Köln und der Angewandten Medienwissenschaft in Hannover am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung (Hochschule für Musik und Theater). Zuvor Ausbildung als Werbekauffrau (IHK) und Journalistin (Volontariat bei Brainpool TV). Langjährige Tätigkeit als TV-Redakteurin (u.a. »Die Harald Schmidt Show« bei SAT.1). Seit 2005 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kommunikations- und Medienforschung der Deutschen Sporthochschule Köln. Seit 2010 Stipendiatin der FIFA (João-Havelange-Forschungsstipendium): »Einzelsportler-Vermarktung im Profifußball der Frauen. ...


BEITRÄGER

Daniel Beck, Christoph Bertling, Robert Gugutzer, Ilse Hartmann-Tews, Dagmar Hoffmann, Roman Horak, Holger Ihle, Steffen Kolb, Dietrich Leder, Jörg-Uwe Nieland, Gertrud Pfister, Bettina Rulofs, Daniela Schaaf, Jan Tilmann Schwab, Martin K.W. Schweer, Nicole Selmer, Almut Sülzle, Sascha Trültzsch und Guido Zurstiege.

Die Sexualisierung des Sports in den Medien
  • 2011
  • 312 S., 38 Abb., 9 Tab., dt.
  • Broschur, 213 x 142 mm
  • ISBN 978-3-86962-051-0

  • 28,50 EUR
  • lieferbar

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