Martin K.W. Schweer / Christian Schicha / Jörg-Uwe Nieland (Hrsg.)

Das Private in der öffentlichen Kommunikation

Big Brother und die Folgen

Fiktion und Fiktionalisierung, 5

Im März 2000 startete in Deutschland die erste Staffel des kontrovers diskutierten Fernsehereignisses Big Brother auf RTL II, an die sich bislang zwei weitere Staffeln angeschlossen haben. Das Format steht für ein neues Konzept der Darstellung des Privaten, Intimen und Alltäglichen. Nie zuvor fand in der deutschen Fernsehgeschichte eine Sendung eine derart breite öffentliche Resonanz. Den Produzenten, Programmverantwortlichen und -vermarktern ist es gelungen, die Sendung und die damit zusammenhängenden Hintergrundberichte über die Kandidaten und ihr soziales Umfeld als Thema in nahezu allen Printmedien und verschiedenen Fernsehsendungen sowie auf zahlreichen Internetseiten zu plazieren, um auf diese Weise Anschlussdiskurse zu initiieren. Die gesellschaftliche Debatte zu Big Brother wird daher aus interdisziplinärer Perspektive unter Beteiligung von Politikwissenschaftlern, Sozialwissenschaftlern, Juristen, Kommunikationswissenschaftlern und Theologen erörtert. Beginnend mit einer Einordnung des Sendekonzepts Big Brother in den Kontext der bundesdeutschen Medienlandschaft werden Einschätzungen und Perspektiven zum Phänomen der zunehmenden Inszenierungen des Privaten formuliert. Zusätzlich werden medienethische Fragen aufgeworfen, wobei sowohl grundsätzliche Aspekte der Überwachung und Menschenwürde problematisiert werden als auch konkret über die Möglichkeiten der Programmaufsicht durch die Landesmedienanstalten berichtet wird. Weitere Beiträge beschäftigen sich mit dem Komplex Inszenierungen und Selbstinszenierungen, in dem die Selbstdarstellungsstrategien der Kandidaten während der ersten beiden Staffeln sowie Politikerauftritte während der ersten beiden Big Brother-Staffeln thematisiert werden. Abschließend werden umfangreiche quantitative und qualitative Daten zum Rezeptionsverhalten von Kindern und Jugendlichen präsentiert und die gesellschaftliche Rolle des größten Fernsehereignisses des Jahres 2000 problematisiert.

AUTOREN / HERAUSGEBER

Jörg-Uwe Nieland

Jörg-Uwe Nieland, Dr. phil., geb. 1965; wiss. Mitarbeiter an der Universität Duisburg-Essen am Institut für Politikwissenschaft und der „Forschungsgruppe Regieren“ sowie an der Deutschen Sporthochschule Köln, Institut für Kommunikations- und Medienforschung. Schwerpunkte in Lehre und Forschung: Politischer Kommunikation und Regierungstätigkeit, Extremismusforschung, Medienpolitik und Medienentwicklung, Sportkommunikation und Sportpolitik sowie Populärkultur; Studium der Sozialwissenschaften/Politikwissenschaft, Philosophie, Geschichte und Sport in Duisburg, Bochum und Berlin; Lehrtätigkeiten an den Universitäten Düsseldorf, Dortmund, Siegen, Bochum, Münster, Bonn. Veröffentlichungen (Auswahl): Interaktives Fernsehen. Entwicklung, Dimensionen, Fragen, Thesen (mit ...


Das Private in der öffentlichen Kommunikation
  • 2002
  • 446 S., 38 Abb., dt.
  • engl. Broschur, 213 x 142 mm
  • ISBN 978-3-931606-44-2

  • 30,00 EUR
  • Titel vergriffen

0 Kommentare

Sie können einen ersten Kommentar hinterlassen.
 
 

Bitte senden Sie uns Ihren Kommentar zu